Wie Wissen wirklich wirkt

V i w i s b i e t e t m i t d e r V I V E R SA P l a t t f o r m e i n e L ö s u n g , d i e s i c h z u m e i n e n f l e - x i b e l i n j e d e S y s t e m u m g e b u n g i n t e g r i e r e n l ä s s t u n d d i e z u d e m j e d e r A n f o r d e r u n g g e w a c h s e n i s t . D i e s e E r f a h r u n g d u r f t e a u c h d i e P o s t b a n k m a c h e n. W o r u m e s d a b e i g e h t h a t u n s J o a c h i m L a u t e n s c h l a g e r v o n V I W IS e r k l ä rt.

eLearning Journal: Herr Lautenschlager, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Im Rahmen der Projektvorstellung
zum eLearning-Award möchten wir natürlich etwas mehr über das vorgestellte Projekt mit der Postbank erfahren. Können Sie uns eine kurze Zusammenfassung des Projektes geben – worum geht es und was ist das Ziel?

Das Postbankprojekt ergab sich 2009 aus der Novellierung des Versicherungsvermittlungsgesetzes. Es wird nun verlangt, dass die Versicherungsvermittler eine fachspezifische Sachkunde nachweisen können, die von der Art des vertriebenen Produktes abhängt. So muss ein Versicherungsberater, der sich in der Hauptsache mit KFZ-Versicherungen befasst, in dieser Produktsparte seine Sachkunde nachweisen können. Je mehr Produkte
ein Berater anbietet, desto höher werden die Anforderungen. Dies kann bis hin zur Prüfung vor der IHK gehen, wenn ein Berater die gesamte Palette der Versicherungsprodukte anbieten möchte.

Der erste Schritt war das Feststellen des derzeitigen Bildungsstandes. Dies erfolgte zentral durch den Versand von Fragebögen an die einzelnen Mitarbeiter der verschiedenen Vertriebsarten. Danach kam die Festlegung der Lerninhalte in Anlehnung an den ermittelten Bedarf. Als dritter Schritt fand die Abstimmung mit den Sozialpartnern, einem Gremium aus Betriebsrat und Interessenvertretern
der selbstständigen Berater, statt. Nachdem die Sozialpartner ihre Zustimmung gegeben haben, konnte die dezentrale Umsetzung der Lösung erfolgen. 

Bei den selbstständigen Beratern lief es ähnlich, jedoch war hier die Vertriebsführung als Sozialpartner Ansprechpartner. Zudem mussten auch die Verträge für den Vertrieb überarbeitet werden, um den neuen gesetzlichen
Anforderungen gerecht zu werden.

eLearning Journal: Über die Lernplattform Viversa hat das eLeaning-Journal bereits mehrfach berichtet, dennoch möchten wir natürlich die Gelegenheit
nutzen und von Ihnen direkteinige Informationen zur Viversa erhalten – um was dreht es sich dabei und was würden Sie als die „Keyfeatures“ der Lernplattform
definieren?

Wir hatten beim Postbankprojekt verschiedene Anforderungen zu erfüllen. VIVERSA wurde deshalb ausgewählt und eingesetzt, weil diese aufgrund der Vorgaben von Lernen im Web und im Intranet besonders flexibel zum Einsatz gebracht werden konnte. Die Flexibilität ist also eines der Keyfeatures. Die VIVERSA lässt sich äußerst schnell implementieren und an alle Lernumgebungen
problemlos anpassen. Dadurch hält sich der Kostenaufwand in Grenzen. Wichtig für unsere Kunden ist auch unser Servicegedanke – für den VIWIS ja 2010
ausgezeichnet wurde.

eLearning Journal: Das Projekt mit der Postbank zielt auf die Grundausbildung nach EU-Vermittlerrichtlinie ab. Was genau ist das und wieso ist das für einen Kunden wie die Postbank wichtig?

Wie gesagt, die Vermittlerrichtlinie ist die gesetzliche Vorgabe der Sachkunde für Versicherungsvermittler. Für ein Unternehmen wie die Postbank, die in vielen Bereichen Leistungen erbringt, gehört der Bereich des Versicherungswesens
mit zum Geschäft. Daher musste eine Lösung gefunden werden, die das Ziel des Sachkundenachweises auf schnelle und doch solide Weise erreicht.

eLearning Journal: Von welchen Lernerzahlen – gerade in der kritischen Phase eines solchen Projektes, also dessen Einführung beim Kunden – sprechen wir
hier ungefähr?

Durch den Fragebogen, der zur Ermittlung des aktuellen Wissensstands versandt wurde, erreichten wir ca. 4.000 Mitarbeiter. Davon mussten sich knapp 2.500 Mitarbeiter weiter qualifizieren.

Die Qualifikation erfolgt hier über eine internetbasierte Mischung aus eLearning und Coaching. Von den Selbstständigen erreichten wir ca. 4.500 Berater mit dem Fragebogen, von denen sich ca. 800 weiter qualifizieren mussten. Hier bot sich eine Lösung aus eLearning und sog. Multiplikatorentraining an, also von Leuten, die das Wissen dann weiter vermitteln. Entgegen dem Lernangebot der Mitarbeiter konnte man hier auf das Intranet ausweichen, was sich aufgrund der bestehenden Strukturen anbot.

 

eLearning Journal: Bei einem Projekt dieser Ausmaße, einem Projekt, was solch eine hohe Reichweite für die Auszubildenden in einem Großunternehmen
wie der Postbank hat, gibt es da Momente, in denen Fragestellungen unüberwindlich scheinen? Ich denke da zum Beispiel an Problematiken mit der
IT -Infrastruktur im Unternehmen und den Anforderung der neuen Lernlösung an diese Infrastruktur oder an die Frage, wie man dem Lerner diese neue
Art des Lernens so vermittelt, dass Akzeptanz seitens der Zielgruppe nicht zu einem Stock in den Speichen wird.

Bei der Umsetzung gab es vier Stufen, die abgearbeitet werden mussten. Erstens die Erfassung der individuellen Lernsituation, dann die Festlegung passender
Maßnahmen, dann die Durchführung und zum Schluss die eigentliche Zielvorgabe: die Zertifizierung des Mitarbeiters. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, die, parallel zur weiteren Entwicklung, den Prototypen einige Monate testeten, gab es seitens der Mitarbeiter eine hohe Akzeptanz.

Durch den modularen Aufbau der „virtuellen Akademie“ - VIVERSA - war die Implementation sehr leicht. Wie gesagt, der Prototyp lief bereits nach drei Tagen.
Der modulare Aufbau ist zudem für die Sozialpartner - den Betriebsrat - wichtig, da man hier gewisse Features zu- oder abschalten kann, wenn dies so gewünscht wird. Das LMS ist so flexibel, dass es auch sehr kurzfristig auf Veränderungen reagieren kann, was die Umsetzung noch einmal erleichterte.

eLearning Journal: Dann kam die Phase des Prototypen – war der Weg dorthin steinig und wie sahen die ersten Ergebnisse mit diesem Prototypen aus?

Die Implementierung war zügig geschafft und so konnten die Sozialpartner das System ausgiebig testen. Der Prototyp hatte bereits den nutzbaren Content und ermöglichte so Einblicke in den Schwierigkeitsgrad und den Umfang der Fragen. Nach der knapp 6-monatigen Testphase wurde detailliert festgelegt, welcher Gesamtablauf angestrebt werden soll. Der Ergebnisse waren für die Sozialpartner so überzeugend, dass sich eLearning in der Postbank nun dauerhaft etabliert hat.

eLearning Journal: Wie würden Sie den Projekterfolg in der Retrospektive bilanzieren?

Die Umsetzung von Projektbeginn bis zum Prototypen, dessen Test und den daran anschließenden Verlauf zur Festlegung von Inhalten und dem Gesamtablauf verlief reibungslos und war ein voller Erfolg. Ein Grund, warum die Postbank auch schlussendlich den Auftrag an uns vergeben hat, war der Umstand, dass wir zu den einzelnen Themenfeldern bereits über 1.000 Fragen vorhalten konnten.

Der Autor


Joachim Lautenberger

Joachim Lautenschlager ist Geschäftsführer bei der VIWIS GmbH. Er begleitet die VIWIS bereits seit der Gründung vor über 10 Jahren und verfügt über weitreichende praktische Erfahrungen in der Erstellung und Umsetzung von e-gestützten Lernkonzepten. Zuletzt zeichnete
er für die Bereiche Vertrieb und Marketing verantwortlich. Die theoretischen Grundlagen erwarb er in seinem Studium zum Experten für neue Lerntechnologien. Heute entwickelt er Blended-Learning Konzepte für verschiedene Unternehmen, so z.B. NW Dent-Gruppe, Postbank, AXA. Vorher war er zunächst Organisationsprogrammierer
bei Mannesmann Kienzle. In den Folgejahren war er in mehreren
Versicherungsgesellschaften tätig, so betreute er die Maklerorganisation der Nürnberger Versicherung und wechselte anschließend zur D.A.S. Dort entwickelte er das Schulungskonzept
für Makler.


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