Intelligentes Lernmanagement bei SPAR Österreich

SPAR Österreich, als mitteleuropäischer Handelskonzern, ist mit rund 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern  der größte österreichische private Arbeitgeber. Die SPAR-Gruppe ist auch in den Ländern Italien, Ungarn, Slowenien, Tschechien und Kroatien tätig.

Seit Ende 2011 setzt der Konzern verstärkt auf E-Learning und die Verzahnung mit Präsenzseminaren  („Blendend Learning“). Die Herausforderungen sind ähnlich wie in anderen großen Handelsorganisationen. Eine große Anzahl an Mitarbeitern muss dezentral zu unterschiedlichen Zeiten zielgruppenorientiert und effizient aus- bzw. weitergebildet werden.

Evolution der konzernalen Lerninfrastruktur

Der SPAR Konzern hat schon eine relativ lange Tradition mit Lernsystemen. Wenn man von der ersten Phase der klassischen analogen Videotrainings absieht, in der Schulungssequenzen in längeren Videos in einer Kabine direkt im Markt vermittelt wurden, liegen die Wurzeln des „digitalen“ Lernens bei den klassischen Computer Based Trainings (CBTs), die konzernal auf Basis von CDs verteilt worden sind und aus damaliger Sicht eine zeitoptimale und effiziente Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern bot.

Der Lernerfolg der einzelnen Mitarbeiter wurde zentral in einer Datenbank gesammelt und ausgewertet. Im neuen Jahrtausend hat man dann konsequent die Umstellung der CBTs auf Web Bases Trainings (=WBTs) begonnen, da der Aufwand, „datenträgergebundene“ Schulungen nach jeder Aktualisierung österreichweit auszurollen, zu groß wurde. CBTs waren den Anforderungen des Geschäftsalltags nicht mehr gewachsen. Produktion und Logistik bzw. Distribution bedeuteten einen hohen Aufwand, der klar auch auf Kosten der Aktualität ging.

Als System setzte sich damals die Firma VIWIS bei der Ausschreibung, mit dem noch heute im Einsatz befindlichen System VIVERSA®, durch. VIVERSA® als Lernplattform entstand in einer Projektkooperation mit Microsoft. Eine detaillierte Beschreibung ist heute noch im Netz unter „VIVERSA - eine neue Plattform und Generation von Lernplattformen mit Microsoft.NET“  zu finden.

Ziel des Systems war ein „Lernen im Medienverbund“, das heißt, die Verknüpfung von Präsenzseminaren, Selbstlernphasen und Online-Workshops zur Optimierung des Lernerfolgs. Heute bezeichnet man dieses „alte“ Konzept mit „Blended Learning“. Interessanterweise tauchen oft alte bewährte Ideen in einem „neuen Kleid“ auf. Neben der  E-Learning-Plattform  VIVERSA®, zur digitalen Unterstützung der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, ist damals auch parallel eine „klassische“ Seminarverwaltung im Konzern etabliert worden.
Ein System mit vielen Vorzügen

VIVERSA® als LMS hat viele Vorzüge und läuft trotz Benutzerzahlen im hohen 5-stelligen Bereich sehr performant. Das System wurde sukzessive von der Firma VIWIS weiter ausgebaut – wie beispielsweise das integrierte Seminarmanagement, das derzeit beim ADAC zum Einsatz kommt. Auf alle wesentlichen Aspekte der Funktionalität des derzeitigen LMS im Rahmen dieses Artikels einzugehen, würde den Rahmen sprengen, daher werden in Folge nur wesentliche Punkte angesprochen.

Standards – schön, dass es so viele gibt!

Nachteilig bei vielen LMS wirkt sich aus, dass es keine anerkannten Standards gibt, die den reibungslosen Austausch bzw. den Werterhalt des Lerninhaltes garantieren. SCORM ist in verschiedenen Versionen ein bekannter Standard, doch die Granularität ist zu wenig präzise und der Interpretationsspielraum der Unternehmen zu groß. Im Bereich der Fragen ist QTI eines der wenigen Austauschformate. Dieses wird beispielsweise von der
VIVERSA® unterstützt. Zusätzlich bietet die Viversa einen Quiz-Composer an, der viel Gestaltungsspielraum bietet.

Lernlogik  - Sequenzielle Steuerung der Lerninhalte

VIVERSA® bietet eine zeitlich oder erfolgsabhängig Sequenzielle Steuerung von Lerninhalten (WBTs, Übungen, Prüfungen, Präsenzseminare, Dokumente usw.) innerhalb eines Bildungsangebotes. Die vorgegebene Abfolge von Lernbausteinen muss absolviert werden, um  das Bildungsangebot erfolgreich absolvieren zu können. Dieser Mechanismus ermöglicht es sicherzustellen, dass die Mitarbeiter bestimmte Lerninhalte oder Übungen vor dem Abschlusstest absolviert haben.

Testing-Engine zum intelligenten Prüfungsmanagement

Seit der Einführung von E-Learning werden alle Übungen  und Prüfungen der Aus- und Weiterbildungsangebote zentral über die Lernplattform abgewickelt. Die Bandbreite der konzernalen Ausbildung reicht von der Juniorverkäuferprüfung bis hin zur konzerninternen Meisterprüfung.

Screenshot aus einem SPAR-WBT – Präsentation von Obst- und Gemüse-Produkten.


Die implementierte Testing-Engine von VIVERSA® ermöglicht es, Fragenpools mit entsprechender Kategorisierung zu pflegen und die entsprechenden Prüfungen und Übungen zufallsverteilt just-in-time abzubilden. Zukünftig besteht der Bedarf, die Art der Endgeräte bei der Ausgabe der Fragen mitzuberücksichtigen.

Der Jammer mit Qualifikationen und Kompetenzen

VIVERSA® im neuesten Release 8 bietet die Möglichkeit zu den Lerneinheiten entsprechende Qualifikationen abzubilden. Die „Qualifikationen“, als Bildungswährung ähnlich dem ECTS-System der Universitäten, soll hier inhaltlich schlüssig darstellen, welche Qualifikationen der Mitarbeiter konkret über verschiedene Maßnahmen erworben hat. SPAR diskutiert wie dieser Ansatz Anwendung finden kann, denn die Qualifikationen selbst sagen noch recht wenig über die wirklichen Kompetenzen der Mitarbeiter in der Praxis aus – also ob ein Mitarbeiter das Erlernte auch wirklich im Kontext in der Praxis umsetzen kann.

Führungskräfte sind Personalentwickler

Derzeitig fehlt in VIVERSA® noch ein Dashboard für Führungskräfte, das übersichtlich über den aktuellen Bildungsstand der Mitarbeiter informiert und entsprechende Maßnahmen setzen lässt. Die Firma VIWIS ist bereits beim Planen, wie ein Dashboard aussehen kann. Voraussetzung für das Führungskräfte-Dashboard ist allerdings die Anbindung des im Konzern bereits etablierten Organisationsmanagement von SAP, das hierzu die entsprechende hierarchische Information liefert.

Ein Dashboard für Führungskräfte in diesen Systemen ist unerlässlich, denn nur die Führungskraft kann bewerten, ob eine Qualifikation eines Mitarbeiters wirklich zur Kompetenz geworden ist - ob also die Schulungsmaßnahme auch wirklich gefruchtet hat! 

Die Zeichen der Zeit – Social Learning ist ein MUSS

Der SPAR Konzern nimmt allein in Österreich jährlich 900 neue Lehrlinge auf, um den Personalbedarf der Zukunft entsprechend absichern zu können. Insgesamt sind in verschiedenen Vertriebsschienen und Unternehmen rund 2.700 Lehrlinge in 17 verschiedenen Lehrberufen  beschäftigt.

Die heutige Jugend wächst mit einem ganz anderen technologischen Verständnis ohne digitale Hemmschwelle auf. Der permanente Austausch in sozialen Netzwerken über digitale Endgeräte in jeder Lebenslage ist heute  für Jugendliche selbstverständlich. Aus dem Grund bemüht sich SPAR, über Social Media mit dieser Zielgruppe in Kontakt zu treten und sich als attraktiver und innovativer Arbeitgeber sichtbar zu machen. Aber was hat der Einstieg in die Berufswelt über Social Media mit Lernmanagementsystem zu tun? Sehr viel!

Ein optimales System in Sicht

Norbert Büning hat in seinem Buch „Lernen im Unternehmen“ (2012) ein ideales System skizziert. Die Personal Learning Environments (=PLEs)! Verschiedene Lernzugänge dürfen nicht als „Insel“ in der Softwarelandschaft eines Unternehmens existieren, sie müssen möglichst nahe an der Schnittstelle zum Mitarbeiter integriert werden. Das heißt, im Unternehmensintranet muss die Kombination aus formellem Lernen (z. B. LMS) und informellem Lernen (z. B. Soziale Netzwerke) optimal eingepasst werden. Der Lernende selbst  steht im Mittelpunkt. Inhalte, Ressourcen und Werkzeuge müssen für ihn so arrangiert werden, dass das persönliche Wissensmanagement und Lernen bestmöglich erfolgen kann!
 
Bei SPAR haben wir jedenfalls die Segel gesetzt und bereits Kurs auf eine PLE- basierte Unternehmenslernplattform genommen. Ende 2013 wurde deswegen ein Evaluierungsprojekt gestartet, das das optimale Zusammenspiel der bestehenden Softwarebausteine in der Personalentwicklung genauer analysieren und weiter optimieren soll. Klar ist jedenfalls, dass es zukünftig nur ein Personalentwicklungssystem geben kann, über das die Mitarbeiter ihre Aus- und Weiterbildung bzw. Führungskräfte und Personalentwickler die Qualifikation „managen“.

KONTAKT

SPAR Österreichische Warenhandels-AG

Ansprechpartner:
Mag. Ing. Michael Fally
Konzern-Personalentwicklung E-Learning

Europastraße 3
A-5015 Salzburg

michael.fally(at)spar.at 

www.spar.at


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