Roadmap - Fernstudium

Wenn eLearning das Studieren verändert

Dieser Artikel liefert einen Überblick über akademische Fernstudienangebote in Deutschland und geht dabei auch darauf ein, wie sich das Fernstudium durch den Einsatz von eLearning-Elementen verändert.

Die Fernunterrichtsbranche freut sich seit Jahren über steigende Teilnehmerzahlen, die in letzter Zeit besonders von der zunehmenden Anzahl von Fernstudierenden in akademischen Fernstudiengängen erzeugt werden, während sie im Fernunterricht auf subakademischem Niveau eher stagnieren.

Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2011 des Bundesinstituts für Berufsbildung BIBB ( datenreport.bibb.de ) geht auch auf das Thema Fernstudium ein. Waren es im Wintersemester 2008/2009 noch 69.671 Fernstudierende an Fernuniversitäten und Fernfachhochschulen, so ist diese Zahl im Wintersemester 2009/2010 auf 85.378 Studierende gestiegen. Hinzu kommen aber noch die Fernstudierenden an Präsenzhochschulen, die zum Teil auch Fernstudiengänge anbieten. Die Gesamtzahl lag für das Wintersemester 2009/2010 laut Datenreport bei 104.750 Fernstudierenden. Dieser Trend zeichnet sich auch schon etwas länger ab, wie man der Grafik des Fachverbandes Forum DistancE-Learning entnehmen kann.

Das wachsende Interesse an akademischen Fernstudiengängen hat verschiedene Ursachen. Zunächst ist hier der Trend zum lebenslangen Lernen zu nennen, der eine berufsbegleitende Weiterbildung erfordert, für welche die flexible Fernunterrichtsmethode optimal geeignet ist. Verstärkt wird dies durch das neue Studienkonzept mit Bachelor- und Masterstudiengängen im Rahmen des Bologna-Prozesses. Viele Studierende werden nach dem Bachelor-Abschluss und einigen Jahren Berufserfahrung den Wunsch verspüren, noch einen Masterabschluss zu erlangen. Um den im fortgeschrittenen Lebensalter meist gewachsenen finanziellen Verpflichtungen (Familie, Wohneigentum etc.) weiter nachkommen zu können und auch um den Anschluss an die berufliche Praxis nicht zu verlieren, werden immer weniger Arbeitnehmer und auch Selbstständige bereit sein, sich nochmals für ein Vollzeitstudium an einer Hochschule einzuschreiben.

Außerdem gibt es mittlerweile im Rahmen der Regelungen zur Durchlässigkeit auch mehr Möglichkeiten zum Studium ohne Abitur für beruflich Qualifizierte, die dann oft auch neben dem Beruf studieren möchten. Außerdem sind es gerade die Fernstudium-Anbieter, welche die gesetzlichen Möglichkeiten zum Studium ohne Abitur ausschöpfen. Bei fast allen finden sich schon auf den Internetseiten Informationen zu den entsprechenden Regelungen, während diese an Präsenzhochschulen meist versteckt oder nicht vorhanden sind.

Letztlich sei noch auf die demographische Entwicklung und den damit verbundenen Fachkräftemangel hingewiesen. Auch dieser wird eine Weiterqualifzierung von bereits Berufstätigen erforderlich machen, um diese auch im späteren Verlauf des Arbeitslebens noch für neue Aufgabenfelder zu qualifizieren. Als ein Bereich sei hier die Gesundheitswirtschaft, insbesondere der Bereich der Pflege genannt.

Bedeutung von eLearning nimmt zu

Lange Zeit hat die Fernunterrichtsbranche fast ausschließlich auf gedruckte Materialien in Form von Studienbriefen gesetzt. Selbst die Kommunikation lief viele Jahre über die Briefpost ab, dann wurde ergänzend das Fax eingesetzt und in diesem Bereich dann auch als Erstes auf elektronische Medien, vor allem E-Mail, gesetzt. Mittlerweile ist es selbst bei kleineren Anbietern selbstverständlich, dass Einsendeaufgaben und Fragen per E-Mail oder teilweise auch über einen Online-Campus eingereicht werden können. Auch darüber hinaus werden mittlerweile verstärkt eLearning Elemente eingesetzt, von denen nachfolgend einige vorgestellt werden sollen.

Online-Campus

Bei den größeren Anbietern wird oft ein Online-Campus eingesetzt, der verschiedene Aufgaben erfüllt. Fast immer dient er zur Kommunikation mit der Hochschule und den Tutoren, häufig auch für den Austausch der Teilnehmer untereinander. Statt Lösungen zu Einsendeaufgaben, Hausarbeiten etc. per E-Mail zu versenden, können diese auch direkt im Online-Campus hochgeladen und von dort aus dem Tutor zugewiesen werden. Auch organisatorische Aufgaben wie die Anmeldung zu Präsenzseminaren und Prüfungen sowie die Einsicht in Klausurergebnisse ist oft über den Online-Campus möglich. Mitunter werden auch (ergänzende) Materialien über den Online-Campus zur Verfügung gestellt.

eBooks und Online-Materialien

Es gibt einige Ansätze, von den Papierunterlagen wegzukommen und statt dessen oder zumindest ergänzend die Materialien auch in elektronischer Form zur Verfügung zu stellen. Teilweise handelt es sich dabei um PDF-Versionen der Studienbriefe, teilweise aber auch um speziell für das Lesen am Bildschirm bzw. eBook Reader aufbereitete Dokumente. Mitunter werden diese auch gleich auf einem Gerät (zum Beispiel iPad) gespeichert ausgeliefert.

Verfilmte Vorlesungen und virtuelle Veranstaltungen

Ein großer Unterschied zwischen Präsenzlehre und Fernlehre war es in der Vergangenheit, dass im Fernstudium vorwiegend schriftliche Unterlagen zur Verfügung gestellt wurden, während im Präsenzstudium die Vorlesungen einen Schwerpunkt der Lehre bilden. Dieser Unterschied wird mittlerweile zum Teil aufgeweicht, da auch in manchen Fernstudiengängen verfilmte Vorlesungen zum Einsatz kommen oder   synchrone live Online-Veranstaltungen durchgeführt werden.

Online-Prüfungen

Die Hauptprüfungen wie zum Beispiel Klausuren finden nach wie vor unter Aufsicht in Präsenzform statt. Manche Vorprüfungen und Selbsttests können aber bereits online am PC durchgeführt werden und führen dann meist auch direkt nach Abschluss der Prüfung dazu, dass das Ergebnis angezeigt wird.

Branchenüberblick

Nachfolgend werden einige Anbieter von akademischen Fernstudiengängen vorgestellt.  Dabei wird auch darauf eingegangen, welche eLearning Elemente dort bereits zum Einsatz kommen. Bei der Auswahl wurden Angebote aus Deutschland berücksichtigt, die entweder sehr groß sind oder Besonderheiten hinsichtlich des eLearnings aufweisen.

 

FernUni Hagen

Die FernUniversität in Hagen ist mit mehr als 70.000 Studierenden nicht nur der größte Fernstudium-Anbieter in Deutschland, sondern auch die größte deutsche Hochschule überhaupt. Neben dem Sitz in Hagen unterhält die FernUni auch noch ein Netz von Studienzentren und Regionalzentren, um Präsenzveranstaltungen auch in Wohnortnähe der Studierenden anbieten und Prüfungen abnehmen zu können. Außerdem ist die FernUni Hagen die einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland und besitzt das Promotions- und Habilitationsrecht.

Das Studienangebot umfasst Fernstudiengänge an den vier Fakultäten Kultur- und Sozialwissenschaften, Mathematik und Informatik, Wirtschaftswissenschaften sowie Rechtswissenschaften.

Viele Fernstudierende entscheiden sich auch aufgrund der im Vergleich zu Fernstudiengängen an privaten Hochschulen geringen Kosten des Studiums für die FernUni Hagen. Studiengebühren im eigentlichen Sinne gibt es nicht, es fällt lediglich eine Materialbezugsgebühr an. Zusätzlich wird nur noch ein geringer Studierendenschaftsbeitrag berechnet.

Als Online-Campus bzw. Lernmanagement-System kommt Moodle zum Einsatz, die Nutzung ist aber je nach Fachbereich sehr unterschiedlich. Es gibt erste Versuche mit dem Einsatz von eBook Readern. Der Schwerpunkt liegt aber weiterhin auf schriftlichen Unterlagen. Auch virtuelle Veranstaltungen werden zum Teil eingesetzt, auch um mündliche Prüfungen abzunehmen.

TU Kaiserslautern

An der Technische Universität Kaiserslautern werden vorwiegend postgraduale Masterstudiengänge durch das Distance and International Studies Center (DISC) angeboten. Die Angebote stammen aus den Bereichen Human-Resources, Management and Law sowie Science and Engineering.

Außerdem werden zu einigen Präsenzstudiengängen Fernstudieneinstiege angeboten. Darüber kann dann berufsbegleitend in das Studium eingestiegen und die spätere Präsenzstudiendauer verringert werden.

Fernstudium-Verbünde

In der Vergangenheit haben sich einige regionale Verbünde staatlicher (Fach-)Hochschulen gebildet, die zum Teil recht unterschiedliche Ansätze im Konzept verfolgen. Dazu gehören Oncampus, das Verbundstudium, der Hochschulverbund Distance Learning (HDL) mit der Agentur für wissenschaftliche Weiterbildung und Wissenstransfer (AWW) sowie die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFH).

Die Besonderheit bei Oncampus ist es, dass hier ganz auf das Onlinestudium gesetzt wird. Alle Materialien werden über das Internet zur Verfügung gestellt und auch Veranstaltungen werden zum Teil in virtuellen Klassenräumen über das Internet durchgeführt. Aber auch bei Oncampus kann und möchte man nicht ganz auf Präsenzveranstaltungen verzichten. Zum einen müssen die Klausuren unter Aufsicht geschrieben werden, zum anderen wird auch dem sozialen Kontakt vor Ort eine große Bedeutung beigemessen.
Im Verbundstudium hingegen gehören regelmäßige Präsenzveranstaltungen zum Konzept. Hier finden meist alle zwei Wochen Vorlesungen an den beteiligten Fachhochschulen statt, die durch die Fernstudium-Einheiten zu Hause ergänzt werden. Im Verbundstudium sind (Fach-)Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen organisiert.

Die Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH) bietet nicht nur Fernstudiengänge an, sondern informiert auch übergreifend über Möglichkeiten zum Fernstudium an Fachhochschulen. Dazu gibt sie unter anderem den Ratgeber „Zeit für ein Fernstudium“ heraus.

Hamburger Fern-Hochschule (HFH)

Die Hamburger Fern-Hochschule bietet Fernstudiengänge aus den Bereichen Gesundheit und Pflege, Technik und Wirtschaft an. Eine Besonderheit ist der ausbildungsbegleitende Studiengang Health Care Studies, der zusammen mit Kooperationsschulen durchgeführt wird. Eine weitere Besonderheit ist ein Promotionsstudiengang zum Ph.D. Industrial Engineering, der in Kooperation mit der University of Louisville durchführt wird.

AKAD

Die AKAD Hochschulen gehören zur Franz Cornelsen Bildungsgruppe. Hochschulstandorte sind Stuttgart, Pinneberg und Leipzig. Die Zentrale befindet sich in Stuttgart. Außerdem gehört die Wissenschaftliche Hochschule Lahr (WHL) mit zum AKAD-Verbund. Die WHL bietet postgraduale Studiengänge auf universitärem Niveau an. Über das AKAD-Kolleg werden zudem nicht-akademische Fernlehrgänge angeboten.

Klett Gruppe

Zur Klett Gruppe gehören mehrere Fern-Hochschulen, die sich auf verschiedene Bereiche spezialisiert haben.

Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW)

Die Deutsche Universität für Weiterbildung ist eine Öffentlich-Private Partnerschaft zwischen der Klett Gruppe in Form der Deutschen Weiterbildungsgesellschaft (DWG) sowie der Freien Universität Berlin (FU Berlin). Die DUW bietet ausschließlich postgraduale Master- und Zertifikatsstudiengänge an. Die DUW hat zwar den Status einer Universität, verfügt aber bisher nicht über ein Promotionsrecht.

Wilhelm Büchner Hochschule (WBH)

Die Wilhelm Büchner Hochschule ist die technische Fern-Hochschule der Klett Gruppe. Angeboten werden unter anderem Bachelor- und Masterfernstudiengänge sowie Zertifikatsstudien aus den Bereichen Informatik, Elektrotechnik, Ingenieurwissenschaften und Logistik. Nach und nach sollen alle Studienbriefe auch als PDF-Dokumente zur Verfügung gestellt werden.

Europäische Fern-Hochschule Hamburg (Euro-FH)

Die Euro-FH gehört ebenfalls zur Klett Gruppe und bietet wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge mit Bachelor-, Master- und MBA-Abschluss an. Dabei wird auf eine internationale Ausrichtung Wert gelegt. Zum Teil gehören auch Auslandsaufenthalte zum Studienprogramm, welche die Studierenden unter anderem nach China führen.

APOLLON Hochschule

Auch die APOLLON Hochschule gehört zur Klett Gruppe und ist auf Studiengänge der Gesundheitswirtschaft spezialisiert. APOLLON bietet unter anderem Angebote aus den Bereichen Gesundheitsökonomie, Gesundheitslogistik und Gesundheitstourismus. Zielgruppe sind Angehörige der Gesundheitsberufe wie zum Beispiel Ärzte und Pflegepersonal.

 

PFH Göttingen

Die Private Hochschule Göttingen ist eine private Präsenzhochschule mit Standorten in Göttingen, Stade und Berlin, die auch Fernstudiengänge aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften anbietet. Große mediale Aufmerksamkeit hat die PFH durch eine Kooperation mit Tchibo erlangt. Im Rahmen einer Vertriebsaktion wurden in den Tchibo-Filialen Informationen zu den Fernstudiengängen angeboten, die mit besonderen Konditionen verbunden waren. Die PFH setzt unter anderem auf YouTube, um in Video-Infoveranstaltungen über das Studienangebot der Hochschule zu informieren.

DIPLOMA

Die DIPLOMA FH Nordhessen ist ebenfalls eine private Hochschule und gehört zur Bernd-Blindow-Gruppe. Es werden Fernstudiengänge aus den Bereichen Gestaltung, Gesundheit und Soziales, Recht, Technik sowie Wirtschaft angeboten.

WINGS

Über die WINGS (Wismar International Graduation Services) bietet die Hochschule Wismar Fernstudiengänge an. Eine Besonderheit ist hier der Master Online Wirtschaftsrecht. Das Material besteht dabei aus audiovisuell unterlegten Vorlesungen. Es gibt keinerlei physisches Lernmaterial. Auch die Gesetzestexte und Kommentare werden online zur Verfügung gestellt. Selbst Vorprüfungen werden über ein spezielles Prüfungssystem online durchgeführt und auch gleich automatisiert ausgewertet.

SRH Fernhochschule Riedlingen

Die SRH Riedlingen gehört zum SRH-Konzern und bietet Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Weiterbildungsprogramme an. Im März 2011 ist erstmalig ein MBA-Fernstudium in elektronischer Form gestartet. Dabei erhalten die Studierenden einen iPad, auf dem alle Unterlagen des Fernstudiums in elektronischer Form gespeichert und multimedial aufbereitet sind. Ergänzend finden Online-Vorlesungen statt. Aber auch auf kompakte Präsenzveranstaltungen wird nicht verzichtet.

W3L Akademie

Die W3L ist ein Beispiel für einen eher kleinen Fernstudium-Anbieter, der sein Studium in Kooperation mit einer Präsenzhochschule durchführt. Kooperationspartner ist die FH Dortmund. Bisher wird ein Bachelor Web- und Medieninformatik angeboten, ein Wirtschaftsinformatik-Bachelor startet im September 2011. Das Studium ist als Onlinestudium organisiert und läuft über die eLearning-Plattform von W3L ab. Alle Studienmaterialien stehen online zur Verfügung, werden ergänzend aber auch in Form von Büchern ausgeliefert. Die Klausuren finden in Präsenzform statt. Vorher muss über einen Online-Abschlusstest die Zulassung zur Prüfung erreicht werden. Außerdem können auf diesem Wege Bonus-Punkte erlangt werden, welche die Klausurnoten verbessern.

Wie dieser Überblick über die deutsche Fernstudiumslandschaft zeigt, werden elektronische Medien und eLearning Elemente auch im Fernstudium immer wichtiger, auch wenn sie bisher meistens eher als Ergänzung denn als Ersatz der klassischen Studienbriefe dienen. Außerdem fällt auf, dass gerade im Marketing immer mehr Fernhochschulen die Möglichkeiten des Social Webs nutzen und auf entsprechenden Plattformen wie Twitter, Facebook, XING oder YouTube präsent sind.

Auswahl des geeigneten Anbieters

Gerade für sehr beliebte Fernstudiengänge wie zum Beispiel Betriebswirtschaft oder Informatik gibt es etliche Angebote, so dass die Auswahl oft schwer fällt. Bei Interesse für einen Fernstudiengang hat sich daher ein schrittweises Vorgehen bewährt.

Sobald der gewünschte Studiengang feststeht, sollten die in Frage kommenden Anbieter für diesen Studiengang in Erfahrung gebracht werden. Einen vollständigen Überblick über alle Angebote zu erhalten ist gar nicht so einfach.

Stehen nun die in Frage kommenden Anbieter fest, sollten Kriterien festgelegt werden, die einem persönlich für das Studium wichtig sind. Das könnten zum Beispiel sein:

Inhalte

Hier geht es zum Beispiel darum, welche Themenbereiche abgedeckt werden und wie sehr das Studium einerseits in die Breite geht, andererseits aber auch Spezialgebiete abgedeckt werden. Viele Anbieter ermöglichen zum Beispiel im Hauptstudium eine Auswahl zwischen verschiedenen Studienschwerpunkten. Hier gilt es zu überlegen, wo einerseits die eigenen Stärken und Interessen liegen, andererseits aber auch in welche Richtung die berufliche Karriere gehen soll und was dazu benötigt wird.
Akkreditierung

Bei Bachelor- und Master-Studiengängen sollte geprüft werden, ob und welche Akkreditierungen vorhanden sind. Ist eine Tätigkeit im internationalen Umfeld angestrebt, können ggf. auch internationale Akkreditierungen wichtig sein, zum Beispiel bei einem MBA-Studium.

Kosten

Um einen realistischen Kostenvergleich zu ermöglichen, gilt es alle anfallenden Kostenpositionen zu ermitteln. Neben den Grundbeträgen können zusätzliche Kosten für freiwillige Präsenzveranstaltungen, aber auch zum Beispiel für die Abschlussprüfung anfallen. Außerdem kann es notwendig werden, zusätzliche Literatur oder auch Software anzuschaffen. Diese Kosten lassen sich im Vorhinein allerdings nur schwer abschätzen. Wenn viele Präsenzveranstaltungen stattfinden, können auch die Reise- und Unterkunftskosten einen nicht unerheblichen Posten darstellen und sollten für einen Vergleich mit herangezogen werden.

Dauer

Als Grundlage gilt hier die Regelstudienzeit. Diese unterscheidet sich zwischen den einzelnen Anbietern nur wenig, da sie auch von externen Vorgaben (Gesetze, Akkreditierung etc.) beeinflusst wird. Interessanter ist es da, bei den einzelnen Anbietern gezielt nachzufragen, wie die durchschnittliche Studiendauer aussieht. Hier werden sich vermutlich Differenzen ergeben. Bei der Gelegenheit kann auch gleich erfragt werden, ob eine kostenlose Verlängerung der Studiendauer möglich ist und für welchen Zeitraum diese gewährt wird.

Medien

Das klassische Medium im Fernstudium ist nach wie vor der gedruckte Studienbrief. Wie in diesem Artikel bereits erläutert, kommen aber immer häufiger als Ersatz oder Ergänzung auch elektronische Medien zum Einsatz, die Vor- und Nachteile mit sich bringen. Hier ist zu überlegen, was die eigenen Vorlieben sind und wo hauptsächlich gelernt werden soll. Wird der Lernort primär der heimische Schreibtisch sein, sind elektronische Medien, die ggf. auch einen Internetzugang erfordern, kein Problem. Pendelt man regelmäßig längere Zeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln und möchte diese Zeiten zum Lernen nutzen, kann der Internetzugang schon schwerer herzustellen sein usw.

Präsenzanteil

Hier ist unter anderem zu klären, wie oft Präsenzveranstaltungen stattfinden, ob diese ausschließlich am Wochenende angeboten werden und wie umfangreich diese sind. Es sollte auch geklärt werden, ob verschiedene Präsenzstandorte angeboten werden (zum Beispiel in Wohnortnähe) und ob an diesen dann auch das vollständige Programm durchgeführt wird, oder nur ausgewählte Veranstaltungen bzw. nur die Prüfungen. Wichtig ist auch, was passiert, wenn ein Termin oder eine Prüfung nicht wahrgenommen werden kann - werden mehrere Termine pro Semester angeboten, oder verliert man hier Zeit.

 

Flexibilität

Die Flexibilität eines Fernstudium-Anbieters zeigt sich insbesondere darin, ob es einen festen Studienplan mit Terminen zum Beispiel für den Semesterstart, Präsenzen und Prüfungen gibt oder ob ein Einstieg jederzeit möglich ist und auch Präsenzveranstaltungen und Prüfungen in kurzen Abständen wiederholt angeboten werden.

Nach diesen Kriterien können die einzelnen Angebote dann miteinander verglichen werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass manche Vorteile durchaus auch Nachteile mit sich bringen können, die zunächst nicht offensichtlich sind. Zum Beispiel hört sich eine maximale Flexibilität zunächst einmal sehr positiv an. Es gibt durchaus Anbieter, bei denen es keine festen Semester und auch keine festen Lerngruppen gibt. Die Studierenden können in dem Tempo vorgehen, in dem es ihnen möglich ist und fast jeden Monat alle Prüfungen schreiben. Mitunter ist es sogar möglich, Klausuren aus verschiedenen Studienabschnitten gemeinsam zu schreiben usw. Das bringt aber auch mit sich, dass es keinen vorstrukturierten Rahmen gibt und die Studierenden bei jeder Präsenzveranstaltung auf andere Teilnehmer treffen. Dadurch wird es sehr schwer, Lerngruppen zu bilden und es erfordert eine gute Fähigkeit, sich selbst strukturieren und motivieren zu können - noch mehr, als dies im Fernstudium ohnehin schon der Fall ist. Bei anderen Anbietern hingegen gibt es feste Semester und regelmäßige Präsenzveranstaltungen. Das ist nicht ganz so flexibel, aber dafür hat man auch eine feste Studiengruppe, die man immer wieder trifft und durch die vorgegebenen Termine ist auch ein gewisser Rahmen vorgegeben, der es manchem leichter macht, sich zu organisieren. Wie bei vielen anderen Kriterien gibt es auch hier kein „richtig“ oder „falsch“, sondern nur eine für jeden einzelnen persönlich beste Lösung.

Ergänzend zu den Fakten, die so ermittelt wurden, gilt es dann, sich auch eine persönliche Meinung zu bilden, wo man sich am besten aufgehoben fühlt. Dazu ist es hilfreich, den Kontakt zu den Hochschulen zu suchen. Manche Anbieter führen Infoveranstaltungen im Web oder vor Ort durch, eine telefonische Studienberatung ist immer möglich und auch ein Gespräch vor Ort kann vereinbart werden. Außerdem sollte versucht werden,   Erfahrungsberichte von anderen Teilnehmern ausfindig zu machen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Fernstudenten, die sich an Online Communities zum Fernstudium im Internet beteiligen oder in einem Blog über ihre Erfahrungen berichten.

Fazit

Das Fernstudium-Branche in Deutschland wächst nicht nur, sondern verändert sich auch stark. Zum einen nimmt die Bedeutung des akademischen Fernstudiums gegenüber dem nicht-akademischen Fernunterricht weiter zu. Zum anderen gibt es aber auch erste Anzeichen für einen Umbruch bei den eingesetzten Medien. Zur Zeit sind es eher noch Versuche, auch elektronische Medien vermehrt zum Einsatz zu bringen. Aber bereits jetzt ist absehbar, dass das eLearning das Fernstudium nachhaltig verändern und noch attraktiver machen wird.

Der Autor

Markus Jung
Markus Jung (38) aus Köln hat zunächst eine kaufmännische Ausbildung absolviert und danach berufsbegleitend per Fernstudium Informatik studiert. Nach der Gründung   seiner Firma Fernstudium-Infos.de Markus Jung e. K. hat Jung sich außerdem an der Freien Journalistenschule Berlin weitergebildet – ebenfalls per Fernstudium.

Seine Hauptaufgabe sieht Jung darin, über das Fernstudium und Neuigkeiten aus der Branche zu informieren und Interessenten für Fernlehrgänge und Fernstudiengänge umfassend und unabhängig zu beraten. Dies geschieht sowohl auf dem von ihm betreuten Portal Fernstudium-Infos.de, als auch an vielen anderen Stellen im Internet.

Zusammen mit Anne Oppermann hat er im Jahr 2010 den Ratgeber „100 Fragen und Antworten zum Fernstudium“ veröffentlicht, der als Begleiter durch das Fernstudium konzipiert ist

Informationen zum Fernstudium

ZFU: www.zfu.de (nur privatrechtlich organisierte Studiengänge)
In der Datenbank der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) sind alle von der ZFU registrierten und zugelassenen Fernunterrichts-Angebote gespeichert. Dazu gehören auch akademische Fernstudiengänge - allerdings nur, wenn diese privatrechtlich organisiert sind. Daher sind zum Beispiel die Fernstudiengänge der staatlichen FernUni Hagen nicht zu finden.

ZFH: www.zfh.de (nur Fernstudiengänge an Fachhochschulen)
Die Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen listet neben den eigenen Angeboten in einer Broschüre auch die Fernstudiengänge an anderen Fachhochschulen auf. Studiengänge auf universitärem Niveau werden nicht aufgeführt.

Forum DistancE-Learing: www.forum-distance-learning.de (nur Fernstudiengänge der Verbandsmitglieder)
Das Forum DistancE-Learning ist der Fachverband für die Fernunterrichtsbranche. Er gibt eine Broschüre mit den Angeboten der Mitgliedsunternehmen heraus, die Angaben stehen auch online zur Verfügung. Zwar hat der Fachverband gerade bei den privaten Anbietern eine große Akzeptanz, aber dennoch sind nicht alle Hochschulen hier Mitglied, so dass auch auf diesem Wege kein vollständiger Überblick möglich ist.

AG-F: www.ag-fernstudium.de (Fernstudiengänge der Mitglieder)
Die Arbeitsgemeinschaft für das Fernstudium an Hochschulen (AG-F) ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium und listet auf der Homepage die Fernstudiengänge der Mitglieder auf.

Fernstudium-Infos.de: www.fernstudium-infos.de (umfangreiche Übersicht) *
Auf dem Portal Fernstudium-Infos.de finden Interessierte ein umfangreiches Verzeichnis von Fernunterrichtsangeboten, das gerade im Bereich der akademischen Fernstudiengänge umfassend ist und den größten Teil des Fernstudienangebots in Deutschland abdeckt. Eine Vollständigkeit und Aktualität kann aber auch hier nicht garantiert werden, da sich am AngebotPortfolio der Anbieter ständig etwas ändert.

* Disclaimer: Bei Fernstdium-Infos.de handelt es sich um ein Internetangebot des Autors.


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