Mit Stakeholdermanagement die Akzeptanz von eLearning erhöhen

Warum scheitern eLearning-Projekte? Ein wichtiger Baustein zur Beantwortung dieser Frage kann fehlendes oder mangelhaftes Stakeholdermanagement sein. Denn werden wichtige Stakeholder, wie beispielsweise Trainer oder die Lerner, bei der Konzeption und Produktion von eLearning-Szenarien nicht beachtet, dann kann es schnell zu Widerständen und Akzeptanzproblemen kommen. Wie erfolgreiches Stakeholdermanagement aussehen kann und wie relevante Stakeholder bestmöglich berücksichtigt werden können, behandelt der Vortrag von Ingo Schneider von der Union Investment Service Bank AG auf der LEARNTEC 2016.

eLearning Journal: Guten Tag Herr Schneider. Können Sie zunächst sich und Ihren Tätigkeitsbereich in Ihrem Unternehmen kurz vorstellen?

Ingo Schneider: Ich leite seit Dezember 2014 die Gruppe Business Performance in der Abteilung Segmentsteuerung und –entwicklung Fondsdienstleistungen, dem Back- und Middleoffice-Segment von Union Investment. Die Aufgabe meiner Gruppe ist die Steuerung und Weiterentwicklung des Trainings-, Coaching- und Wissensmanagements für ca. 700 Mitarbeiter. Der Fokus liegt auf der fachlichen Weiterbildung der Mitarbeiter, welche ein Team aus zu Fachtrainern ausgebildeten Mitarbeitern durchführt.

Hier hat sich die Geschäftsführung neue Impulse gewünscht, wobei der erste durch meine Einstellung gegeben wurde. Erfahrungen im Bereich Trainingsmanagement habe ich als Aus- und Weiterbildungsleiter bei Lidl erworben, nachdem ich dort bereits als Verkaufsleiter tätig und zuvor Offizier bei der Bundeswehr war.

eLearning Journal: In Ihrem Vortrag auf der LEARNTEC 2016 wird es um das Thema „Stakeholder-Management“ gehen. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Ingo Schneider: Unter Stakeholdern verstehen wir all diejenigen Personen oder Gruppen, die von einem Thema direkt oder indirekt betroffen sind, bzw. für die es eine erhöhte Relevanz hat. Stakeholder-Management bezeichnet entsprechend den erfolgreichen Umgang mit diesen Personengruppen. Obwohl das einfach klingt, weiß jeder, der schon einmal Projekte geleitet hat, wie herausfordernd es sein kann, verschiedene Interessen auf einen Nenner zu bringen, so dass jeder das Gefühl hat, sein Interesse wurde berücksichtigt.

eLearning Journal: Welche Rolle spielt Stakeholder-Management Ihrer Erfahrung nach beim Erfolg oder Misserfolg von (eLearning-)Projekten?

Ingo Schneider: Es spielt eine ganz zentrale Rolle, weswegen ich es in den Fokus meines Vortrags rücke: Egal in welcher Position sie einem begegnen – hinter all den Gruppen und Interessen stehen Menschen mit ihren eigenen Vorstellungen, Wünschen oder Ängsten. Deshalb sind es nicht technische oder organisatorische Prozesse, welche letztlich bei Veränderungsprozessen entscheiden, sondern, ob alle Beteiligten an den Wandel glauben und sich gerne mit den Neuerungen beschäftigen. Angefangen von meiner eigenen Gruppe, die ich in weiten Teilen zunächst erstmal im Bereich eLearning weiterqualifizieren musste, hin zu allen anderen Beteiligten.

Das können sie jedoch nur, wenn man alle Stakeholder identifiziert und man sich ausgiebig mit ihren Wünschen und Bedürfnissen auseinandersetzt – eben Stakeholder-Management betreibt. Das Interessante ist, dass dieses Thema in Projekten oft wenig Aufmerksamkeit erfährt. Das möchte ich mit dem Vortrag ändern.

eLearning Journal: Was sind in der Regel die wichtigsten Stakeholder, die bei der Planung und Durchführung von eLearning beachtet werden müssen? Welche Rolle spielen insbesondere die Lerner?

Ingo Schneider: Die lernenden Mitarbeiter sind natürlich die primäre Zielgruppe, für die wir neue Methoden und Rahmenbedingungen gestalten. Man sollte jedoch nicht außer acht lassen, dass der Weg vom eLearning-Anbieter zum Empfänger durch die Interessenbereiche verschiedener anderer Personengruppen führt: Führungskräfte wollen zunächst möglichst wenig Ressourcen für das Lernen bereitstellen, Trainer fürchten ihre Abschaffung durch eLearning und Betriebsräte wollen die Mitarbeiter vor möglichen Nachteilen schützen. Schließlich haben möglicherweise auch die Mitarbeiter Vorbehalte, insbesondere wenn komplexe Technik beteiligt ist. All diese Gruppen müssen ins Boot geholt werden, bevor eLearning-Konzepte im Unternehmen funktionieren können. Ihr Wille entscheidet in der Summe, ob ein Prozess funktioniert – oder eben nicht.

Erst wenn dieser Rahmen gegeben ist, kann man von einer „digitalen“ Lernkultur sprechen, also einer Unternehmenskultur, in der dem Thema offen begegnet wird, Mitarbeiter flexibel lernen dürfen, proaktiv lernen wollen und die digitale Weiterbildung nicht nur eine aufgezwungene Methode ist. Dem geht ein langwieriger und komplexer Veränderungsprozess voraus. Die Herausforderung bei der Einführung von eLearning ist demnach nicht die Bereitstellung von Software.

Erst wenn dieser Rahmen gegeben ist, kann man von einer „digitalen“ Lernkultur sprechen, also einer Unternehmenskultur, in der dem Thema offen begegnet wird, Mitarbeiter flexibel lernen dürfen, proaktiv lernen wollen und die digitale Weiterbildung nicht nur eine aufgezwungene Methode ist. Dem geht ein langwieriger und komplexer Veränderungsprozess voraus. Die Herausforderung bei der Einführung von eLearning ist demnach nicht die Bereitstellung von Software.

eLearning Journal: Wie können verschiedene Stakeholder Ihrer Erfahrung nach bestmöglich in einem eLearning-Projekt berücksichtigt werden?

Ingo Schneider: So naheliegend es klingen mag: Am wichtigsten beim Umgang mit allen Stakeholder-Gruppen ist gutes Selbstmarketing einerseits und vor allem eine offene, transparente Kommunikation andererseits. Die Einführung von eLearning sollte zum Ziel haben, Vorteile für das Unternehmen und die Mitarbeiter zu schaffen und das muss vermittelt werden. Idealerweise harmonisieren die verschiedenen Interessen letztlich dann auch.

Was die Kommunikation angeht, müssen alle Beteiligten früh einbezogen werden und ihre spezifischen Wünsche und Fragen berücksichtigt und ernst genommen werden. Immerhin sind es die Führungskräfte, die entscheiden, ob sie ihre Mitarbeiter flexibel für Lernphasen freistellen, die Trainer, ob sie die neuen Methoden umsetzen und die Betriebsräte, welche die neue Art des Lernens gutheißen müssen – nicht zu vergessen die Mitarbeiter, die es letztlich anwenden müssen. Daher sollte man den Dialog fördern, Vorteile betonen wo immer es geht, praktische Beispiele geben, die Stakeholder in Planungen einbeziehen. Oft reicht das, um viele Ängste auszuräumen, die auf unrealistischen Vorstellungen beruhen, oder zunächst entgegengesetzte Positionen miteinander zu versöhnen.

Kommt man mal nicht weiter, muss man jedoch auch kompromissbereit sein. Das zeigt, dass man es ernst meint mit partnerschaftlichem Einbeziehen und den erstrebten Vorteilen für alle.

eLearning Journal: Welche Erfahrungen hat das Segment Fondsdienstleistungen mit Stakeholder-Management gemacht?

Ingo Schneider: Grundlage für den Vortrag sind die Erfahrungen, die wir seit dem letzten Jahr bei der segmentweiten Einführung und Weiterentwicklung von eLearning gesammelt haben und die Lektionen, welche wir gelernt haben. Diese wollen wir gerne weitergeben. Zwar gibt es im Unternehmen bereits Web Based Trainings zu Themen wie Compliance oder Gleichstellung, jedoch keine breite und regelmäßige Nutzung eines Lernmanagementsystems, mit dem wir unsere Trainings nun unterstützen. Daher können wir uns nicht auf interne Erfahrungen stützen und mussten unseren eigenen Weg finden.

Das Interessante ist also, dass wir keinen Katalog an Musterlösungen anbieten wollen, da wir selbst noch im Prozess der eLearning-Einführung sind. Wir haben bereits viel erreicht: Die Grundlage ist gelegt und wir beginnen nun mit der Umsetzung. Daher möchte ich vielmehr aus dem Prozess heraus einige Tipps weitergeben, die das Stakeholder-Management betrifft und dabei die Aufmerksamkeit auf dieses Thema überhaupt lenken.

eLearning Journal: Zum Abschluss: Warum sollte man Ihren Vortrag auf der LEARNTEC 2016 auf keinen Fall verpassen?

Ingo Schneider: Den Vortrag sollte man nicht verpassen, weil wir als Unternehmenssegment das Thema eLearning innerhalb eines Jahres konsequent weiterentwickelt und vorangetrieben haben. Dabei haben wir viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ich gerne an interessierte Kollegen in der gleichen Situation weitergeben möchte.

Aber natürlich möchte ich auch auf die Tücken eingehen, die ein solcher Prozess mit sich bringt. Vielleicht erkennt sich auch der ein oder andere Kollege in unserem Beispiel wieder, was oft auf dem eigenen Weg hilft. Doch eines vorweg: Die wichtigste Erkenntnis ist sicher, dass man Dinge oft einfach mit Humor nehmen muss.

Vortrag: Wandel der Lernkultur: Stakeholder-Management als wichtiger Erfolgsfaktor für erfolgreiches eLearning
Referent: Ingo Schneider, Union Investment Service Bank AG  
Ort: Messe Konferenz Center | Konferenzraum 4/5
Zeit: Dienstag | 26.01.2016 | 16:45 - 17:30 Uhr

KONTAKT

Union Investment Service Bank AG

Ansprechpartner:
Ingo Schneider
Gruppenleiter Business Performance

ingo.schneider(at)union-investment.de
www.union-investment.de


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