LEARNTEC 2016 präsentiert eLearning-Neuheiten

Drei Tage lang steht auf der LEARNTEC in Karlsruhe wieder das Lernen mit IT im Vordergrund. Ein großes Trendthema wird in diesem Jahr Learning Analytics sein, womit Lerner stärker individuell unterstützt werden können und damit insbesondere für Unternehmen großes Potential verspricht. Auch bei etablierten Themen wie Mobile Learning bietet die LEARNTEC wieder die neuesten Trends.

„Zukunft Lernen: Lernkultur digital“ lautet das Motto des Kongresses, der im Rahmen der 24. LEARNTEC vom 26. bis 28. Januar 2016 in der Messe Karlsruhe stattfinden wird.

Auch in diesem Jahr thematisiert der Kongress wieder spannende Fragen: Wie erwerben und managen wir Wissen im Zeitalter von Industrie 4.0? Können Innovationen wie adaptive Lernsysteme helfen, die Lernerfahrung zu verbessern? Lernen wir zukünftig mehr individuell oder eher kollaborativ? Auf diese und ähnliche Fragen liefern ausgewählte Experten über 3 Tage hinweg wieder praxisrelevante Antworten.

Auf der LEARNTEC können sich die Besucher mit Experten der Branche austauschen und sich zu den vielfältigen Themenfeldern des Einsatzes von digitalen Medien im Lernprozess informieren. Über 200 Aussteller auf insgesamt 12.000 Quadratmetern sind auch in diesem Jahr wieder auf der LEARNTEC vertreten.

Mobile Learning – Bedeutung des Trendthemas ist auch auf der LEARNTEC 2016 ungebrochen

Mobile Learning ist der Trend im Bereich Online-Weiterbildung: „Mehr als die Hälfte aller Deutschen lernt mit Tutorials aus dem Bereich Wissen und Bildung“, erklärt Jörg Wachsmuth, Leiter Marketing und Vertrieb bei e-doceo Deutschland. Mit seiner Video-App Skillcatch lernen Mitarbeiter informell und damit nachhaltiger als in Präsenzseminaren. Zudem können User die Tutorials direkt in ihr eigenes Learning Content Management System übertragen. So wird Wissen zentral gespeichert und bleibt im Unternehmen.

Dass Apps mehr sind als eine Spielerei für Smartphones und Tablets, zeigt Patrick Hypscher in seinem Vortrag „Mit Mobile Apps Lerntransfer und Verhaltensänderungen fördern“ (28. Januar, Anwenderforum). Denn was bei Ernährung und Sport funktioniert, lässt sich auch für die Weiterbildung nutzen. Damit schlägt der Geschäftsführer von Skill Hero eine Brücke zwischen Präsenz- und Online-Lernen: Seine Smartphone-Apps unterstützen die Teilnehmer vor, während und nach den Seminaren.

 

Hoher Besucherandrang auf der LEARNTEC 2015. (Quelle: KMK/BEHRENDT&RAUSCH)

Die einfachste Zielgruppe sind Jugendliche – sie nutzen Apps so selbstverständlich wie frühere Generationen ihre Schulbücher. „Eine Klasse hat zum Beispiel eine geschlossene Gruppe auf WhatsApp und teilt dort Hausaufgaben, Termine und Noten“, erläutert Gerrit Heims, Projektmanager bei Edyou. Das Web 2.0 bietet somit neue Möglichkeiten der Schulentwicklung. Problematisch ist jedoch der Datenschutz, denn seit WhatsApp zu Facebook gehört, wissen weder Schüler noch Lehrer, welche Daten gesammelt, gespeichert und an Dritte weitergegeben werden. Um die Grenzen zwischen dienstlichen und privaten Angelegenheiten nicht zu durchstoßen, verbindet die Plattform Edyou die Kommunikation mit hohem Datenschutz.

Noch konkreter wird es im Kongress: Dort können sich die Teilnehmer am 26. Januar Beispiele von Mobile Learning-Lösungen in Unternehmen anschauen – in einem deutschsprachigen Vortrag zum Einsatz bei Samsung und einem englischsprachigen zum Fremdsprachentraining bei E.ON. Die Herausforderung liegt nicht mehr in der technischen Umsetzung – sie ist bereits State-of-the-Art. Vielmehr geht es heute um die Einbindung in bestehende Weiterbildungskonzepte und die Akzeptanz seitens der Mitarbeiter – kurz: um einen Kulturwandel.

Auch die Haufe Akademie weiß um die Bedeutung einer nachhaltigen Lernkultur: „Mit unseren digitalen Lösungen ergänzen wir die Personalentwicklungsmaßnahmen von Unternehmen in der Breite und begleiten sie bei der Erreichung wichtiger Qualifizierungsziele und der Etablierung einer nachhaltigen Lernkultur“, sagt Peter Miez-Magold, Bereichsleiter E-Learning Solutions bei der Haufe Akademie, die in diesem Jahr Partner der LEARNTEC ist.

Wie wichtig ein Kulturwandel ist, erklärt Dr. John Traxler, Professor an der University of Wolverhampton (UK), in seinem englischsprachigen Kongress-vortrag „Mobile Learning Culture“ am 26. Januar. Seinen kritischen Blick richtet er vor allem auf Regionen, in denen der Zugang schwierig oder teuer ist. Damit sind nicht nur die ärmeren ost- und süd-europäischen Länder gemeint. Auch in Deutschland gibt es noch zahlreiche weiße Flecken, die das Online-Lernen erschweren. Gunnar Franke vom TÜV Rheinland Consulting berichtet am 26. Januar im Kongress darüber, wie schnell der Mobilnetz- und Breitbandausbau voranschreitet und wann mit einem flächendeckend schnellen Internet und einer hohen Netzqualität für alle zu rechnen ist.

„Die zunehmende Digitalisierung ändert die Art, wie wir heute und in Zukunft leben, lehren und arbeiten“, sagt Sünne Eichler, Mitglied im Kongresskomitee der LEARNTEC. Daher steht der 24. LEARNTEC-Kongress unter dem Motto „Zukunft Lernen: Lernkultur digital“.

Eröffnung der 23. LEARNTEC durch Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH. (Quelle: KMK/BEHRENDT&RAUSCH)

Die Lernkultur ist von mehr Flexibilität und Personalisierung der Angebote, aber auch von mehr Selbstverantwortung für das Ergebnis gekennzeichnet: „Das bedeutet einen Kulturwandel für Lerner, Trainer und die gesamte Organisation.“ Prof. Dr. Peter A. Henning, ebenfalls Mitglied im Kongresskomitee, bestätigt: „Mobile digitale Endgeräte sind kein technischer Schnickschnack mehr, sondern haben sich zu einem wichtigen Bestandteil unserer Kultur entwickelt.“ Er versteht Lernen mit IT nicht nur als Frage der Technik, sondern beobachtet die Trends beim Lernen sehr genau.

Welche Rolle spielt Spaß beim Lernen?

„Happy Learning to you! Das wünschen wir jedem, der sich mit Lernen beschäftigt“, sagt Dr. Patrick Blum, Geschäftsführer der Inside Unternehmens-gruppe. Ob E-Learning, Blended Learning oder Performance Support – die Faustformel lautet: Nutzen x Motivation x Qualität. Oder etwas detaillierter: Happy Learning existiert dann, wenn es einen sichtbaren Nutzen für das Unternehmen und den Lerner spendet, die Motivation über die gesamte Zeit hoch ist und die Qualität stimmt.

Sünne Eichler freut sich, dass bei der Content-Entwicklung wieder mehr Wert auf Kreativität gelegt wird – sei es durch die Einbindung von Gamification und Serious Games oder durch den Einsatz von Bildern und Videos: „Wir müssen beim Lernen nicht nur den Kopf, sondern auch das Herz erreichen, daher ist das Thema Emotionen, Spaß und Kreativität auch ein wichtiges Thema auf der LEARNTEC.“

Auch die Know How! AG hat den Nutzen von Gamification erkannt: „Die User setzen sich mit Inhalten aus ihrem beruflichen Umfeld in einem spielerischen Kontext auseinander“, sagt Vorstand Martin Kundt. Daher hat das Unternehmen mit „Quiz Champ“ eine App entwickelt, bei der die User Wissensduelle mit Kollegen führen können. Eine Statistik zeigt jedem Spieler auf, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Die Einsatzgebiete sind vielfältig: von Übungen für Azubis über den Wissenstransfer zu einem Software-Rollout bis hin zur Vermittlung von Compliance-Inhalten.

Wie wichtig die Freude am Lernen ist, erläutert Dr. Roman F. Szeliga in seiner Keynote am 28. Januar: Unter dem Titel „Humor – der Powerfaktor für Innovation – quergelacht & quergedacht“ plädiert er für mehr Humor, Perspektivwechsel und kreative Ideen. Prof. Dr. Peter Henning möchte das Thema dagegen nicht darauf begrenzt sehen, Lernen spielerischer zu machen, sondern fragt grundlegend, was Emotionen beim Lernen bewirken können. Dafür ist eine ganze Kongresssektion eingeplant.

Besonders viel Sinn für Humor beweist Jürgen Kaube, Mitherausgeber der FAZ und Ludwig-Börne-Preisträger 2015, mit seiner Keynote am 26. Januar: „Lesen. Schreiben. Rechnen. Was ist das?“ Denn eine solche Frage erwartet der Besucher nicht auf einer Fachmesse. Der Kongress behandelt eine Vielzahl von Themen, die sich mit der Einordnung des E-Learnings in diesen kulturellen Umschwung befassen. „Wir erlauben uns also auch einen kritischen Blick auf die Digitalisierung, etwa mit einer Podiumsdiskussion am zweiten Messetag“, so Prof. Dr. Henning.


Vortrag im Klassenzimmer auf der LEARNTEC. (Quelle: KMK/BEHRENDT&RAUSCH)

Mit Learning Analytics gezielt die Lerner unterstützen

Bei allem Spaß darf man die Effizienz nicht aus den Augen verlieren: Learning Analytics zeigen den Unternehmen, ob sie bei ihren Weiterbildungsstrategien auf dem richtigen Weg sind. Im Kongress demonstriert der Biomarkt denn‘s, wie Learning Analytics in der Praxis aussehen können. Ein englisch sprachiger Vortrag über das EU-Projekt LACE gibt einen Ausblick auf Performance Support und Learning Analytics bis 2020. „Digitale Lösungen tragen dazu bei, Unternehmen zukunftsfähig zu machen“, erklärt Miez-Magold von der Haufe Akademie, „als Enabler unterstützen wir Unternehmen dabei, diese Möglichkeiten für sich und ihre Zukunft zu nutzen.“

Das Prinzip: Auf Basis unterschiedlicher Nutzerdaten und mit Hilfe von Learning Analytics spricht das System eine Empfehlung für den Lerner aus. Und zwar hinsichtlich geeigneter Inhalte und bevorzugter Formate. So wird Lernen individueller und auf die spezifischen Bedarfe zugeschnitten. „Da sind wir aber noch in einem Entwicklungsprozess, welche Daten und Erkenntnisse helfen, das optimale Lernkonzept zu gestalten“, räumt Eichler ein.

Diesem lehrerzentrierten Ansatz steht ein gegenläufiger Trend gegenüber. Lernen erfolgt demnach kollaborativ, selbstorganisiert, eigenverantwortlich und innerhalb der Peer-Group. Hier werden Lehrer- und Lernerrolle vermischt. „Lerner können ihre Lernprozesse selbst in die Hand nehmen und mehr Selbstverantwortung übernehmen“, resümiert Frau Eichler.

Bei der Analyse darf man jedoch die Datenmenge nicht unterschätzen: Big Data eignet sich oft nur für Big Companies. „Zudem sollten Daten zum individuellen Lernprozess Eigentum des Lernenden bleiben und nicht systemweit verwendet werden“, findet Beate Bruns, Geschäftsführerin von Time4you. Dass Mitarbeiter im privaten Bereich sehr freizügig mit ihren persönlichen Daten umgehen, dürfe nicht automatisch ins Unternehmensumfeld übertragen werden, da man dort einem Gruppenzwang ausgesetzt ist.

Die Vor- und Nachteile von Learning Analytics werden auch im Kongress beleuchtet. „Hier ist aber noch viel grundlegende Forschung nötig“, betont Prof. Dr. Henning. Die Kernfrage lautet, welche Schlüsse sich aus den gesammelten Daten ziehen lassen. „Bis auf wenige Fälle ist diese Frage bisher nicht beantwortet.“



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