Mit Bildungsmanagement die betriebliche Bildung professionalisieren

Damit die betriebliche Bildung die Unternehmensziele bestmöglich unterstützen kann, braucht es in der Regel eine längerfristige Strategie, in der Lern- und Kompetenzbedarfe erkannt und durch entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen abgedeckt werden. Damit die längerfristigen Ziele nicht im alltäglichen Gezerre um Kosten, Verantwortungen und Fristen untergehen, braucht es ein erfolgreiches Management von Bildung. Wie Bildungsmanagement erfolgsversprechend in die Praxis umgesetzt werden kann, behandelt der Vortrag von Erich R. Unkrig von der Areva GmbH im Kongress der LEARNTEC 2016.

eLearning Journal: Guten Tag Herr Unkrig. Können Sie zunächst Ihren Tätigkeitsbereich in Ihrem Unternehmen kurz vorstellen?

Erich R. Unkrig: Wenn Sie unseren unternehmerischen Kontext anschauen, dann gibt es Ihnen einen tiefen Einblick in das, was uns im People Development in den letzten Jahren und in 2016 umtreibt. Die gravierenden Marktveränderungen im energietechnischen (Groß-)Anlagenbau und eine damit verbundene Stagnation bzw. ein teilweiser Rückgang von Aufträgen (Workload) sowie die laufende Übernahme durch einen oder mehrere neue Shareholder beschreiben den Rahmen, dem sich unsere Areva GmbH stellen muss. Je stärker sich diese Bedingungen weiterentwickeln und in ihrer Wirkung konkretisieren, umso mehr müssen sich nicht nur die Organisation als Ganzes, sondern alle Mitarbeiter, die Führungskräfte und das Management an das „Neue“ anpassen und situativ verändern, um in den Märkten der Zukunft erfolgreich zu sein.

Planung, Konzeption, Umsetzung sowie die Evaluierung von Kompetenz fördernden Produkten und Dienstleistungen für AREVA in Deutschland sowie projektbezogen für den AREVA Konzern ist Zweck unserer unternehmerischen Funktion People Development. Alle Aktivitäten dienen grundsätzlich nur einem Ziel, nämlich die Kompetenzen von Mitarbeitern, Führungskräften und Organisationseinheiten zu fördern, zu stärken und analog zur Unternehmens- und Marktentwicklung weiter nach vorne zu bringen. Und dies, um einen signifikanten Beitrag zum Unternehmenserfolg wie auch zum Erfolg der Mitarbeiter zu leisten. Unsere Dienstleistungen selbst orientieren sich konsequent an den Strategien der AREVA Gruppe, ihrer deutschen Business Units wie auch deren Geschäftsfeldern. Kompetenzentwicklung ist insoweit ein integrierter Prozess über Abteilungen und Business-Units hinweg. Kompetenz-entwicklung ist insoweit ein integrierter Prozess über Abteilungen und Business-Units hinweg. Kernaktivitäten liegen dabei insbesondere in den Prozessen Integrations- und Transformationsmanagement, Performance- und Talentmanagement sowie in den Prozessen der qualitativen Personal-, Bildungs-  und Nachfolgeplanung.

eLearning Journal: In Ihrem Vortrag auf der LEARNTEC 2016 wird es um das Thema „Bildungsmanagement“ gehen. Was muss man sich darunter vorstellen?

Erich R. Unkrig: Management von Bildung ist nach unserem Verständnis nicht nur ein unverzichtbares Handlungs- und Arbeitsfeld in der Unternehmensführung, sondern auch integrierter Prozess in allen personalentwickelnden und organisationsverändernden Prozessen. Hier geht es darum, bereits frühzeitig die genannten Lern- und Kompetenzentwicklungsprozesse in unterschiedlichen Kontexten zu analysieren und zu planen, sie dann „just-in-time“ durchzuführen, in den Prozessphasen zu bewerten (Input-, Verlaufs-, Output- und Transfer-Controlling) und auf dieser Grundlage mit Augenmaß und Konsequenz systematisch an die Notwendigkeiten anzupassen bzw. zu verbessern. Insoweit gehört es dazu, abgeleitet aus der Strategie die übergreifenden Bildungs- und Qualifikationsziele festzulegen, Strukturen zur Durchsetzung dieser Ziele sicherzustellen, sie in konkrete Maßnahmen umzusetzen und sowohl die Effizienz wie auch die Effektivität (und damit den unternehmerisch relevanten Erfolg) abzusichern. Dass unternehmerischer Erfolg sowohl den Erfolg jedes/r Einzelnen als auch der Teams beinhaltet, versteht sich nach meiner Auffassung von selbst.

eLearning Journal: Welche Mehrwerte bietet Bildungsmanagement für Unternehmen bei neuen Bildungsprojekten?

Erich R. Unkrig: Bildungsmanagement ist als wichtige Facette der Professionalisierung von Bildungsprozessen ein Mehrwert für alle Interessensgruppen (Stakeholder). Auch würde ich Bildungsmanagement nicht auf neue Projekte reduzieren; es macht durchaus Sinn, bei entsprechender „Einsicht in die Notwendigkeit“ bereits laufende Projekte einzubeziehen oder ggf. nachzuarbeiten.

Wie kurz angesprochen leitet ein professionelles Bildungsmanagement die betrieblichen Lern- und Bildungsprozesse vorrangig aus dem unternehmerischen Nutzen ab. Da es dabei vor allem um Lern- und Bildungsbedarfe von einzelnen MitarbeiterInnen und Mitarbeitergruppen geht, sind sowohl unternehmens- als auch persönlichkeitsbezogene Ziele und Interessen zu berücksichtigen.

Darüber hinaus bietet es wichtige Optionen für den individuellen Anspruch an Beschäftigungsfähigkeit (=Employability) in sich immer schneller wandelnden Kontexten und fordernden Kundenerwartungen. Last but not least der Fokus „Demografie“: In enger werdenden Arbeitsmärkten kann ein ganzheitliches Bildungsmanagement sich generationenübergreifendes Lernen auf die Agenda setzen und so „Katalysator“ sein, dass Jüngere und Ältere voneinander, miteinander und/oder übereinander lernen.

Der „added value“ ist insoweit die Schaffung von Passung von berechtigten individuellen als auch kollektiven Bildungsbedarfen mit den unternehmerischen Bildungsnotwendigkeiten und den Kundenerwartungen an das Produkt oder die Dienstleistung.

eLearning Journal: Welche Rolle spielen insbesondere Budget und Kosten?

Erich R. Unkrig: Bildungskosten sind Gemeinkosten und gehören damit zu den Aufwendungen, die recht schnell - wenn für den Kaufmann nicht nachvollziehbar begründet - zur Disposition gestellt werden.  Um nicht in dieses „Fettnäpfchen“ zu treten, werden als Teil der strategischen Planung beispielsweise Budgets mit den (Kostenstellen-) Verantwortlichen abgestimmt und mit Zielen wie auch KPI (Key Performance Indicator / Leistungsindikator) kombiniert.  Entscheidend ist hierbei die Wirkung der Investitionen auf die Unternehmensleistung. Heißt: Auch wenn budgetiert, sind die Aufwendungen in ihrer Wirksamkeit für den individuellen wie auch unternehmerischen Erfolg zu überprüfen. Plakativ gilt hier der „alte“ Managementgrundsatz „Wir machen die richtigen Dinge und machen diese auch richtig!“. Wenn dies einigermaßen berücksichtigt ist und ein ROCD (Return on Competence Development) nachvollziehbar erläutert werden kann, dann ist qua „Amortisation der Investition“ das Kostenthema in der Regel kein Stolperstein. Irgendjemand hat gesagt: Wenn Sie meinen, dass Bildung Geld kostet, dann versuchen Sie es mal ohne! Das sollte uns bei der Diskussion über Kosten und Budgets zu denken geben.

eLearning Journal: Was sollte nach Ihrer Erfahrung im Bildungsmanagement beachtet werden, um erfolgreich zu sein?

Erich R. Unkrig: Die Kompetenz der Mitarbeiter/ -innen ist der kritische Erfolgsfaktor und wichtiges Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb. Investitionen rechnen sich nur, wenn vom Wissenserwerb alle, Unternehmen, Mitarbeiter/innen und Kunden profitieren. Dafür ist - wie bereits angesprochen - die Einbindung des Bildungsmanagements in alle Managementaktivitäten zwingend erforderlich. Darüber hinaus steigern qualifizierte Mitarbeiter/ -innen die Produktivität, bringen bessere Leistungen, sind motivierter und in höherem Maße dem Unternehmen verbunden. Entscheidend und nach meiner Wahrnehmung noch viel zu wenig im Bewusstsein: Führungskräfte sind der erfolgskritische Faktor nachhaltiger Bildungsarbeit. Denn sie bilden mit ihrem Input bei der Identifizierung von Lernbedarf wie auch Kreation eines den Lerntransfer fördernden Umfelds die wesentliche Klammer um die Lernaktivität(en) als solche. Und „am Ende des Tages“ sind sie Promotoren und Fürsprecher für die Bildungsaktivitäten, von denen sie selbst und/oder für ihre Zielerreichung profitiert haben.

eLearning Journal: Zum Abschluss: Warum sollte man Ihren Vortrag auf der LEARNTEC 2016 auf keinen Fall verpassen?

Erich R. Unkrig: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“ Insoweit ist das Thema eines, in dem man etwas von unserer Praxis (kennen-)lernen und für die eigene Situation bewerten kann. Und auf jeden Fall einen Lernerfolg hat, und zwar im Sinne von „Eine Praxis, die auch für meine Situation und mein Unternehmen passt.“ Oder „Interessant, aber für mich nicht passend.“ Ich erwarte allerdings eher den Trend zu ersterem. Denn als langjähriger „TOP-Arbeitgeber“, als Exzellenzunternehmen im Bildungs- und Talentmanagement und als Preisträger des Deutschen Bildungspreises 2015 können wir ja nicht alles „verkehrt“ machen. Oder!?

 



Vortrag: Bildungsmanagement: Administrative Pflicht oder unternehmerische Kür?
Referent: Erich R. Unkrig, AREVA GmbH
Ort: Messe Konferenz Center | Konferenzraum 4/5
Zeit: Donnerstag | 28.01.2016 | 16:00-16:45 Uhr

KONTAKT

AREVA GmbH

Ansprechpartner:
Erich R. Unkrig
Head of People Development & Deputy VP Human Resources

erich.unkrig(at)areva.com
www.areva.com


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