Gegen das Altern

von Content

Qualitätsmanagement ist auch eine Frage nach der Aktualität von Inhalten. Was kann man unternehmen, damit die Zeit nicht gegen den Content arbeitet und wie kann man hier hohe Qualitätsstandards sichern? Jürgen Schwarz von der Akcay-Schwarz Consulting gibt Antworten.

eLearning Journal: Herr Schwarz, wir freuen uns Sie, als Geschäftsführer der Akcay-Schwarz Consulting GmbH, zum Thema Qualitätssicherung und Bildungscontrolling interviewen zu dürfen. Stellen Sie bitte noch einmal kurz die ASC GmbH vor. Was leistet Ihr Unternehmen und was zeichnet es aus?

Jürgen Schwarz: Die Akcay-Schwarz Consulting GmbH (ASC) ist ein führender Anbieter im Bereich Medien- und Weiterbildungskompetenz und deckt die Bereiche Beratung, Konzeption, Umsetzung und den Betrieb von ganzheitlichen Lern-, Bildungs und Informationslösungen ab. Bereits seit der Gründung im Jahr 1993 wurden durch das Unternehmen mehr als 250.000 Kundenmitarbeiter in Präsenzseminaren weitergebildet und es nutzen mehr als 1,5 Mio. Menschen die eLearning–Lösungen aus unserem Hause. Aufgrund dieser enormen Teilnehmer- und Nutzerzahlen wurde bereits 1996 mit der Nutzung, Entwicklung, Einbindung und Anwendung eines eigenen eLearning-Portfolios begonnen. In diesem Zusammenhang wurde nicht nur der Einsatz von Technologie sondern auch die wissenschaftliche Seite von Erwachsenenpädagogik beleuchtet. Die ASC ist heute einer der wenigen Hersteller der Welt, der in einem Hause folgenden Technologien vereinen:

  • eigene Lernplattform
  • eigene Web-Telefonlösung
  • eigener Live-Chat
  • eigenes Web-Conferencing
  • Eigene Autorensysteme
  • Management komplexer Bildungs-Infrastrukturen (LearnGate, UNIT21…)
  • Bildungscontrolling und -evalution in einem System
  • Content-Management, Content-Life-Cycle und Content-Anti-Aging
  • Integriertes Shop-System zur Freischaltung und Abrechnung von Content um Micro-Payment

eLearning Journal: Qualitätssicherung und Bildungscontrolling sind wichtige Themen in der Landschaft der heutigen eLearning-Lösungen. Das Generieren von Content bedeutet auch eine gewisse Verantwortung, wenn es um Aktualität und kontextuelle Integrität geht. Für wie wichtig halten Sie die Frage nach QS und Bildungscontrolling?

Jürgen Schwarz: Bildungscontrolling ist eines der wichtigsten Elemente von Bildungs- und eLearning-Szenarien und für mich ist dies ein vierstufiger Prozess in dem alle Elemente eine gleiche Gewichtung haben.

Das nachfolgende Schaubild stellt diese Bereiche in der Übersicht dar:

 

a. Der erste Bereich ist eine umfassende und die Zielgruppe / Nutzer integrierende Analyse in der sowohl die inhaltlichen Themen festgelegt werden, als auch die Rahmenbedingungen für die Durchführung der Maßnahme geplant und initiiert werden.

b. Während der Durchführung der Bildungsmaßnahme ist eine Evaluation im laufenden Prozess ebenfalls ein wichtiger Baustein der in vielen
eLearning-Projekten vernachlässigt wird. Ein Metallbauer wird bei einer Bearbeitung einer Kurbelwelle auch permanent Messungen durchführen, damit das fertige Produkt auf den 100tel Millimeter den Kundenanforderungen entspricht. Warum also auch nicht bei Bildungsprojekten.

c. Das Controlling des Lerntransfers sollte bei größeren eLearning-Projekten in regelmäßigen Schritten und vor allen Dingen am Ende einer Weiterbildungsmaßnahme durchgeführt werden. Auch sollte in einem zeitlichen Abstand nach der Schulungsmaßnahme geprüft werden, wieviele der Inhalte noch präsent sind und vor allen Dingen, wie sich dieses Wissen in der Praxis als Handlungskompetenz umsetzen lässt. Hier entscheidet sich wirklich, ob die Bildungsmaßnahme gut oder schlecht war.

d. Die wirtschaftliche Erfolgsbetrachtung einer Bildungsmaßnahme ist am Ende des Tages für den Kunden eine sehr entscheidende Größe. Wurde das eLearning-Projekt in der geplanten Zeit und mit den geplanten Kosten umgesetzt? Wichtiger ist an dieser Stelle für den Kunden, dass er mit der Handlungs- und Verhaltensänderung seiner Mitarbeiter die entsprechenden Einsparpotentiale erreicht, damit eine ROI (Return of Investment) der Weiterbildungsausgaben für den Auftraggeber verbucht werden kann. Werden alle vier vorgenannten Bereiche des Bildungscontrolling erfolgreich umgesetzt, dann kann das eLearning-Projekt nur noch ein Erfolg für das Unternehmen / den Auftraggeber darstellen!

Profil

Jürgen Schwarz ist seit mehr als 20 Jahren in der Aus- und Weiterbildung mit dem Unternehmen ASC tätig
Zielgruppe: Schulen und Schulträger, Universitäten + Hochschulen, Behörden und Kommunen, Weiterbildungseinrichtungen, Unternehmen
Portfolio: Bildungslösungen ClassGate, SchoolGate und LearnGate, Autorensysteme, Lernplattform, Bildungscontrolling, Betrieb ganzheitlicher Bildungslösungen zum Festpreis, Content und Lerninhalte

eLearning Journal: Ist Contenterstellung nur die halbe Wahrheit, wenn es um eLearning geht? Stehen wir – allgemein gesprochen – vor dem Problem, dass der Content an Aktualität verliert und keiner merkt es?

Jürgen Schwarz: Ja, dieses Thema ist bei eLearning-Projekten als eines der wichtigsten Themen einzustufen. Wir haben Projekte in denen müssen im Content gesetzliche und formale Inhalte eingebunden und einer „regelmäßigen“ flege und Wartung unterzogen werden. Die Kosten für die Pflege von Content, können über die Jahre das drei- bis vierfache der ursprünglichen Erstellungskosten betragen und werden von den meisten eLearning–Projekten gar nicht berücksichtigt.

Ich kenne Unternehmen, die haben hunderte von Kursen, teilweise auch noch in vielen Sprachvarianten und dort wird keine Content-Pflege oder Content-Wartung betrieben. Dies erscheint mir sehr fahrlässig und kann im Nachhinein sehr viel Geld kosten, was von keinem Projektleiter budgetiert wurde! Das Urheberrecht ist ein Thema was mir sofort in den Kopf kommt und niemand bedenkt dabei, dass es sich hier nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Überall im Unternehmen werden Service-, Wartungs- oder Versicherungsverträge abgeschlossen, um das Unternehmen vor finanziellen oder juristischen Schäden zu schützen. Die konventionelle Contenterstellung erfolgt heute in der Regel auf zwei Ebenen, einer unabhängigen Erstellungsebene und einer getrennten Publikations- und Nutzungsebene. Leider haben beide Ebenen in vielen Unternehmen wirklich nichts miteinander zu tun! Dazu eine Grafik:

Deshalb haben wir für unsere Kunden das CONTENT–ANTIAGING entwickelt und bieten dieses als Lösung für unsere Content–Entwicklung an.

eLearning Journal: ASC geht mit „Content Anti-Aging“ gegen die Nebeneffekte der konventionellen Contenterstellung vor: gegen das „einfrieren“ von Inhalten, die nach Erstellung in einem LMS „herumliegen“. Was ist der Grundgedanke hinter diesem Konzept?

Jürgen Schwarz: Bei Content-Anti-Aging werden alle Lernobjekte in unserer Metadatenbank registriert und mit den vorhandenen Rechten versehen (Laufzeit, Nutzung, Klicks usw.). Beide Ebenen, die Erstellungsebene (also die Autoren) und Publikationsebene (die Nutzer) greifen auf die gleiche Metadatenbank zu. Danach können diese Objekte von Autoren in die entsprechenden Lerninhalten mit den Rechten und Lizenzen eingebunden werden. Durch diese Einbindung des Objektes aus unserer Metadatenbank in den Content entsteht eine „Beziehung“ zwischen Inhaltsobjekt und dem Autor des Lerninhaltes. Das Lernobjekt überwacht selbst „seine“ Nutzung und wird bei einem bevorstehenden „Ablauftermin“ den Autor über diesen Umstand informieren. Der Autor kann dann entscheiden, ob damit der Life-Cycle des Lerninhalt beendet ist oder ob für das / die entsprechenden Lernobjekte weitere Nutzungs- und Urheberechte erworben werden. Sollte dies der Fall sein, wird damit die Metadatenbank des LMS befüllt und der Content hält länger und ist immer aktuell. Damit haben wir den Anti-Aging-Effekt. Dazu die Grafik:

eLearning Journal: Welche Rolle spielt der Nutzer in diesem Konzept? Kann er selbst mit eingreifen und Content kontrolliert „aktualisieren“?

Jürgen Schwarz: Dies ist eher keine technische, sondern eine prozessuale oder organisatorische Frage. Das Nutzungsoder Urheberrecht könnte von jedem berechtigten Nutzer (hier ist die Frage wen der Kunde als berechtigten Nutzer einträgt) geändert werden. Da dahinter aber eine kaufmännische und evtl. juristische Abwicklung liegt gilt auch hier der Spruch „Viele Köche verderben den Brei“. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es hier sehr viel Sinn macht den Nutzerkreis einzuschränken. Der Kunde (Unternehmen, Behörden, Schulen und Medienzentren) haftet für die Einhaltung der Urheberrechte durch die Nutzer.

eLearning Journal: Was wird noch von der „Anti-Aging“-Kur für den Content erfasst?

Jürgen Schwarz: Im Unterschied zum Anti-Aging was wir aus anderen Lebensbereichen kennen, spart unser Content-Anti-Aging einem Kunden sehr viel Geld und damit einhergehend wird das juristische Risiko deutlich für den Kunden reduziert.

eLearning Journal: Wie muss man sich das ganze konkret vorstellen? Wie sähe die Umsetzung in einem Unternehmen aus?

Jürgen Schwarz: Damit unser Content-Anti-Aging umgesetzt werden kann, müssen die Lernobjekte, die zur Einzelnutzung oder in die Einbindung von Lerninhalten vorgesehen sind, in unsere Metadatenbank mit Metainformationen eingebunden werden. Dann kann der Kunde, dessen Autoren oder beauftragte Unternehmen für die Contenterstellung mit unseren Autorensystemen (z.B. author@eveready einem webbasierten Autorensystem) den gewünschten Lerninhalt erstellen und unsere Metadatenbank überwacht dann die Nutzung und die Rechte. Der Content wird dann in unserem oder einem vergleichbaren und webbasierten LMS oder CMS zur Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Und schon unterliegt der Lerninhalt einer permanenten Anti-Aging Überwachung in unserem System.

eLearning Journal: Vielen Dank für das Interview.

Kontakt

ASC Akcay-Schwarz Consulting GmbH
Ansprechpartner: Jürgen Schwarz
Am Schieferberg 13
D-65779 Kelkheim
Tel.: 0 61 95 / 98 99 000
Fax: 0 61 95 / 98 99 001
www.a-s-consulting.de


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