Make or Buy? - eLearning-Content selber machen oder doch einkaufen

Dieser Beitrag beschreibt die Situation bei der Auswahl von modernen, online-basierten Lerntechnologien, also eLearning Produkte, wie z.B. web-basierte Trainingseinheiten, die zielorientiert beschafft werden und sich in ein Gesamtlernkonzept (evtl. Blended Learning) oder in eine Trainingsstrategie integrieren sollen. Zahlreiche offen gestellte Fragen sollen hier zu einer Selbstbeantwortung anregen.

Die Ausgangssituation

Immer wieder kommt der Punkt bei der Planung von eLearning-Projekten, an dem die Frage auftaucht:

Erstellen wir die Online-Lerneinheit selbst oder kaufen wir ein fertiges eLearning-Produkt auf dem Markt ein?

Bevor diese Frage beantwortet werden kann, sollten zunächst die folgenden zwei Punkte klar definiert sein:

1. das Lernziel und

2. die Zielgruppe.

Aus diesen beiden Punkten ergeben sich schon häufig zumindest Teilantworten zu der obigen Ausgangsfrage.

Das Lernziel

Kann das Lernziel mit einem kommerziellen Lernangebot überhaupt erzielt werden oder ist das Lernziel nur mit einem individuellen Inhalt zu erreichen?

Damit entscheidet sich, ob eine Orientierung am Markt der Online-Trainingsangebote aussichtsreich ist. Das Online-Lernangebot insgesamt ist heute sehr umfangreich und erstreckt sich von kostenlosen „Lern“-Produkten mit z.T. werblich untermalten Inhalten über die sog. MOOCS (Massive Open Online Courses) bis hin zu kostenpflichtigen, didaktisch hochwertigen Online-Lerneinheiten professioneller Anbieter auf proprietären Softwaresystemen. Ein typisches Beispiel für fertig konfektionierte eLearning-Angebote sind Online-Sprachkurse, die heute eine große Verbreitung gefunden haben und die gesetzten Lernziele im weitesten Sinne auch erreichen.

Ist das Lernziel jedoch sehr fach- oder unternehmensspezifisch, kommt häufig nur eine individuelle Content-Erstellung in Frage. Hierzu schließen sich dann unmittelbar folgende Fragen an:

Welche Qualität muss das Lernprodukt haben, damit das individuelle Lernziel auch erreicht werden kann?

Reicht eine selbsterstellte Lerneinheit unter der Nutzung von gängigen Software-Tools wie z.B. MS-Power-Point®, Adobe Connect®, Camtasia Studio®, articulate storyline®, SlidePresenter® u.a.m. dazu aus?

Oder ist doch eine didaktisch hochwertige, spezifische Produktion zur Erlangung des Lernziels erforderlich?

Wenn das der Fall sein sollte, ergibt sich die nächste Frage:

Sind für die Erstellung einer didaktisch anspruchsvollen Online-Lerneinheit die Ressourcen im eigenen Unternehmen überhaupt vorhanden? Dazu zählen neben der Bereitstellung des fachlichen Inhalts (Fachautoren) im Wesentlichen auch die methodisch-didaktischen (pädagogischen) Kompetenzen zum Aufbau einer Lerneinheit sowie insbesondere Software-Kenntnisse für eine entsprechende Animationsprogrammierung bzw. für die Darstellung von Interaktionselementen (z.B. für eine attraktive Gamification-Lösung o.ä.).

Die Festlegung eines klaren Instruktionsdesigns (Wie?, was?, wer?, …) ist für die Gestaltung eines individuellen und fachspezifischen Lerncontents eine wichtige Grundlage und extrem sinnvoll.

Darüber hinaus ist auch zu beachten, wie groß die Halbwertszeit des Inhaltes der Lerneinheit ist. Das soll heißen: Wenn der individuelle Inhalt lange seine Gültigkeit behält, kommt eine aufwendige Produktion sicher eher in Frage, als wenn sich der Inhalt relativ schnell wieder verändern wird und daher ein Eingriff in den Inhalt laufend notwendig ist.

Die Zielgruppe

Hier ist zunächst die Größe der potentiellen Zielgruppe zu betrachten. Für nur wenige Teilnehmer macht eine aufwendig Online-Produktion aus wirtschaftlichen Gründen wenig Sinn. Dagegen bietet sich das Medium „Online“, also ein web-basiertes Lernangebot, gerade für eine große Zahl von potentiellen Lernern an. Dann lassen sich auch die besonderen Vorzüge des Online-Lernens (keine Reiseaktivitäten für Lernende und Trainer, keine Location-Kosten etc.) erst ausspielen und das Online- Lernen fängt mit steigender Teilnehmerzahl an, sich wirklich zu lohnen.

Im Weiteren ist auch die Affinität der Zielgruppe gegenüber modernen, online-basierten Technologien durchaus von Bedeutung. Heute stellen moderne Lerntechnologien häufig für die Generation „Y“ zwar kein Problem dar, aber wenn ein großer Teil der potentiellen Lernteilnehmer nicht dieser Generation entsprechen, dann sollte auf die verwendete Lerntechnologie ein besonderes Augenmerk gelegt werden und dabei insbesondere die Bedienung entsprechend angepasst sein. Nichts ist für einen lernbereiten Menschen frustrierender, als wenn er sich den Lerninhalt nicht auf einfache Art und Weise erschließen kann.

Fazit

Eine Reihe von Fragen, die es gilt für sein eigenes (geplantes) Online-Lernprojekt individuell zu beantworten.

Wobei die Trends in der Online-Bildung heute in die folgende Richtung gehen:

  • schnell, weil flexibel, individuell und „nach Bedarf“ nutzbar
  • kurz, weil kostengünstig und leicht „lern-/fassbar“
  • professionell, weil qualitativ hochwertig und didaktisch korrekt
  • emotional, weil praxisnah, erlebnisorientiert und „auf den Lernenden“-zentriert
  • web-technologisch, weil überall, mit vielen Endgeräten und damit von vielen Lernern nutzbar.


Wer hier am Puls der Zeit bleiben will und die für sich beste Lösung sucht, dem empfehle ich die Nutzung eines Netzwerkes von Fachleuten (z.B. eLearning Journal), die zu einer eindeutigen Beantwortung der Frage „Make or Buy ?“ eine individuell passende Lösung beisteuern können.

DER AUTOR

Hans-Peter Maas

ist studierter Diplom-Ingenieur (chem.) und hat im Rahmen seiner langjährigen Vertriebs- und Marketingtätigkeit viel Erfahrung bei der innerbetrieblichen Weiterbildung von Mitarbeitern im technischen Bereich als Trainer gesammelt. Er absolvierte ein weiteres Studium an der Hochschule Furtwangen zum Experten für neue Lerntechnologien und schloss außerdem noch ein Aufbaustudium zum Certified European E-Learning Manager (CELM) erfolgreich ab. Zu seinen Hauptaufgaben zählen heute das internationale Management des online-basierten Trainingsangebotes im Hause Endress + Hauser sowie die Evaluierung neuer, zukunftsweisender Lehr- und Lerntechnologien zur Weiterbildung von Mitarbeitern.

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