Mit Willen

richtig lernen wollen

„Sag mir, wie du lernst und ich sag dir, wer du bist.“ Eine Aussage, die zunächst einmal abstrakt ist. Was hat der Charakter mit Lernen zu tun? Mehr als man zunächst vielleicht annehmen mag. Welche Zusammenhänge es dabei gibt, sollte ein kleiner Selbsttest offenbaren.

Dr. Markus Deimann von der Fernuniversität Hagen, der größten deutschen Universität, hat unter www.willenstest.org einen solchen Selbsttest online gestellt. Mit dem Online-Fragebogen hat man die Möglichkeit, in weniger als 20 Minuten ein detailliertes Profil zum eigenen Lernverhalten zu erhalten. Wie gut ist die eigene Motivation und wie gut hat man seine Emotionen im Griff, um auch mittel- und langfristig Ziele erreichen zu können.

Skeptisch? Gerne!

Als Redakteur/Autor ist man es gewohnt, Dinge zu hinterfragen. Besonders wenn es um schlecht greifbare geht, wie etwa Lernmotivation und Willensstärke, die dann plötzlich in einem Test scheinbar Überraschendes über den Getesteten offenbaren sollen. Und auch über die Aufbereitung dieser Thematik macht man sich Gedanken, da es für einen Artikel eher ungewöhnlich ist, dass man den Leser direkt anspricht. Doch das muss ich jetzt einfach einmal machen.

Ich hatte den Auftrag mit den Online-Fragebogen anzuschauen und durchzuführen. Ohne jedwede Hintergrundinfo surfte ich also zum vereinbarten Ziel und machte mich daran meinen Willenstest zu beginnen. Vorab habe ich mir allerdings einige Gedanken gemacht: Was bin ich für ein Lerntyp?

Neben der entsprechenden Hochschulerfahrung und den Weiterbildungsobligationen des Berufslebens, halte ich mich für jemanden, der geistig recht gut unterwegs ist und jemand, der bei der richtigen Stress-Workload-Konfiguration gut funktioniert.

Übermäßiger Stress hingegen bremst mich aus und Unterforderung ist wie das Warten auf einen Bus, der niemals kommt: schrecklich.

32 Szenarien werden abgefragt

Nachdem ich die ersten Angaben ausgefüllt hatte, begann auch schon der Test. Fragen, wie ich mit erfolgreichem Abschluss eines Teilziels umgehe, welche Gedanken ich habe, wenn mir ein Ziel zu weit und hoch erscheint und welche Kontrollmechanismen zum Tragen kommen, um mich nicht ganz versagen zu lassen.

An dieser Stelle, lieber Leser und liebe Leserin, kann ich Ihnen keine Fragen offenbaren. Das wäre unfair, denn Sie sollen selbst einmal die Chance haben, diesen wissenschaftlichen Test zu machen.

Alle Strategien, die sich in diesem Test finden und die Sie auch im Buch zum Test finden können, sind aus der wissenschaftlichen Grundlagenforschung abgeleitet. Also kein „Hände-Lesen á la Web 2.0“, sondern konkrete Ergebnisse aus der Forschung.

Die Multiple-Choice-Fragen – wenn man sie aufmerksam liest und im Hinterkopf behält – kontrollieren sich gegenseitig. Wenn man also an einem Punkt sagt, dass eine Aussage eher nicht stimmt, dann wird diese Aussage noch einmal hinterfragt – ohne dass man es eigentlich mitbekommt.

Der Aufbau dieses Tests ist das, was ich sonst nur von sehr aufwändigen Umfragekonzepten kenne: Followup-Fragen in ein und demselben Fragebogen, um die größtmögliche Annäherung an die Realität zu bekommen. Ziemlich clever, aber ich hatte noch so meine Zweifel, dass dieser Test mir etwas sagt, was ich nicht schon wüsste. Und ich sollte überrascht werden…

Der Willenstest offenbart Einblicke in die eigenen Lerngewohnheiten, die einen wirklich überraschen können.

Die Auswertung

Es nützt nichts. Der Test kennt mich besser, als ich es mir eingestehen möchte. Die vier Kategorien „Selbstwert“, „Konsequenzen Kontrolle“, „Stimmungsmanagement“ und „Metakognition“ sind als vier Ampeln dargestellt. ROT entspricht einem „zu gering“, GRÜN einem „optimal“ und „zu hoch“ würde konsequenterweise dann GELB entsprechen, doch diese Farbe tauchte bei mir nicht auf.

Zuvor vielleicht noch einen erklärenden Einschub bezüglich des Begriffes „Metakognition“, denn das Wort benutzt man im Alltag nicht so sehr oft.  „Kognition“ ist die Wahrnehmung und „Meta“ beschreibt als Vorsilbe quasi die „Wahrnehmung der Wahrnehmung“, wie bewusst und wie weit man sich mit den eigenen kognitiven Prozessen auseinandersetzt.

Aber Sie ahnen es: wer Grün hat, hat freie Bahn. Ich hatte – so viel Einblick lasse ich jetzt einmal zu – eine rote Ampel bei Selbstwert. Mit anderen Worten: ich unterschätze meine Leistungsfähigkeit in dem Maße, dass ich mir selbst im Weg stehe.

Wirklich clever…

Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist es auch so – wenn man sich selbst auch seine Fehler nicht unbedingt gerne eingesteht. Besonders bei großen Projekten neige ich zu einer vorsichtigen aber nicht übertriebenen Zeitplanung. Und was ex ante gut und passend aussah verengt sich mit dem Voranschreiten des Projektes zu einem Schlauch der „Ich schaff’s nicht“-Einstellung. Und dennoch haben wir – die Teams, mit denen ich an Projekten arbeite und ich – es immer geschafft. Pünktlich und vollständig. Aber dieses Bewusstsein habe ich bisher nicht persönlich für mich wahr- und mitgenommen.

Buchtipp

Besser Wollen
– Motiviert sein und motiviert bleiben für persönliche und berufliche Ziele

Autor: Dr. Markus Deimann und Benjamin Weber

Verlag: Apertus - Rolf Griesinger Wissenschaftlicher Verlag Heidelberg

Preis: 13,90 Euro

Fazit

Surfen Sie doch mal hin. Schauen Sie doch mal den Willenstest an. Es tut nicht – oder nur minimal – weh. Abgesehen davon ist es faszinierend, wie der gute Aufbau eines Fragenkatalogs doch so präzise die Realität abbildet.

Würde ich mit einem Ergebnis einen meiner früheren Dozenten fragen, was er davon hält, wüsste ich die Antwort schon jetzt. Der Autor dieses Tests hat übrigens auch ein Buch herausgebracht: „Besser Wollen“. In diesem Buch finden sich die Strategien, wie man die Ampeln aller vier Kategorien auf „Grün“ bekommt.

Wollen doch mal sehen, ob ich das nächste Mal nicht aus meinem New Yorker Medienimperium schreibe. Erfolg ist schließlich Kopfsache und wenn die Leute von der Fernuniversität Hagen nichts von Motivation und Erfolg wüssten, wer dann?

Info

Zielgruppe
Studieninteressierte, die nicht an einer Präsenzuniversität studieren können oder wollen, vor allem Berufstätige

Methodik
Blended Learning-Fernstudium mit E-Learning, netzgestützter Lehre und Betreuung, Studienbriefen und – auch wohnortnahen – Präsenzveranstaltungen, Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie

Portfolio
Universitäre Bachelorstudiengänge:
Bildungswissenschaft, Kulturwissenschaften mit Fachschwerpunkt Geschichte, Literaturwissenschaft, Philosophie, Politik- und Verwaltungswissenschaft, Psychologie, Informatik, Mathematik, Rechtswissenschaft - Bachelor of Laws, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftswissenschaft.

Masterstudiengänge:
Bildung und Medien – eEducation, Europäische Moderne - Geschichte und Literatur, Governance, Philosophie - Philosophie im europäischen Kontext, Soziologie - Individualisierung und Sozialstruktur, Elektrotechnik und Informationstechnik, Computer Science, Informatik, Mathematik, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Volkswirtschaftslehre.
Möglichkeit der Promotion und der Habilitation.

Kontakt
FernUniversität in Hagen
Zentrale Studienberatung / Service-Center
Universitätsstraße 11
ehem. Technologie- und Gründerzentrum (TGZ)
58097 Hagen
Öffnungszeiten:
Mo. - Fr. 08:00 - 18:00 Uhr
www.fernuni-hagen.de
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