Gesellschaft Homo Digitalis

Die Zukunft der digitalen Revolution und die Auswirkungen auf den Lerner. 

Jeden Tag sind wir Zeuge von Veränderungen in unserem Umfeld. Oftmals finden diese Veränderungen statt, ohne dass man dies bewusst registriert. Erst Rückblickend und in der Summe scheinen diese Veränderungen wirklich groß zu sein. Manchmal so groß, dass man diesem Ereignis einen besonderen Namen gibt: Revolution.

In der Geschichte der Menschheit gab es eine Vielzahl von Revolutionen, die die Zeit davor und danach klar voneinander trennten. Die industrielle Revolution war ein solches Ereignis. Lange schon aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verschwunden, war sie der Auslöser für die Massenproduktion, die Automatisierung und den damit einhergehenden gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Umbrüchen. Auch heute leben wir in Zeiten einer Revolution – der digitalen Revolution. Die Vernetzung unserer Welt schafft die Strukturen eines globalen Bewusstseins und der uneingeschränkten Kommunikation. Bedenkt man, dass rund alle zwei Jahre die Prozessorleistung verdoppelt wird, lässt sich absehen, welche Lern- und Kommunikationsmöglichkeiten wir in der Zukunft haben werden.

 

Was ist die digitale Revolution?

Wenn wir von der Zukunft der digitalen Revolution sprechen wollen, müssen wir zunächst umreißen, was der Begriff „digitale Revolution“ in sich vereint. Anders, als es oftmals dargestellt wird, ist die digitale Revolution nicht ausschließlich das Werk des Internets oder der informationellen Freiheit in eben diesem. Es ist auch nicht ausschließlich die ubiquitäre Verfügbarkeit von Breitbandhochgeschwindigkeitsverbindungen oder die Tatsache, dass es in fast allen Ländern der Welt fast allen Menschen ein Internetzugang möglich ist. Dies alles sind Symptome einer bereits vorangeschrittenen digitalen Revolution. Aber die Wurzel eben dieser Revolution, die Keimzelle eines Umbruches wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Art in den Ausmaßen der Französischen Revolution oder der zuvor erwähnten industriellen Revolution lässt sich auf die Erfindung des Mikrochips festlegen.

Was für uns heute normal und alltäglich ist, war zu den Anfangszeiten unerwartet, nicht absehbar und kaum vorstellbar. Heute sind Themen wie digitale Urheberrechte, Filesharing, Softwarevertrieb und Webapplikationen so gewöhnlich, wie das Mobiltelefon, der Wi-Fi Zugang und die allmorgendliche Videokonferenz mit einem Büro am anderen Ende der Welt. Als die ersten Mikroprozessoren auf den Markt kamen, setzte eine rasante Entwicklung ein. Die Halbleitertechnologie verdoppelte ihre Leistungsfähigkeit alle 12 bis 18 Monate und auch heute gilt dieses sog. Mooresche Gesetz (nach Gordon Moore, 1965). Seit dem muss sich ein ganzer Markt mit dem Wirthschen Gesetz der Softwareentwicklung oder dem Jevon Paradoxon befassen.

Die Entwicklung von Mikroprozessoren steht auch heute nicht still. Wir erleben weiterhin eine Verdopplung der Leistung alle 12-18 Monate und die Technologien, die sich aus der synergetischen Kraft dieser Revolution entwickeln, befinden sich in einer nicht weniger rasanten Evolution. Organische LEDs, Haptische Displays und Kamerasensoren im zigfachen Megapixelbereich sind nicht nur selbstverständlich sondern erschwinglich geworden. Dies gilt nicht nur für den westlichen Markt, sondern für den gesamten Globus. Mit der steigenden Leistung von Computern, steigt auch die Leistung der Server, die unsere Kommunikation vermitteln, verteilen, transportieren, rerouten, weiterleiten und sonst wie durch den Äther jagen.

Zeichen der Revolution

Wir sind so nah dran an dieser Revolution, dass wird diese oftmals erst erfassen können, wenn wir einen Schritt zurück machen und uns vergegenwärtigen, was wir oder andere gerade machen. Das fängt in der U-Bahn an, wenn wir uns einmal umschauen, wer gerade auf einem eBook-Reader ein Buch liest, auf einem Tablet-PC eine Mail schreibt oder einfach, wer gerade MP3s hört oder telefoniert. Auf der Arbeit haben wir es jeden Tag mit kleinsten und kleinen Zeichen dieser Revolution zutun. Selbst das Printmedium, welches Sie gerade in der Hand halten, ist ein Zeichen für diese neue technologische Potenz auf den Schultern der digitalen Revolution.

Doch es gibt noch weitaus größere Indikatoren. Blicken wir nur nach Nordafrika und auf die sog. Jasmin-Revolution in Tunesien, die dann auf Ägypten und Libyen übergriff und dann auch für Unruhen im fernasiatischen Raum sorgte. Die Kommunikation und der Informationsfluss, der diese Revolutionen begleitete, erfolgten über die digitalen Netze der Welt. Dazu gehörten auch – und ganz besonders – Plattformen wie Twitter, Facebook oder YouTube. Selbst, als das Regime in Ägypten das Internet kurzer Hand sperrte, konnte dies die „Dissidenten“ nicht daran hindern, sich auszutauschen und für ihre gemeinsame Sache auf- und einzustehen.

Organische Strukturen

Das Internet ist der weltumspannende Auswuchs der digitalen Revolution. Nur, weil die Server und andere Kommunikationselemente so leistungsstark sind, ist es möglich, dass man ein weltweites Netz jeden Tag, jede Nacht, jedes Jahr und mittlerweile Jahrzehnte ständig und ununterbrochen am „Leben“ erhält. Als Japan bei der Frauen WM den Titel holte, gingen pro Sekunde 7196 Tweets über die Plattform Twitter – ein neuer Rekord. Und das ist auch die Essenz der digitalen Revolution: sie überholt sich ständig selbst, sie erfindet sich immer wieder neu, in dem sie durch uns neue Superlative schafft.

Wie ein Muskel der regelmäßig beansprucht wird, bildet sich auch das Netz weiter aus, wird stärker und Leistungsfähiger. Während wir noch vor einigen Jahren bis zu einer Stunde für einige Megabyte Datentransfer benötigten, so können wir heute schon binnen Sekunden mehrere Gigabyte an Daten transferieren. Auch die individuelle Kommunikation hat sich grundlegend geändert. Telefonieren können wir jetzt, wo wir wollen. Das Internet können wir jetzt nutzen, wo wir wollen und sehen können wir den anderen jetzt wann und wo wir wollen.

Ganze Generationen wachsen in diese Strukturen hinein. 2010 ermittelte das United Nations Department of Economic and Social Affairs, dass mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung – ca. vier Milliarden Menschen – ein Handy besitzt. Doch die Überraschung offenbart sich erst im Detail: nicht etwa die Industrienationen führen diese Statistik an, sondern Länder der Dritten Welt, wie etwa Ghana, Uganda oder Nigeria. Der Grund: neben der Kommunikation, die unabhängig von der Befahrbarkeit von Straßen in der Regenzeit, der politischen Situation in einem Teil des Landes oder von den Reisekosten und –strapazen ist, nutzt man das Handy in diesen Ländern um Geld zu überweisen oder zu empfangen.

Die Vernetzung und deren Einsatz in der Welt, ist also nicht nur ein „Ding“ der Industrienationen, sondern durchaus eine globale Erfolgsstory. Nur wenige Dinge haben in der Menschheitsgeschichte diese Ausmaße angenommen und nur wenige hatten dabei diese Doppelreichweite: einerseits betreffen sie den gesamten Globus und fast alle Menschen, die ihn bewohnen, in ihrer Gesamtheit. Andererseits hat die digitale Revolution einen sehr konkreten Einfluss auf den Einzelnen.

 

Der Wandel der Gesellschaft

Die Gesellschaft wandelt sich unter diesem Einfluss stetig und nachhaltig. Es werden Technologien erforscht, die uns noch näher kommen sollen, die uns als intelligente Umgebungen in jedem Bereich unseres Lebens zur Seite stehen. Ob zu Hause, im Auto, im Flugzeug, in der Bahn oder sonst wo auf der Erde.

Doch abgesehen von diesen weitreichenden Folgen merken wir den Einfluss der digitalen Revolution auch in Bereichen, die uns unmittelbar und höchstpersönlich als Individuum betreffen. Die heutigen und zukünftigen Generationen von Schülern werden genau diesen Einfluss „kennenlernen“. Wobei „kennenlernen“ und „damit leben“ nicht die richtige Sichtweise ist, denn die heutigen und folgenden Generationen sind sogenannte „digital natives“. Dieser Begriff beschreibt im Großen und Ganzen den Umstand, dass man in ein technologisiertes Umfeld hineingeboren wurde und dies als selbstverständlich erachtet. Gleichermaßen nimmt man Veränderungen in diesem Umfeld nur schwach war, da man sich mit der Entwicklungsgeschwindigkeit nicht arrangieren musste, denn diese war vor einem da. So wird die Sicht der zukünftigen Generationen eine andere sein, als die derer, die man, als Pendant zum digital native als digital immigrant bezeichnet – als zugewandert.

Mit dem Fortschreiten der digitalen Revolution und der rasenden Erweiterung des Internets folgte ein Hype auf den anderen. Chats, Foren, Websites, Domains und und und. Es gab ganze Wirtschaftszweige, die auf diesen Dingen aufbauten und entweder bestanden und sich in die Gegenwart halten und retten konnten oder daran scheiterten, wie etliche in der sog. dot-com-bubble – einer Internetblase, die Platze und mit ihr der Traum vom Erfolg und Profit an der Zukunft. Trends wurden zu Hypes und Hypes wurden nach deren unausweichlichen Niedergang entweder nie mehr gesehen oder etablierten sich als ruhiger Themenkomplex in der Zielgruppenöffentlichkeit.

Der Wandel der Bildung

Mit diesem Überblick gelangen wir in die Gewässer des eLearning, des Lernens mit digitalen Medien, des technologie-gestützten Lernens. Der Begriff eLearning ist so vielschichtig und uneindeutig, dass er auch heute noch, lange nach dem der Hype um dieses Thema ein Ende fand, viele Interpretationsweisen zulässt. Die digitale Revolution ermöglichte den Einsatz der neuen Technologien schließlich auch in klassischen Bereichen wie in Schulen und Universitäten oder auch in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Während man anderswo auf der Welt keinen Hehl daraus machte, das Bildung ruhig etwas kosten durfte und man auch gerne mal den einen oder anderen „Taler“ daran verdienen wollte, so war dies hierzulande lange verpönt, politisch nicht korrekt und überhaupt: Bildung ist ein gesellschaftliches Gut und kein wirtschaftliches.
Doch auch das wandelte sich. Das MMB-eLearning-Wirtschaftsranking veröffentlichte die Top-Namen der eLearning Branche und deren Umsätze. Die Top 5 brachten es 2010 dabei auf knapp 43 Mio. Euro Umsatz. Insgesamt wurden 346 Mio. Euro erwirtschaftet – bundesweit. Auch wenn diese Zahlen stark variieren: Bildung darf etwas kosten und entsprechend viel Potential steckt in diesem neuen Markt.

In den Schulen dieses Landes halten auch die digitalen Medien Einzug – auch wenn dies nur langsam voranschreitet. An den Universitäten und Hochschulen, den TUs und FHs ist dieser Fortschritt schon deutlicher zu Verzeichnen. Doch der eigentliche Antriebsmotor für eLearning und Lerntechnologien bleibt die Wirtschaft. Die Motivation der Konzerne und KMUs ist dabei eine ganz eigennützige: eLearning spart Zeit und, wie Benjamin Franklin schon zu bedenken gab, Zeit ist Geld. Demnach darf Bildung etwas kosten, wenn sie in der Bilanz der Summen Zeit und damit Geld spart.

State of the Art

Derzeitig bewegen wir uns auf dem Feld der dezentralen Kollaboration, der dezentralen Kommunikation, der Umgebungsintelligenz und noch einiger anderer Teildisziplinen, die die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur noch weiter vorantreiben wird. Intelligente Assistenzsysteme in Fahrzeugen, Häusern und am Arbeitsplatz sollen uns entlasten und uns, als hochkommunikative Spezies, mit Feedback versorgen, dass wir schnell und einfach verstehen.

In der Robotik z.B. in der industriellen Produktion gibt es derartige intelligente Umgebungssysteme bereits. Die Roboter erkennen, wenn ein Mitarbeiter sich einem Gefahrenbereich nähert und sie reagieren intelligent auf Situationen, die von den normalen Parametern abweichen. Die Mikrochips aus der ersten Stunde haben damit nichts mehr gemeinsam. Heute bewegen sich die Chip-Strukturen im Nanometerbereich und sie haben immer mehr den Habitus eines Neurons denn eines Computerchips.

 

Die Technologie der digitalen Revolution

Wenn wir uns im Jahr 2011 einmal genauer umschauen, werden wir feststellen, dass wir nicht nur mit Unterhaltungselektronik ausreichend versorgt sind. Wir bekommen auch immer neue technische Lösungen präsentiert, die noch einmal schneller, leistungsstärker und intelligenter sind, als die, die wir gerade noch neu erworben haben.

Jeder PC-Käufer kennt diese bittere Erfahrung. Man kauft sich ein PC-System und schon mit dem nächsten Prospekt eines großen Technikwarenhauses findet man ein System was mehr kann aber billiger ist. Auch rüsten wir PCs nicht mehr so auf, wie es früher einmal der Fall war: zu teuer. Es ist einfach billiger sich ein neues Gerät zu kaufen. Gleiches gilt auch für Smartphones und TV-Geräte der neuen Generation. Wenn ein Smartphone defekt ist, dann repariert man es nicht mehr.

Man tauscht es gegen ein Neues aus.Technologie wird also immer günstiger und leistungsstärker. Der Horizon Report 2010 prophezeit unter anderem, dass Technologien wie mobile Computing, eBooks und augmented Reality einige Themen der nächsten zwei bis drei Jahre sein werden.  as ist der erste Meilenstein auf dem Weg in die Zukunft des Homo Digitalis.


Die Vernetzung

Der zweite Aspekt ist die Vernetzung dieser Technologien. Kommunikation war früher einmal etwas sehr persönliches. Man hatte einfach nicht die Stimme, sich mit einem Mitmenschen über mehr als 300 Meter zu kommunizieren. Und wenn, hat man es am Tage drauf bitterlich bereut. Kommunikation auf Langstrecke war irgendwann durch den Telegraphen möglich, für den man jedoch eine Leitung brauchte. Am 27. März 1899 fand dann die erste kabellose Kommunikation statt – etwas, dass damals noch sensationell und bahnbrechend war, fällt heute nur noch dann auf, wenn es mal fehlt.

Kommunikation ist also schon immer etwas gewesen, was als Innovationsmotor bezeichnet werden kann. Die Vernetzung der Kommunikation durch soziale Netzwerke oder durch Plattformen wie Skype oder anderen Messengerformen, durch Mails oder durch den Zusammenschluss all dieser und weiterer Methoden ist also die Konsequenz der kommunikativen Innovationskette. In der Zukunft ist absehbar, dass diese Kommunikationswege noch schneller werden und mehr Leistung erbringen.

Videotelefonie ist dann nicht mehr nur als Peer-to-Peer per Handy oder als Konferenz per PC möglich, sondern die Videotelefonie wird, mit allen Vorteilen der Vernetzung, auch mit mobilen Endgeräten und einer beliebigen Anzahl von Teilnehmern möglich werden. Das wäre dann der zweite Meilenstein.

 

Der Mensch

Der dritte Aspekt beim Ausblick in die Zukunft ist natürlich der Mensch selbst. Der Begriff des lebenslangen Lernens hat in den letzten Jahrzehnten als Diskussionskatalysator fungiert und bildungspolitische Konventionen und Forderungen hinterfragt bzw. erhoben. Lebenslanges Lernen wurde als der Garant für eine Wissensgesellschaft ausgemacht, der den Menschen sein Berufsleben lang in den bestmöglichen Wissenskontext seiner Arbeit setzt. Zugleich wurde die Kritik laut, dass man eben nicht nur den Lerner an diese neuen, aber nicht von der Hand zu weisenden, Anforderungen einstellen muss, sondern dass auch die Konzepte und die Lernprozesse für den Lerner optimiert werden müssen. Was dies anbelangt, so stehen wir in vielen Bereichen des primären und sekundären Bildungsganges (Schule) und im Tertiärbereich (Hochschulen usw.) noch am Anfang. Hier stellt sich, wie bereits oben erwähnt, die Wirtschaft als Innovationstriebfeder dar und so finden wir im sog. Quartärbereich, also im Bereich der Weiterbildung, wohl die Projekte, die am weitesten fortgeschritten sind. Für die Zukunft bedeutet das, dass die Optimierung des Lernprozesses im Hinblick auf den Lerner noch weiter voranschreiten wird.

Der Lerner von Morgen

Bringen wir die drei Aspekte: Technologie, Vernetzung, Mensch  in einen Kontext, so können wir aus heutiger Sicht feststellen, dass der Homo Digitalis alsbald einen Doppelnamen tragen wird: Homo Digitalis Digitalis – wie etwa der Homo Sapiens Sapiens. Wir werden als Individuum – und natürlich in der Konsequenz auch als Gesellschaft – auf ein neues technologisches Umfeld treffen. Die Vernetzung der Kommunikation entwickelt sich immer mehr zu einem globalen Bewusstsein, in dem auch der Austausch von Informationen das Bewusstsein prägen wird. Dieses Bewusstsein ist durch das Internet beeinflussbar aber nicht absolut manipulierbar.

Das vernetzte Individuum wird ein Element eines Netzes sein, dass sein nächstes Umfeld als Referenz nutzt und dieses individuelle Umfeld das Individuum seinerseits als Referenz nutzen wird. Kommunikation wird dadurch intensiver doch Meinungsbildung und die Demokratisierung der vernetzten Welt, sei es zunächst in medialer und dann ferner in politischer Hinsicht, wird dadurch noch stärker manifestiert. Der Lerner von Morgen ist also ein hochkompetenter Kommunikator auf internationaler Ebene.

Natürlicher Kommunikationsprozess

Die Technologien von morgen unterstützen ihn dabei soweit, dass viele Kommunikationsprozesse, sei es das gesprochene oder geschriebene Wort, Gestik, Mimik etc. „natürlich“, also in der originären Form, zur Anwendung kommen. Für den Homo Digitalis der Zukunft wird die Kommunikation im globalen Netzwerk ein natürlicher Prozess sein, der nicht mittelbar durch die bewusste Eingabe per Tastatur oder ähnlichem erfolgt, sondern der unbewusst und unserer Natur entsprechend stattfindet. Die Sprachsteuerung eines Computers ist ein solches Beispiel, so auch die Gestensteuerung.

In den nächsten zwei bis vier Jahren werden die sich die Leistungen der heutigen PCs verdoppeln bzw. vervierfachen. Speicherpreise und Materialkosten werden, gewissen Schwankungsbreiten unterliegend, insgesamt soweit erträglich sein, dass die Erschwinglichkeit der neuen Technologien nicht nur reichen Menschen vorbehalten ist. Diese Breitenwirksamkeit wird schlussendlich auch dazu führen, dass eine Globalisierung des Lernprozesses „en passant“ stattfindet wird.


Der Mensch der Zukunft

Die Entwicklung des Menschen als Element einer Gesellschaft ist immer geprägt von seinem Umfeld. Die Referenzen, Werte und Normen, die sich ein Mensch sucht, denen er folgt und die ihm als Maß in Bezug auf den Rest der Welt dienen. „Der Rest der Welt“ ist dabei im wörtlichen Sinne zu verstehen, denn die Kommunikation ist die Essenz unseres Wesens. Wenn wir auch nicht lesen oder schreiben können: sprechen können wir immer. Dies lässt sich im gewissen Maß auch auf die technologisch-gestützte Kommunikation anwenden.

Die Entwicklung dieser Kommunikationsoptionen im „Fernfeld“ – also weit ab des nahen geographischen Umfeldes – hat allerdings einen Preis, der sich schon heute viele Orts offenbart: Während die globale Kommunikation via sozialer Netzwerke, Chats, etc. stetig zunimmt und intensive Nutzung erfährt, so verkümmert die konkrete soziale Anbindung in einem „Offline“-Umfeld zunehmend.

Digital gefeiert, analog vereinsamt?

Es bleibt dabei die Frage, ob dies nicht nur ein Effekt der Digitalisierung unserer Lebenswelt ist, eine Folge, der wir nicht entgegentreten müssen oder ob dies ein Indikator für die ersten negativen Nebenwirkungen ist. Denn die soziale Isolation kann nicht durch digitale Sozialisierung kompensiert werden. Der Mensch ist ein Herdentier und die Herde kann dabei nicht digital sein. Der Blick auf diese Entwicklung steht aber nicht jedem frei. Viele digital natives haben diesen Blick erst gar nicht, da diese Form des sozialen Umgangs in integrales Element ihrer Sozialisation ist… und wir alle wissen, wie wenig man als jugendlicher auf seine Eltern hörte, wenn es hieß, man solle dies oder jenes tun oder lassen.

Schlussendlich müsste es ein Konzept geben, welches eine sozial verträgliche technologische Entwicklung aufzeigt. Dieses Konzept könnte im Lernen mit den neuen Medien verortet sein. Denn Medienkompetenz bedeutet, dass man die Kompetenz hat, Medien zu nutzen oder es eben nicht zu tun. Der aufgeklärte Umgang mit den neuen Technologien bereits in den ersten Jahren unserer Bildungskarriere kann also durchaus den Unterschied zwischen einer gesunden Sozialstruktur, die unserem Wesen entspricht und einem Menschen, der auf Facebook 2.450 Freunde hat und trotzdem einsam ist.

Future Internet

Laut einer Prognose des Unternehmens „CISCO“ für das Jahr 2015, wird es 2,3 Milliarden Menschen geben, die von fast 15 Milliarden Geräten auf das Internet zugreifen. Im Vergleich zu 2010 wird sich die Bandbreite im asiatisch-pazifischen Raum von 5,5 Mbit/s auf 25 Mbit/s, also um rund das fünffache, steigern. In Japan wird man sogar von 15,5 auf 64 Mbit/s aufstocken. Der Datenfluss allein im asiatisch-pazifischen Raum wird dann rund 24 Exabytes (24 Milliarden Gigabyte) pro Monat (!). Die größte Wachstumsrate wird, so Cisco, mit rund 52% in Nahost und Afrika liegen.

Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, dass das globale Bewusstsein von der Bandbreite abhängt, die uns den Zugang mit dem Endgerät unserer Wahl, zu allen Diensten ermöglichen, die wir nutzen möchten. Bei der Menge an Daten, die dann pro Jahr über den gesamten Globus verschickt werden, ist es notwendig, dass die Flut von Informationen gefiltert wird.

Filtern – eine Medienkompetenz

Der Lerner der Zukunft steht also in der Pflicht, sich die geeigneten Filtermethoden als mediale Kompetenz zuzulegen. Dies bedeutet schlussendlich, dass der informelle Lerner für sich erkennen muss, welche Informationen er wirklich braucht, welchen er vernachlässigen kann und welchen Informationen er vertraut. Im Anbetracht der explodierenden Zahl an Daten im Web wird absehbar, dass es intelligente Assistenzsysteme wird geben müssen, die diesen Filterprozess unterstützten. Denn auch unsere Kapazität ist irgendwann ausgereizt, so dass wir den eigenen „Spamfilter“ durch technische Hilfsmittel erweitern müssen, wenn wir nicht in der Flutwelle an Daten ertrinken wollen.

Eine große Hilfe kann hierbei die semantische Aufbereitung der Webinhalte werden. Das semantische Web ist nicht erst seit gestern ein Thema und im Lichte dessen, was uns an Informationen noch ins Haus steht, kann dies der Lösungsansatz sein, der intelligente Filter und Umgebungsintelligenz mit kontextuellem Bezug vereint.


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