Contentproduktion mit Moodle


 ‚Content is king‘. Dieser Ruf überschwemmte vor ein paar Jahren die E-Learning Szenerie und signalisierte damit für viele: die Softwarewerkzeuge sind nunmehr marktreif. Wir können uns auf die Inhalte konzentrieren.

Wenige Jahre später signalisierte der Ruf nach ‚User generated content‘ erneut einen Hype. Im Rahmen der Web 2.0 Euphorie hieß es: wir brauchen keine fertigen Contents mehr. Diese werden jetzt von den Nutzern selbst erstellt. Dies wird von einer anhaltenden Welle der Fokussierung auf informelles Lernen gestützt. Jay Cross und andere machen deutlich, dass der größte Teil der Lernprozesse ungeplant und ungesteuert direkt im Arbeitsalltag stattfindet. Formales Lernen in organisierten Bildungsprozessen nehme nach Schule, Studium oder Berufsausbildung und mit zunehmender Berufserfahrung ab.

 

Es ist in der E-Learning Welt üblich jede neue Idee, jedes Konzept, jede Technologie zum Hype zu erklären, die alles andere ablösen wird. Längst nicht alle Hypes setzten sich durch. Im Herbst 2009 stellte Google auf einer Entwicklerkonferenz Google-Wave, ein Werkzeug, um E-Mail, Foren und Blogs zu vernetzen und Kleinstcommunities innerhalb eines E-Mail-ähnlichen Programms abzubilden, vor. Wenige Tage später wurde in einigen Blogs weltweit festgestellt, mit diesem revolutionären Konzept zur interaktiven Gestaltung und der Vernetzung von E-Mail, Foren und Blogfunktionalitäten sei ein ideales Lernmedium geschaffen, das das Ende der Lernplattformen einleite. Anfang August 2010 gab Google bekannt, dass die Entwicklung von Google Wave eingestellt würde, da die Erwartungen und die Nachfrage bei weitem nicht erfüllt worden seien.

 

Mobile Learning kommt nach jahrelanger Vorankündigung erst langsam in den Bereich interessanter Anwendungen,
da durch massenhafte Verbreitung von geeigneten mobilen Endgeräten eine hinreichende Nutzerzahl vorhanden ist. Es fehlt jedoch weiter an überzeugenden didaktischen Konzepten, um das mobile Lernen aus den Anwendungsfeldern in kleinen Nischen herauszuholen.

 

Auch das Game-Based-Learning ist weiterhin ein kleiner Teilbereich. Im Schulbereich ist Scoyo trotz millionschwerer Investitionen mit einem Game-Based-Konzept des Nachhilfeunterrichts am Markt gescheitert. Game-Based-Learning deckt eine bestimmte Anzahl von Anwendungssituationen ab.

 

Game-Based-Learning Programme sind sicher gut für grundlegende Konzepteinführungen und für Soft Skill Trainingsprogramme geeignet. Trainingsprogramme für dreißig neue Produkteinführungen im Jahr wird man hingegen kaum Game Based realisieren können. Einerseits lassen sich nur schwerlich permanent neue Spielszenarien entwickeln, auch Fortsetzungen verlieren ihren Reiz nach kurzer Zeit. Zudem ist der Kostenaufwand zur Entwicklung spielerischer Lernprogramme ganz erheblich.

 

Der Bildungsbereich ist – Gott sei Dank – recht resistent gegenüber schnellen revolutionären Prozessen. Veränderungen sickern langsam in diesen Wirtschaftssektor. Einige Pilotprojekte stecken den Rahmen des Möglichen
ab. Sie eignen sich nach enormen Investitionen in ein einzelnes Bildungsprogramm gut für die Profilierung von Bildungsmanagern und E-Learning Dienstleistungsanbietern. Die Übertragbarkeit der Konzepte in das
gesamte Unternehmen, auf andere Unternehmen oder auf weitere Themenfelder bleibt jedoch meist nur eine Ankündigung. Dennoch sind Funktionen und Werkzeuge, die als Hype daherkommen wichtig, da sie die Bandbreite der Möglichkeiten erhöhen. Sie bereichern den Werkzeugkasten
und können gezielt hervorgeholt werden, wenn die strategische Aufstellung eines Bildungsprojektes eine Nutzung sinnvoll erscheinen lassen. Nur wenige Hypes werden es jedoch in den Butter-und-Brot-Bereich der ELearning-
Planung schaffen.

Jenseits aller Hypes kann man sich durchaus mit der klassischen Content Produktion befassen. Doch ist das eigentlich noch notwendig? Denn noch von einer anderen Seite kommt bereits eine andere Innovation auf uns zu: Open Content. Lawrence Lessig gilt als Gallionsfigur einer Entwicklung eines neuen Modells der Verbreitung von Inhalten und deren freien Nutzung auch im Unternehmensumfeld möglich ist.


Mit Creative Commons ist dazu ein globales Modell entwickelt worden, mit dem Autoren selbst ihre Inhalte anderen zur Nutzung zur Verfügung stellen können. Jeder Verfasser kann selbst entscheiden, ob sein Inhalt kommerziell oder nicht kommerziell benutzt und weiterverbreitet werden kann. Er kann auch bestimmen, dass der Inhalt von anderen verändert und angepasst werden
darf, mit oder ohne Autorennennung genutzt werden darf. Creative Commons (CC) hat sich in wenigen Jahren zu einem erfolgreichen Modell der Publikation
von Inhalten entwickelt. Der zentrale Vorteil für Nutzer liegt darin, dass sie nicht mehr um Erlaubnis fragen und Nutzungsrechte einholen müssen. Durch die einmalige Erklärung des Autors ist das Recht zur weiteren Verwendung
grundlegend erteilt.

 

Bleibt die Frage, wie man entsprechende Inhalte findet
und wofür sie sich eignen. Für Standardthemen im Bereich der EDV Anwenderschulung lassen sich viele Anleitungsvideos und Arbeitsunterlagen unter CCLizenzen finden. Auch im Hochschulbereich werden zunehmend Projektberichte und Arbeitspapiere entsprechend veröffentlicht. Bilddatenbanken wie Flickr (http://flickr.com) bieten die Möglichkeit, Inhalte mit
CC-Lizenzen gezielt zu suchen und herunterzuladen. Auch Inhalte von Wikipedia oder Wikimedia sind unter einer freien Lizenz veröffentlicht und dürfen weiter genutzt werden.

Viele Inhalte unter freien Lizenzen können zumindest in modifizierter Form für E-Learning Angebote genutzt werden. Sofern sie aufgrund der verwendeten Formate nicht direkt genutzt werden können, kann man sie als Anregung aufgreifen. Leider ist der Suchaufwand für Inhalte noch hoch.

 

Damit die Inhalte als Quelle genutzt und weiterverarbeitet werden können, müsssen sie als offene Quellen zur Verfügung stehen, die mit geeigneter Software weiterverarbeitet werden können. Der Inhalt einer Word-Datei kann bearbeitet werden, ist daraus jedoch erst einmal eine PDF-Datei erzeugt worden, ist es nicht oder nur mit Aufwand möglich, diese zu verändern. Handelt es sich um einen kompletten Lerninhalt im Flash-Format ist die Weiterbearbeitung kaum möglich. Handelt es sich um ein Lernpaket im Format SCORM, ist eine Veränderung meist nur in Kleinigkeiten möglich, wenn man nicht auch die Quelldatei aus der speziell genutzten Autorensoftware
zur Verfügung und gerade dieses Proramm selbst lizenziert hat.

 

Freie Inhalte aus fremden Quellen sind nicht geeignet, wenn das Schulungsthema sehr spezielle Themen umfasst, es sich um firmeneigene Produkte handelt oder ein spezielles Branding oder Wording erforderlich ist.

 

Open Content ist zumindest bisher eher ein akademisch interessantes Modell. Der praktische Nutzen im Unternehmen ist meist gering.

Die Rolle von Content im Lernprozess

 

Es gibt keinen organisierten Lernprozess ohne Ziele, Themen und Inhalte. Der Lerninhalt wird für jedes Training und jede Schulung aufbereitet. Dabei wechseln Phasen von Vermittlung, Integration und Umsetzung von Inhalten einander ab. Die Phase der Vermittlung umfasst die Darstellung der Inhalte in zielgruppengerechter Weise durch Wort, Bild und Ton. Je nach Gegenstand kommen Anschauung und Erfahrung hinzu. Die Integration umfasst das Ankoppeln des Inhalts an den eigenen Erfahrungsschatz. Dazu helfen Nachfragen (Meinten Sie...?), Diskussionen (So war das gemeint, ich hatte das erst anders verstanden) und Übungen (Ach, so funktioniert das). Die meisten Inhalten sind komplex. Sie werden erst mit Bezug zur individuellen Erfahrungswelt jedes Teilnehmers so verstanden, dass sie für die Umsetzung in den eigenen Alltag (Transfer) vorbereitet sind. Kein Autor eines Contents kann alle Fragen der Teilnehmer vordenken und in seiner Präsentation berücksichtigen.

 

Die Umsetzung des Inhalts auf die Bedingungen des eigenen Arbeitsplatzes ist der dritte große Bereich im Lernprozess. Was nützt der beste Inhalt, wenn das
erfahrene Wissen nicht am Arbeitsplatz ankommt und dort angewendet wird? Viele heutige Arbeitsplätze sind von individuellen Prozessen geprägt und daraus ergeben sich unterschiedliche Umsetzungen. Zudem sind die Mitarbeiter in ihrer Vielfalt gefragt (Diversity). Das Dreigespann (Vermittlung, Integration und Umsetzung) wird in Präsenzseminaren in vielfältiger Weise umgesetzt. In den Trainingsabteilungen käme niemand auf den Gedanken, eine Schulung auf die Inhaltsvermittlung zu beschränken, weder Nachfragen noch Diskussion
zuzulassen und auf Transfer zu verzichten.

 

 

Schaut man sich jedoch die Praxis des E-Learnings an, so sind viele Lernprogramme auf Inhaltsvermittlung und anschließende Anfrage des zuvor Präsentierten reduziert. Auch Drill-and-Practice Übungen führen, das zeigen die eigenen Erfahrungen aus der Schule, zu der Befähigung einmalig den Lernstoff für eine Prüfung wiedergeben zu können, nicht jedoch zu einer Verinnerlichung.
Bereits der Transfer auf eine leicht andere Praxissituation fällt vielen Lernern schwer. Erwachsene Lerner mit reichlich Berufserfahrung fühlen sich daher
in vielen Lernprogrammen unterfordert und nicht hinreichend ernst genommen.

 


Besonders anschaulich wird dies an folgenden Beispielen:

 


Hygieneunterweisung. In verschiedenen Branchen sind wiederkehrende Hygieneunterweisungen erforderlich. Ein E-Learningpaket vermittelt in 30-Minuten die Wichtigkeit von Hygienemaßnahmen und vermittelt z. B. das
richtige Händewaschen. Die Informationen werden gut aufbereitet, sind leicht verständlich und visuell großartig umgesetzt. Am Ende werden die Kerninhalte noch einmal mit Hilfe von fünf Fragen abgefragt.

 


Das Programm zielt darauf, die Unterweisungspflicht des Unternehmens zu erfüllen. Die betriebliche Praxis zeigt jedoch, dass Hygienemängel nach einer ersten Unterweisung mehr durch betriebliche Arbeitsabläufe als durch Nichtwissen entstehen. Um auch diesen Punkt mit der Unterweisung abzudecken, wäre es erforderlich im Einzelbetrieb eine Prüfung vorzunehmen was die Umsetzung der Hygienerichtlinien unterstützt bzw. behindert.
Dieser Schritt des Transfers erfordert jedoch einen dialogischen Prozess, der mit Hilfe einer einmaligen 30-minütigen Unterweisung nicht zu leisten ist.

Ähnliches passiert derzeit mit vielen Compliance-Schulungen. Da besteht ein solches Programm in einem Unternehmen aus einer Reihe einfach durchklickbarer Web-Seiten. Selbst die Beantwortung von Testfragen wird nicht ausgewertet. Vielmehr wird nur im Detail dokumentiert, ob ein Teilnehmer alle Seiten aufgerufen hat. Wer einfach nur im Sekundentakt auf ‚Weiter‘ klickt, ohne den Inhalt zur Kenntnis zu nehmen, hat sein Soll bereits erfüllt.

 


Das Ziel derartiger Programme ist häufig nur die juristisch eindeutig dokumentierte Erfüllung der Informations- und Schulungsverpflichtung des Unternehmens. Diese These mag einigen Lesern etwas drastisch erscheinen. Ich kann jedoch keinen anderen Schluss daraus ziehen, wenn solche Lernprogramme in keiner Weise Lernerfolge dokumentieren und keine Option zur Klärung offener Fragen für die Umsetzung am eigenen Arbeitsplatz als Teil des Lernprozesses geschaffen wird. Der Verweis auf die Kontaktdaten zum Compliancebeauftragten alleine reicht nicht aus.

 


Vergleicht man dies mit dem Ablauf von Präsenzveranstaltungen, so würde dies einer Filmvorführung im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung entsprechen. Diese hätte dann noch den Vorzug, dass die Mitarbeiter über bestimmte Teile des Films beim Hinausgehen diskutieren würden.

 

Lernen ist ein Prozess, der Interaktion mit einschließt. Interaktion ist jedoch mehr als das mechanische Bearbeiten vorgegebener Fragestellungen. Sie enthält eine Form der Individualisierung und der tatsächlichen Aneignung durch die Teilnehmer. Die persönliche Nachfrage zum Lerninhalt ist dabei sehr wichtig. Sie zeigt, dass der Lerninhalt den Teilnehmer erreicht hat und er sich damit nicht nur formal auseinandersetzt. Die kritische Auseinandersetzung (Das lässt sich so bei uns doch gar nicht umsetzen) und die Reaktion darauf ist dabei
genauso wichtig wie das Beobachten dieser Diskussion durch andere Teilnehmer (Klaus hat eine Frage gestellt, die mir auch auf der Zunge lag. Die Reaktion des Trainers darauf hat mir gezeigt, dass es doch geht, wenn
man die Sache etwas anders angeht).

 


Der Prozess des Lernens im Präsenzseminar und in der Online-Lernsituation unterscheidet sich nicht grundlegend. Vielfach wird in der Online Lernsituation jedoch eine Reduzierung des Lernprozesses auf Drill-and-Practice angenommen, die zu Akzeptanz und Motivationsproblemen beim E-Learning führt.

Das SCORM Problem: Reduzierung des Lernprozesses auf Inhaltsvermittlung

 

Bei der Auswahl von Lernplattformen in Unternehmen werden in der ersten Vorselektion häufig Fragebögen erstellt und an potenzielle Anbieter versandt. Die meisten dieser Fragebögen befassen sich primär mit administrativenund technischen Fragen. Im Hinblick auf Lerninhalte wird meist nur eine Frage gestellt: Unterstützt Ihre Lernplattform den Einsatz von SCORM in der
Version X. Andere Möglichkeiten zur didaktischen Gestaltung von Kursen werden gar nicht erhoben.

 

Nun muss man wissen, was SCORM ist und was nicht. Entstanden ist SCORM als ein Standard für Lerninhalte, um Inhalte lernplattformübergreifend einsetzen zu können. Im Blick war der Wunsch, Inhalte auf der heute im Unternehmen genutzten Lernplattform einsetzen zu können, dies aber auch dann noch zu ermöglichen, falls man sich in ein paar Jahren für eine andere Plattform entscheidet. Die hohen Investitionen in die Entwicklung von Inhalten sollten langfristig dadurch gesichert werden. Zugleich sollte eine Wiederverwertbarkeit kleinster Lernobjekete ermöglicht werden, um einzelne Inhaltselemente in verschiedenen Kursen wiederverwenden zu können.

Zur Erstellung von SCORM Lernpaketen wird eine Autorensoftware verwendet, mit der Lerninhalt aufbereitet wird und anschließend exportiert wird. Beim Export wird der Zugriff auf den Inhalt in standardisierter Form hinterlegt. Die Lernplattform ist dann in der Lage den Inhalt auszulesen und für den Teilnehmer abzuspielen. Sie registriert zugleich, wann und wie erfolgreich der Lerner das SCORM Paket bearbeitet hat.

Qua Definition ist SCORM darauf beschränkt, dass jeder Lerner für sich durch eine Reihe von Seiten schaut, ggfs. Testfragen bearbeitet und am Ende das Lernpaket hoffentlich erfolgreich abschließt. SCORM Pakete erlauben

es nicht, mit anderen Personen, die den gleichen Lernstoff bearbeiten, in Kontakt zu treten, einen Trainer zu befragen oder individuelle Lösungen zur Bewertun einzureichen. SCORM bedeutet: Teilnehmer vs. Maschine.

 

Moderne Lernszenarien mit kooperativen Aufgabenstellungen, Erfahrungsaustausch und dem Austausch von Lerntransfererfolgen sind nicht vorgesehen. Unternehmen, die sich beim Einsatz einer Lernplattform auf SCORM Lernpakete beschränken, reduzieren die didaktischen Möglichkeiten modernen E-Learnings.

Von Autorensystemen und Lernplattformen

Im englischen Sprachgebrauch wird zwischen Authoring Tools (Autorenwerkzeugen), Course Management Systemen (CMS ) und Learning (Content) Management Systemen (L(C)MS ) unterschieden. Autorensysteme
sind darauf spezialisiert, Inhalte aufzubereiten und in einem für ein CMS /LMS interpretierbaren Format zur Verfügung zu stellen.

Manche CMS /LMS beschränken sich auf die Organisation und Verwaltung der Lerninhalte, des Zugriffs auf sie durch Lerner und der Berichterstattung über den Lernerfolg. Die überwiegende Zahl der CMS /LMS verfügt über eigene Autorenfunktionen als integrierter Bestandteil.

 

Im Bereich der Autorensysteme sind in den letzten Jahren Rapid E-Learning Tools entstanden. Sie beschleunigen nicht den Prozess des Lernens, wie der Name vermuten lässt, sondern verkürzen den Zeitaufwand bei der Erstellung von Lerninhalten. Dazu bieten sie standardisierte Vorlagen an, die nur noch mit Inhalt gefüllt werden müssen oder spezialisieren sich auf einzelne Funktionen wie die Vertonung von PowerPoint-Dateien und deren Ergänzung von Testfragen. Danach ist ein Export nach SCORM oder Flash möglich.

 

Im Vergleich zu ‘ausgewachsenen‘ Autorensystemen ist der Funktionsumfang reduziert und damit eine Nutzung bereits nach kurzer Einarbeitung möglich.

 

Die Autorensysteme arbeiten mit proprietären internen Dateiformaten. Sie erlauben einen Export nach SCORM, damit der Inhalt von verschiedenen LMS gelesen werden kann. Es ist jedoch nicht möglich, das Rohmaterial von Autorensystem A in Autorensystem B weiterzubearbeiten.

Und was ist Moodle?

 

Moodle ist ein Lernplattform. Sie vereinigt Administrationsfunktionen, Autorenwerkzeuge und die Möglichkeit kooperativ zu arbeiten. Das Grundprinzip sind Kursräume in denen Lerninhalte, Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Der Kursraum kann einen einzelnen Lerninhalt (z. B. ein SCORM Lernpaket) oder mehrere aufeinander aufbauende Einzelthemen enthalten. Lerninhalte können direkt in Moodle im Kursraum erstellt werden (z. B. Informationsseiten,
Lektionen, Glossare oder Tests) oder als Output aus Autorensoftware importiert werden. Ergänzend können Aufgaben mit individueller Bewertung
von Lösungen eingestellt werden. Foren, Messenger für individuelle Nachrichten unterstützen die Kommunikation auf Wunsch mit E-Mail-Benachrichtigung. Gruppenarbeit im Kurs, die Sammlung strukturierter Informationen
in Datenbanken, Blogs und Wikis ergänzen den Funktionsumfang.

 


Damit werden unterschiedliche didaktische Szenarien gestaltbar. Sie reichen von dem individuellen Abruf einzelner Lernpakete über Lerneinheiten mit Austausch der Inhalte in einer Gruppe von Lernern bis hin zu kollaborativen
Prozessen der Erarbeitung von Inhalten in der Gruppe.

 

Moodle wird in allen Bildungsbereichen von der Schule über die Berufsausbildung, an Hochschulen und in kleinen und großen Unternehmen eingesetzt. Moodle- Systeme werden zum Teil für wenige hundert, aber auch
für hunderttausende von Nutzern betrieben. Einzelne Systeme haben über 500.000 registrierte Nutzer oder auch über zehntausend Kursangebote. Moodle steht als Open-Source Software lizenzkostenfrei zur Verfügung. Im Unterschied zu vielen Open Source Projekten wurde eine auf Support und Service basierende weltweite Infrastruktur aufgebaut. Ein Netz von über fünfzig
Partnerunternehmen bietet verlässlichen Support und finanziert die kontinuierliche Programmpflege. Der deutsche Partner eLeDia mit Sitz in Berlin und Bonn bietet auf Wunsch einen Rund-um-Service mit Beratung-
Schulung-Support, dem Hosting, der Anpassung und der Integration in die betriebliche IT-Infrastruktur (http://www.eledia.de).

Darüber hinaus unterstützt eine sehr agile weltweite Community und eine umfangreiche Dokumentation die Anwender.

 


Moodle ist mittlerweile sehr häufig Sicherheitsprüfungen unterzogen worden. Unternehmen wie die Weltbank, die italienische Luftwaffe, die Polizei in verschiedenen Bundesländern oder die Hamburger Sparkasse würden Moodle nicht einsetzen, wenn hier Bedenken bestünden.

Contentwerkzeuge in Moodle

 

Der Moodle Kursraum besteht zumeist aus einem zwei oder dreispaltigen Layout. Die Blöcke in den äußeren schmalen Spalten stellen Übersichtsinformationen zum Kurs zur Verfügung (Teilnehmerlisten, Kursinhaltsmenü) und über aktuelle Veränderungen im Kurs oder bevorstehende Termine. Die Verfügbarkeit der Blöcke und deren Anordnung kann in jedem Kurs frei gestaltet werden. In der breiten Spalte stehen Übersichtsinformationen zu den Kursthemen und Links auf die konkreten Inhalte und Kommunikationsangebote. Diese werden durch Anklicken
aufgerufen.

(Multimedia-)Dateien

 

Als Lerninhalt kann jede verfügbare Datei hinterlegt werden. Bei Dateiformaten, die im Browser dargestellt werden können, übernimmt dieser die Anzeige. Alle anderen Dateitypen erfordern ein Anwendungsprogram auf dem  Teilnehmerrechner. Eine PDF-Datei kann meist direkt im Browser angeziegt werden. Eine PowerPoint- Datei kann als Lerninhalt direkt für den Kurs hochgeladen werden und öffnet sich beim Teilnehmer nach dem Anklicken direkt in Powerpoint oder OpenOffice Impress.

 

Bei allen gängigen Multimediadateiformaten stellt Moodle automatisch einen Player zur Verfügung. Es ist lediglich die Verlinkung auf eine Datei im entsprechnden Format erforderlich, was leicht mit Hilfe des  Textbearbeitungseditors erfolgen kann. Moodle erkennt selbst das Dateiformat, wählt den geeigneten Player aus und erlaubt den Start einer Audio- oder Filmdatei. Die Darstellung ist dadurch unabhängig von Plugins beim Teilnehmer oder einem Mediaplayer auf dem lokalen PC. Mit der gleichen Filtertechnologie arbeitet Moodle bei der Einbindung von Youtube-Filmen. In Youtube finden
sich viele Filme, die für Lernsituationen gut geeignet sind. Mit Hilfe des Youtube-Filters ist lediglich eine Verlinkung auf die entsprechende Youtube-Seite erforderlich. Moodle erkennt das Video auf der Seite automatischund stellt nur dieses im Kursraum zur Verfügung.

Buch


Lange Text werden im Browser normalerweise auf einer Seite dargestellt, die der Leser von oben nach unten zu durchscrollen hat. Die Erfahrung zeigt, dass bereits nach der dritten Bildschirmseite die Aufmerksamkeit deutlich nachlässt. Zudem wird die Orientierung über die Struktur des Textes als schwierig empfunden.

 

Das Buchmodul erlaubt es nun einen solchen Text auf mehrere Teilseiten aufzusplitten und mit einem seitlichen Menu darzustellen. Die Teilnehmer können den Text wie ein Buch von Unterseite zu Unterseite durchblättern und erhalten zusätzlich eine Druckfunktion für das gesamte Buch und für Einzelseiten zur Verfügung.

 

Der Texteditor erlaubt es, neben reinem Text illustrierende Grafiken und Fotos einzubinden. Häufig stehen die Textvorlagen bereits als Textdatei zur Verfügung.Diese können mit Copy&Paste oder als HTM L-Datei direkt importiert werden.

Lektion

 

Das Lektionenmodul in Moodle wird vielfach unterschätzt. Es stellt eine eigenständige Autorenumgebung in Moodle dar. Wie beim Buchmodul können einzelne  Seiten angelegt und inhaltlich gestaltet werden. Am Fuß jeder Seite kann der Link zu einer oder mehreren Folgeseiten hinterlegt werden. Neben Informationsseiten können Testfrageseiten angelegt werden. Je nach
Antwortverhalten (richtig oder falsch) können unterschiedliche Folgeseiten zur Verfügung gestellt werden.


Damit lassen sich komplette Lernpfade als Lektion anlegen.

Test

Das Testmodul in Moodle erlaubt die Erfassung von Testfragen in diversen Formaten (Multiple-Choice, Single Choice, Kurztextantwort, Wahr-Falsch, Numerische Frage, Berechnete Frage, Lückentextfrage und Freitextfrage;
weitere Formate z. B. für Drag and Drop oder Ordering stehen als optionale Fragetypen zur Verfügung). Die Fragen können komfortabel in Ordnern abgelegt und kursübergreifend genutzt werden. Im Test können die Fragen verbindlich ausgewählt oder zufällig aus den Ordnern ausgewählt werden. Die Fragenreihenfolge und die Anordnung der Antworten sind bei mehrfachen
Testversuchen zufällig anordbar.

 

Die Ergebnisse sind detailliert auswertbar.

Glossar

 

Das Glossar ist ein wahres Multitalent. Als Lexikon stellt es Begriffserklärungen zur Verfügung. Durch Umstellung des Darstellungsformats wird es zur FAQ-Liste. Mithilfe des Glossarfilters werden automatisch in allen Kursinhalten Verlinkungen zu Worterklärungen hinterlegt, die direkt vom jeweiligen Seiteninhalt her aufrufbar sind. Damit ist ein schneller Zugriff ohne Wechsel
der Seite garantiert.

 

Der Inhalt des Glossars kann vom Trainer erstellt werden. Gleichzeitig kann dies jedoch während des Lernprozesses von Teilnehmern selbst durchgeführt werden (User generated Content). Zur Qualitätssicherung kann eine Freischaltung durch den Trainer vor der Veröffentlichung dazwischen geschaltet werden.

RSS-Feed

 

Viele Webseiten, die häufig aktualisiert werden, bieten heute RSS -Feeds an. Damit ist es möglich, die Seite zu abonnieren und in einem RSS -Reader unabhängig vom Aufruf der Webseite zu lesen. Viele Nachrichtenportalseiten
oder Fachinformationsdienste bieten diesen Service an. Auf den entsprechenden Seiten verbirgt sich hinter einem orangefarbenen Symbol der Link zu einer regelmäßig aktualisierten XML-Datei. Im Moodle-
Kursraum können Sie diese Informationen in Blöcken an der Seite anzeigen lassen. Der Inhalt der RSS -Blöcke wird alle drei Stunden automatisch aktualisiert. Es stehen damit dynamisch immer die aktuellsten Themen im
Kurs zur Verfügung. Diese Funktion eignet sich besonders, wenn es zu Ihrem Kursthema entsprechende Fachseiten im Web gibt.

 

Datenbank


Die Lernaktivität Datenbank erlaubt es, Informationen in strukturierter Form zu sammeln und darzustellen. Dazu wird eine Liste von Feldern definiert in denen Werte als Texteinträge eingegeben oder angeklickt werden können. Zusätzlich können Dateien hochgeladen werden. Damit können z. B. Literaturlisten, Empfehlungen, Tipps und Tricks, Linklisten oder beliebige, andere Informationen
hinterlegt und durchsucht werden. Datenbankeinträge können von Trainern und auf Wunsch auch von Teilnehmern angelegt werden.


Der Vorteil dieses Werkzeugs ist seine große Flexiblität mit beliebigen Feldinhalten.

Wiki


Das Prinzip Wiki ist inzwischen bekannt, zumindest kennt fast jeder Wikipedia. Seiten können jederzeit von jedem Nutzer bearbeitet werden und untereinander verlinkt werden. Im Unterschied zu einem Buch sind die Seiten nicht in einer festen Reihenfolge abgelegt, sondern einzeln miteinander über Verlinkungen verbunden.

 
Das Wiki im Kursraum kann zum Hinterlegen von Texten durch Trainer, aber auch zur Bearbeitung durch alle Teilnehmer eines Kurses freigegeben werden. Es eignet sich damit sehr gut zur kollaborativen Arbeit an Inhalten.

User Generated Content in Moodle


Die obigen Beispiele zeigen, dass Teilnehmer an verschiedenen Stellen im Kurs zu Contentbereitstellern werden können.

 

Das Rollenmodell in Moodle kann jedem Teilnehmer zugleich für einzelne Objekte Bearbeitungsrechte geben. Damit kann jeder Teilnehmer zum Autor werden und Inhalte ergänzen oder optimieren. Dies ist jedoch nicht
automatisch der Fall, sondern kann dezidiert als Recht vergeben werden.

Perspektiven


Die Autorenwerkzeuge von Moodle wollen nicht mit den zum Teil hochspezialisierten Tools, die sich ausschließlich mit der Contenterstellung befassen, in Konkurrenz treten. Sie stellen jedoch praxiserprobte Werkzeuge
dar, mit denen auch ein Gelegenheitsautor gut zurechtkommt und zu ansprechenden Ergebnissen kommt.

 
Mit der neuen Moodle-Version 2.0 wird es im Hinblick auf Content und den Zugriff auf die Lerninhalte zwei Neuerungen geben: Moodle führt Lernpfade ein. Damit wird es möglich den Zugriff auf jedes Arbeitsmaterial und je Lernaktivität zeitlich zu steuern oder von der vorherigen Bearbeitung anderer Inhalte abhängig zu machen. Man kann damit also festlegen, dass ein Kurs in chronologische Reihenfolge von vorne nach hinten bearbeitet werden muss. Es ist zudem jedoch möglich Testteilnehmer mit nicht ausreichenden Ergebnissen
Zusatzmaterial zur Vertiefung anzubieten und ihnen erst nach dem Erreichen eines besseren Testergebnissen den Zugang zu den nächsten Inhalte zu erlauben. Im Unterschied zu derartigen Steuerungsmechanismen in SCORM braucht man bei Moodle nicht auf kommunikative Funktionen zu verzichten. So kann im Lernpfad auch ein Forum, ein Wiki oder ein Chat integriert werden,
auf den dann jedoch nur die Gruppe der Teilnehmer mit schlechteren Testergebnissen Zugriff hat.

Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit Common Cartridge kompatiblen Content einzubinden. Common Cartridge ist ein neues Austauschformat für Content, welches vom IMS Global Learning Consortium (IMS www.imsglobal.org/commoncartridge.html) entwickelt wird. Es erlaubt wie SCORM den Einsatz in verschiedenen Lernplattformen und verbindet verschiedene von IMS definierte Standards. Erstmals wir es damit auch möglich werden kommunikative Aktivitäten wie Foren plattformübergreifend einzusetzen und die SCORM Limitierungen zu überwinden. Insbesondere im Verlagsbereich wird diese Entwicklung mit Interesse verfolgt. Moodle erlaubt inzwischen den Import von Common Cartridge Content. Der Export von Moodle-Inhalten als Common Cartridge Paket steht auf der Planungsliste der Entwickler.

 
Moodle ist somit als Lernplattform zugleich mit einer breiten Palette von Werkzeugen zur Erstellung und Einbindung von Lerninhalten ausgestattet, die sehr flexibel eingesetzt werden können und gleichermaßen reinen Contentabruf, kommunikative Lernszenarien und User Generated Contenterstellung erlauben.




Ralf Hilgenstock


Ralf Hilgenstock ist Mitinhaber von eLeDia – eLearning im Dialog GmbH, dem deutschen Moodle-Partner. Er unterstützt Unternehmen beim Einsatz von Moodle seit 2003. Als Leiter einer Akademie, Trainer, Moderator, Coach und Berater in Organisationsentwicklungsprozessen hat er langjährige Erfahrungen in verschiedenen Bildungsbereichen und der Personalentwicklung gesammelt.

Er koordiniert die deutschsprachige Übersetzung und ist Veranstalter der jährlichen MoodleMoot-Konferenzen deutschsprachiger Anwender.

Sein Fokus liegt insbesondere auf Fragen der pädagogisch-didaktischen Gestaltung von Lernprozessen und der Organisation ‚drumherum‘. Als Projektleiter koordiniert er Konzeption, Planung und Umsetzung bei E-Learnig-Einführungsprojekten. Er ist (Mit-)Autor mehrerer Handbücher für Moodle Anwender, von Lernvideos und eines Buches zur Einführung von Moodle in Unternehmen.



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