Der Versuch günstig und schnell Tutorials zu erzeugen

Unverhofft kommt oft, sagt ein altes Sprichwort. Und so bekomme ich eines Tages eine Anforderung für ein Tutorial auf den Tisch. Am liebsten als Videotutorial. Ok, das ist soweit kein Problem, wären da nicht einige Bedingungen an die Anforderung geknüpft. Aber wie sagt man in Ungarn: „Probleme sind getarnte Gelegenheiten“.

Ein Projektleiter aus der IT-Abteilung hätte gerne 5 Tutorials, am liebsten als Video, damit es überall problemlos läuft. Denn der Umstieg auf ein Windows 8.1 steht an. Ich denke bei mir, das ist ja mal was anderes.  Da teilt mir der Kollege mit, es wären nur 10 Tage Zeit. Aber aus organisatorischen Gründen müssten die Tutorials in 6 Tagen bereit stehen. Es handelt sich um das Pilotprojekt vor dem eigentlichen Rollout. Und es nehmen nur 180 Mitarbeiter teil. Das ist jedoch kein wirklicher Trost, denn die Arbeit ist die gleiche wie für 6000 Mitarbeiter. Pro Modul werden maximal 4 Minuten veranschlagt. Während ich überlege, welche Agentur wohl so spontan wäre, lässt der Projektleiter die letzte Bombe platzen: Es gibt leider kein Budget.

Natürlich habe ich das Projekt angenommen. Zum einen ist es immer gut, wenn man Verbündete in der IT Abteilung hat. Zum anderen wollte ich auf diese Weise eine Idee, die schon lange in mir keimte, in die Tat umsetzen: Videotutorials erstellen. Mir schwebte auch schon vor, mit welchem Tool ich dies bewerkstelligen wollte. Meine Wahl war schon vor diesem Projekt auf Camtasia Studio aus dem Hause TechSmith gefallen. Es ist relativ günstig und bietet viele Möglichkeiten.

Es ist von Vorteil, wenn man für die IT arbeitet. Innerhalb von 2 Stunden haben mir die  Kollegen einen Laptop mit dem neuen System zur Verfügung gestellt. Die aktuelle Version von Camtasia lud ich mir von der entsprechenden Website. Eine 30 Tage-Testversion. Absolut ausreichend für mein Projekt. Camtasia kannte ich aus den frühen Tagen des eLearning. Allerdings war Camtasia damals bei weitem nicht so komfortabel und performant wie heute. Erneut aufmerksam auf Camtasia wurde ich bei der eLearning SUMMIT 2013 in Berlin. Ich bin dort auf den Technology Evangelist der Firma TechSmith getroffen.

Das Problem mit der Hardware

Da ich die Videos mit Ton erzeugen wollte, brauchte ich ein vernünftiges Mikrofon. Da meine Mittel mangels Budget sehr begrenzt waren, fing ich an zu experimentieren. Das Ergebnis war erschütternd. Der Testrechner hatte weder einen Audio Eingang noch eine Anschlussmöglichkeit für ein Mikrofon. (Es leben eingebaute Mikrofone.)

Die Lösung war eine USB Soundkarte aus dem Hause Creativ für 20 Euro. Diese externe Soundkarte klingt um Weiten besser als die fest eingebaute Hardware. Also in jedem Fall ein Vorteil.  Das nächste Problem waren die Mikrofone. Entweder war der Klang schlecht oder die Mikrofone so empfindlich, dass man Umgebungsgeräusche und damit Raumhall in der Aufnahme hatte. Ich habe mir dann ein einfaches Plantronics Headset für 12 Euro organisiert. Dieses Headset dämpft die Umgebungsgeräusche und damit auch den Raumhall. Und es hat eine akzeptablen Klang.

Und Action…

So ausgerüstet, fing ich an zu produzieren. Ohne Drehbuch. Denn die Zeit war knapp. Aber obwohl ich meist intuitiv mit einer Software umgehen kann, brauchte es Zeit zum Eingewöhnen. Auch wenn Camtasia Studio einfach zu bedienen ist, bleiben einem die vielen Besonderheiten und Funktionen auf dem ersten Blick verborgen.

Dieses Zubehör reicht aus.
Camtasia Studio in Aktion.

Und so habe ich die eine oder andere Sequenz mehrfach gedreht. Der Lerneffekt ist in jedem Falle enorm. Vielleicht entwickle ich daraus irgendwann einmal eine neue Lernform.

Aber Spaß beiseite. Der Verzicht auf ein Drehbuch erwies sich als Bumerang. Ich habe die Videos eingespielt und dabei direkt den Text gesprochen. Ich halte dies für kein wirkliches Problem. Aber wenn man im Vorwege die Abfolge nur im Kopf hat, kommt man leicht vom gedachten Weg ab. Aus vielen Gesprächen mit anderen „eLearnern“ weiß ich inzwischen, dass ich nicht der Einzige bin, der zuweilen oder häufiger ohne Drehbuch arbeitet.

Keine Aufnahme ohne Drehbuch oder Skript


Ich habe dann irgendwann angefangen, ein einfaches Skript zu schreiben. Das Skript enthielt den groben Ablauf und Besonderheiten, die angesprochen werden sollten. Damit konnte ich gut arbeiten. Mein Tipp: Groß schreiben. Dann kann man bei der Aufnahme mit einem kurzen Blick erfassen, was als nächstes kommt.

Und irgendwann war ich fertig. Dachte ich. Aber irgendwer hatte die grafische Oberfläche eines unserer Tools geändert. Neues Design, neue Texte – eine komplett neue Oberfläche. Nach einigem Überlegen habe ich versucht, in Camtasia einen Screenshot von der aktuellen Oberfläche über das gefilmte Tool zu legen. Dabei hatte der Screenshot die gleiche Auflösung wie das Video. Nach ein paar Minuten hatte ich ein Video mit dem aktuellen Tool. Das war der Moment, in dem ich Camtasia endgültig ins Herz geschlossen habe. Und so habe ich tatsächlich kurz vor dem  geplanten Termin das letzte Video fertig gestellt. Die Videos habe ich in 1:1 Darstellung und in HD produziert, denn Runterrechnen kann man immer.
 
Erfahrungen

  • Ich habe bei diesem Projekt alle Texte selber gesprochen. Authentisch sind die Tutorials auch, wenn sie von Mitarbeitern aus den Fachabteilungen gesprochen werden. Man muss den Kollegen aber dabei zu Seite stehen. Und auch Dialekte sind bei uns gut angekommen.
  • Trotz der sehr schnellen Produktion sind ansprechende Videos entstanden. Da die 5 Videos prominent im Intranet veröffentlicht wurden, haben andere Abteilungen Interesse bekundet. Die Nachfrage nach Videotutorials steigt.
  • Die kurze und schnelle Produktionszeit ist ideal für kurzlebige Inhalte, die bei uns vermehrt vorkommen. Auch zum „Nachschlagen“ eignen sich kurze Videotutorials ausgezeichnet.
  • Ein kleines (Live-) Bild vom Moderator in einer Ecke des Videos findet Anklang.
  • Der Projektleiter aus der IT hat mir Camtasia gesponsert. Mittlererweile habe ich mehrere Projekte mit ihm gemacht. Kauft man Camtasia, so erhält man für ca. 260 Euro ein Tool mit sehr vielen Möglichkeiten. Man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen.
  • Ein Drehbuch ist immer hilfreich.

DER AUTOR

Jörg Dietz

Ich bin verantwortlich für die End-to-End Produktionen von eLearning-Inhalten. Dazu gehören Web Based Trainings, Blended Learning, Pod- und Videocasts und multimediale Trainingsunterlagen. Zu meinen weiteren Aufgaben gehören die Projektleitung und Agentursteuerung sowie die Sicherstellung und Erhöhung der Beratungsqualität aller Zielgruppen innerhalb des Unternehmens. Meine heimliche Liebe ist allerdings das Entwickeln und Einführen neuer multimedialer Lernformen. Dazu gehören auch neue Methoden bei Audio- und Videocasts.

KONTAKT

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Jörg Dietz
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