Grundbildung schnell und bedarfsgerecht verbessern

Mit „eVideo 2.0“ die Leistungsqualität und -effizienz erhöhen

Kategorie:
Videotraining

Siegerprojekt:
eVideo 2.0 - Hotel- und Gastronomiegewerbe

Sieger:
imc AG
KES-Verbund

 

Bücher lesen oder E-Mails beantworten – für die Meisten von uns ist dies selbstverständlich. Doch es gibt auch Menschen, die mit diesen Tätigkeiten Probleme haben, denn in Deutschland kann fast jeder zehnte Erwachsene nicht richtig lesen oder schreiben. Gerade in Berufen, wo Lese- und Schreibfähigkeiten täglich gefordert sind, werden Betroffene vor große Herausforderungen gestellt. Das Projekt „eVideo 2.0“ der Projektpartner ARBEIT UND LEBEN und imc information multimedia communication AG möchte genau dort ansetzen und etwas bewirken.

Der Fachbereich KES-Verbund bei ARBEIT UND LEBEN wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, Projekte in den Bereichen Bildung und Weiterbildung zu entwickeln und umzusetzen. Hierfür nutzt der Verbund die Potenziale zeitgemäßer Informations- und Kommunikationstechnologie. „eVideo 2.0“ stellt ein Projekt des Fachbereichs da, welches Arbeitnehmer mit Schwächen in den Bereichen Lesen, Rechnen und Schreiben unterstützen soll.

Lernbedarfe

Laut neuer Erhebungen gibt es in Deutschland mehr als 7,5 Millionen Menschen, die nicht ausreichend Lesen, Schreiben und Rechnen können (vgl. Leo. Level-One Studie, 2012). Mehr als die Hälfte dieser sogenannten funktionalen Analphabeten ist erwerbstätig. Viele Tätigkeiten verlangen heute aber den sicheren Umgang eben mit diesen Fähigkeiten, etwa wenn computergesteuerte Systeme genutzt oder Anleitungen gelesen werden müssen. Fehlende oder mangelhafte Grundbildungskompetenzen führen deshalb sowohl im einzelnen Betrieb als auch gesamtwirtschaftlich zu erheblichen Kosten. Unternehmen sollten Förderbedarfe rechtzeitig erkennen und ein entsprechendes Weiterbildungsangebot bereitstellen. Die Hauptzielgruppe von „eVideo 2.0 – Hotel und Gastronomiegewerbe“ sind deutschsprachige Beschäftigte des Hotel- und Gastronomiegewerbes mit unzureichenden Grundbildungskompetenzen. Darüber hinaus sollen auch weitere Beschäftigte eines Betriebes das Programm sinnvoll nutzen können, beispielsweise zur Auffrischung sicherheitsrelevanter Themen.

Projektverlauf

Das Projekt „eVideo 2.0“, welches Teil des Förderschwerpunkts „Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“ ist und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, wurde 2014 zunächst mit Fokus auf die Speditions- und Logistikbranche aufgelegt.

Die Lernenden lösen in einer realitätsnahen, videobasierten Lernwelt Übungen aus den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen.

Nach dem erfolgreichen Start bei ausgewählten Unternehmen dieser Branche fand eine Adaption für das Hotel- und Gastronomiegewerbe statt. Bei der Einführung des Projekts wurden relevante Interessengruppen wie Lerner, Betriebsräte sowie die Managementebene der Unternehmen frühzeitig im Rahmen der inhaltlichen Festlegungen kontinuierlich mit einbezogen. Auf der Basis von Dokumentenanalysen, Betriebsbegehungen und Befragungen von Verantwortlichen in Unternehmen wurden typische Arbeitsprozesse in der Branche gezielt auf grundbildungsrelevante Inhalte hin geprüft und aufbereitet. Gemeinsam mit weiteren Experten wurde schließlich der didaktische Ansatz erarbeitet.

Projektergebnis

„eVideo 2.0“ ist ein videobasiertes Lernprogramm, das zielgruppengerecht, bedarfsorientiert und praxisnah Qualifizierung für Beschäftigte mit unzureichenden Grundbildungskompetenzen vermittelt. Durch die Bereitstellung über das Internet können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in vielen Betrieben erreicht werden. Durch eine sympathische Ausgestaltung der Charaktere sowie einem Mix aus Sprachbeiträgen und stilistischen Elementen ist es gelungen, Lerninhalte für die Zielgruppe ansprechend aufzubereiten. Im Vordergrund steht nicht das Faktenlernen, sondern das anwendungsbezogene Lernen.

Der Lerner bewegt sich aus der Ich-Perspektive heraus in einem interaktiven Video durch unterschiedliche Räume und lernt Umgebung sowie Kolleginnen und Kollegen kennen. Eingebettet in den alltäglichen Arbeitskontext löst er u.a. Übungen wie die Bearbeitung von Reservierungsanfragen oder die Aufnahme von Unfallberichten. Dabei kann er über Schaltflächen mit den Kolleginnen und Kollegen kommunizieren und die Informationen bestimmen, die er erhält.

Gerade bei einer Zielgruppe, die kaum Erfahrungen mit eigenständigem Lernen hat, ist Motivation der wesentliche Schlüssel zum Erfolg. Der Lerner wird dazu aufgefordert  aktiv in das Geschehen einzugreifen. Durch die Darstellung realitätsnaher Abläufe wird der Mehrwert des Gelernten für die tägliche Arbeit transparent. Für die Bewertung der Lernleistung werden moderne Gamification-Elemente genutzt, die zusätzlich motivierend wirken. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von dem bisherigen Angebot klassischer Schulungen in Form langatmiger Vorträge oder langer Lernvideos.

Fazit

Bei diesem Projekt handelt es sich um eine konsequente Weiterentwicklung mediengestützter Unterrichtsmaterialien für Menschen mit unzureichenden Grundbildungskompetenzen, zugeschnitten auf deren Arbeitswelt. „In der digitalisierten Arbeitswelt ist eine umfassende Grundbildung unabdingbar. Dennoch gibt es zahlreiche Beschäftigte, die nicht ausreichend Lesen, Schreiben und Rechnen können. Leider stehen sie oft nicht im Fokus der betrieblichen Weiterbildung, obwohl schon ein kurzes Training großen Effekt auf die Leistungsqualität und -effizienz hat“, so Björn Schulz, stellvertretender Projektleiter vom KES-Verbund.

Das Programm ist deutlich weniger zeit- und vorbereitungsintensiv als ein Präsenzkurs, da es aus dem Arbeitsplatzkontext heraus Qualifizierung vermittelt. Darüber hinaus ist das Konzept des „eVideo 2.0 – Hotel und Gastronomiegewerbe“ auch auf andere Sachverhalte und Branchen übertragbar. Aus diesem Grund zeichnet die Jury des eLearning Journals die beiden Projektpartner KES-Verbund bei Arbeit und Leben e.V. und imc information multimedia communication AG mit dem eLearning AWARD 2016 in der Kategorie „Videotraining“ aus.

 

Vorgaben & Besonderheiten

Vorgaben:
Das Programm soll eine Gruppe von Beschäftigten in den Fokus des betrieblichen Lernens rücken, die bislang weitestgehend un-beachtet blieb. Es sollen typische Problemsituationen, die mit unzureichender Grundbildung verknüpft sind, herausgestellt und einen Transfer auf die eigene Arbeitssituation ermöglicht werden.

Besonderheiten:

Durch eine Bereitstellung über eine Website können Lerner von zuhause oder am Arbeitsplatz, in Gruppen oder alleine mit dem Programm arbeiten. „eVideo 2.0“ wurde zudem auf moderner HTML5-Basis programmiert, wodurch auch eine Nutzung über mobile Geräte möglich ist. Lernen wird also jederzeit und überall, unabhängig vom Endgerät, ermöglicht.

Projektpartner

IMC AG

Till Arfsten
Senior Developer

imc information multimedia
communication AG
Scheer Tower | Uni-Campus Nord
D-66123 Saarbrücken

till.arfsten@im-c.de
www.im-c.de

KES-Verbund

Björn Schulz
stellvertretender Projektleiter

KES-Verbund bei Arbeit und Leben e. V.
Landesarbeitsgemeinschaft Berlin (DGB/VHS)
Keithstr. 1/3
D-10787 Berlin

schulz@kes-verbund.de
www.kes-verbund.de

 

Aktuelle Publikation:

eLearning Journal - 2/2017
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