Unternehmen interaktiv

Mit der Unternehmenssimulation „learn2work“ haben Korion und Hainbuch den eLearning Award 2010 gewonnen. Korion-Geschäftsführer Oliver Korn spricht über das Projekt und die Vorteile von Unternehmenssimulationen in der Praxis.

eLearning Journal: Herr Korn, vielen Dank, dass auch Sie sich die Zeit für ein Interview mit uns genommen haben und zugleich auch herzlichen Glückwunsch zur Verleihung des eLearning Awards. Bevor wir aber zum preisgekrönten
Projekt kommen, möchten wir natürlich erst einmal mehr über Korion erfahren. Was bietet die Korion GmbH und seit wann ist sie auf dem Markt vertreten?

Oliver Korn: Die Idee zur Korion entstand bereits 2003 am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation zusammen mit Herrn Dr. Gidion. Wir wollten ein Maschinenbau- Unternehmen in einer spielerischen Lernanwendung
simulieren – das war damals technisch und didaktisch eine riesige Herausforderung. 2003 gründete ich mit Gerd Braun die Korion als Fraunhofer Spin-off. Mittlerweile bieten wir ganz unterschiedliche Simulationen und Serious Games, für Kunden aus Bildung, Wirtschaft und Politik. Allerdings ist es nach wie vor unser Anspruch, dass die Lösungen der Korion nicht nur Kompetenz vermitteln, sondern auch Spaß machen.


eLearning Journal: Eines der wohl bekanntesten Produkte ist „learn2work“, eine Unternehmenssimulation, die alle Kernbereiche von Geschäftsabläufen darstellt. Wen sprechen Sie mit dieser Software an?

Oliver Korn: Ursprünglich war die erste betriebliche Führungsebene im Fokus – Meister und Techniker. Da die Komplexität der Simulation sehr flexibel einstellbar ist, lässt sie sich jedoch auch bei Fachkräften, Studierenden und sogar Auszubildenden einsetzen. Siemens nutzt learn2work gerne für Bachelorstudenten, bei der Hochschule Esslingen arbeiten Maschinenbau-Studenten damit. Letztlich kann learn2work mit Gewinn in jedem Unternehmen eingesetzt werden, das etwas produziert.


eLearning Journal: Kann man die Software „learn2work“ also als ein „Serious Game“ für Unternehmen bezeichnen?

Oliver Korn: Als learn2work entstand, gab es diesen Begriff zwar noch nicht, aber learn2work war tatsächlich eines der ersten Serious Games – zumal wir uns von Anfang an von Edutainment-Produkten abgrenzten. Wir wollten mehr als ein mit Multimedia und Minispielen angereichertes Lexikon: Spielen und Lernen sollten eng miteinander verzahnt werden. Unternehmenstauglichkeit und Praxisbezug waren dabei sehr wichtig – daher kann learn2work von uns detailliert auf die Produkte und Prozesse einzelner Unternehmen angepasst werden.

eLearning Journal: Kommen wir zum prämierten Projekt, das ja auch direkt mit „learn2work“ zutun hat. Es handelt sich dabei um ein Projekt zwischen der Korion GmbH und der Hainbuch GmbH. Was genau war das Hauptziel
des Projektes?

Oliver Korn: Letztlich war es ein typisches Anpassungsprojekt, in dem die Produkte und Prozesse von Hainbuch in learn2work abgebildet wurden. Ein wichtiges Ziel war, den Mitarbeitern und Auszubildenden den Wertschöpfungsprozess im Unternehmen aufzuzeigen. Sie sollten lernen, auch
abteilungsübergreifend zu denken.

eLearning Journal: „learn2work“ ist doch an sich schon eine ziemlich runde Sache. Wieso war es nötig, dies auf die Hainbuch GmbH anzupassen? In welchem Bereich arbeitet man denn dort?

Oliver Korn: Jede Firma hat eigene Produkte und eigene Prozesse. learn2work wurde so entwickelt, dass es diese mit geringem Aufwand abbilden kann. Hainbuch fertigt beispielsweise hochwertige Spannwerkzeuge, deren Produktion
nun detailliert nachvollzogen werden kann. Dadurch steigt für die lernenden Mitarbeiter die Realitätsnähe und der Praxistransfer geht leichter und schneller. Das ist gerade bei mittelständischen Unternehmen wie Hainbuch gefragt. Hinzu kam, dass es in der Standardsimulation nur eine einfache Fließfertigung gibt, während bei Hainbuch Fertigungsinseln, sogenannte KOBIs verwendet werden.

eLearning Journal: Ein ganz besonderer Aspekt dieses Projektes ist, dass die angepasste „learn2work“ Software neuen Mitarbeitern die betrieblichen Abläufe insgesamt darstellen soll, damit diese ein ganzheitliches Verständnis für das Unternehmen erreichen. Das ist ein recht ungewöhnlicher, aber zugleich sehr sinnvoller Ansatz. Wie schaut es dabei mit der Akzeptanz bei neuen Mitarbeitern aus?

eLearning Journal: Wie muss man sich das konkret vorstellen: Sitze ich also als neuer Mitarbeiter am PC und „spiele“ mich durch den Betrieb, wie ich es von den Wirtschaftssimulationen aus dem Freizeitbereich kenne?

Oliver Korn: Sie sind Teilnehmer eines meist mehrtägigen Workshops. Dabei arbeiten zwei oder drei Personen an einer Simulation, meist mit fest zugewiesenen Rollen wie Produktionsleiter oder Personaler. Die Abstimmung von Strategie und Entscheidungen im Team ist daher sehr wichtig. Abschließend
präsentiert jedes Team sein Unternehmen und anhand einer Balanced Scorecard auch die betrieblichen Kennzahlen. Im Gegensatz zu Games im privaten Bereich, spielen daher Kommunikation und Sozialkompetenzen eine zentrale Rolle.

Oliver Korn: Neue Mitarbeiter werden in Unternehmen schnell in die sie betreffenden Prozesse eingearbeitet – aber bis die Details der Wertschöpfungskette und die eigene Rolle darin verstanden werden, dauert es oftmals Jahre. Indem wir sie in die Rolle des Chefs versetzen, lernen Mitarbeiter
die Zusammenhänge kennen und können z. B. auch die Kosten von Fehlern oder Fehlzeiten besser einschätzen. Das motiviert und schafft Transparenz. Entsprechend hoch ist die Akzeptanz.

eLearning Journal: Was für Produkte und Projekte gibt es bei der Korion außer learn2work?

Oliver Korn: Die Korion hat mit der Flexible Simulation Engine (FSE) ein Tool geschaffen, das es ermöglicht, schnell und effizient Simulationen zu erstellen – mittlerweile sogar in 3D. Auf Basis dieser Technologie entwickeln wir Anwendungen für unterschiedliche Bereiche – von der Logistik bis E-Health und natürlich auch weiterhin für den Bildungsmarkt. Beispiele sind der qualimanager, eine einfache Wirtschaftssimulation für Jugendliche oder die Logistik-Simulation sim- PEL für kleine und mittelständische Unternehmen.

eLearning Journal: Was steht bei Korion noch an? Sind neue Entwicklungen und Projekte in Aussicht, von denen wir mit einem Hauch Exklusivität berichten können?

Oliver Korn: Die Korion ist aufgrund ihrer Historie als Fraunhofer Spin-off nach wie vor sehr forschungsnah und innovativ. Es reizt uns, die Grenzen des technisch und didaktisch Möglichen zu erweitern. Derzeit arbeiten wir zum Beispiel mit dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) an einer Erweiterung unserer Logistik- Simulation. Zudem werden wir in neuen Projekten den Web 2.0-Gedanken stärker umsetzen, also den intensiven Dialog mit Anwendern bis hin zu „user-generated content“. 

Ein weiteres Zukunftsthema sind Simulationen für den militärischen Bereich, wobei wir uns da auf das Thema Wartung und Stab beschränken. Generell sind wir aber offen für innovative Ideen aus allen Bereichen und sehen uns als kompetenten
Dienstleister, sobald in Projekten anspruchsvolle Simulationen und Serious Games eingesetzt werden sollen.


eLearning Journal: Vielen Dank für das Interview!

Der Autor


Oliver Korn M.A

studierte Computerlinguistik, Anglistik und Germanistik an der Universität Stuttgart und der University of Glasgow. Seit 2001 arbeitet er in Projektenin den Bereichen Lernen und Simulation. 2001 bis 2005 arbeitete er ander Universität Stuttgart und am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation unter anderem im Projekt LERNET und im EU-Projekt ProLearn. 2006 bis 2007 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für interaktives Lernen und Simulationen an der Hochschule der Medien. In dieser Zeit leitete er die Entwicklung der Unternehmenssimulation „learn2work“. Seit 2003 ist er Geschäftsführer der KORION, die als Spin- Off der Fraunhofer Gesellschaftvon ihm mitbegründet wurde. Die KORION wurde 2007 in eine GmbH umgewandelt und sitzt in Ludwigsburg. Das forschungsnahe Unternehmenbietet Serious Games und Simulationen von Geschäftsprozessen für Kunden aus Bildung, Wirtschaft und Politik. Oliver Korn ist Lehrbeauftragter im Bereich „Digitale Fabrik“ der Hochschule Esslingen und Lehrbeauftragter für Game Design an der Hochschule der Medien.


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