Anspruch und Wirklichkeit bei Social Learning

Das letzte Jahrzehnt stand ganz im Zeichen von Social Media. Mit der Hilfe einer flächendeckenden Verbreitung von Smartphones und Tablets haben Facebook, Twitter und Co. unsere Gesellschaft wesentlich beeinflusst und verändert. Früh wurde erkannt, dass die Web 2.0-Methoden in der Form von Social Learning auch zahlreiche Vorteile für die betriebliche Bildung bieten könnten.

Mit Social Learning sollen typische Charakteristika von sozialen Medien wie User-Generated-Content und Kollaboration für die betriebliche Aus- und Weiterbildung nutzbar gemacht werden. Immer stärker hat sich in den vergangenen Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass Mitarbeiter vor allem während der Arbeit und im Umgang mit Kollegen lernen, d.h. in der eigenen Belegschaft schlummert ein großer Wissensschatz.

Im Rahmen des sozialen Lernens beteiligen sich die Endanwender an der Erstellung von Lerninhalten, womit das Wissen von internen Fachexperten für jeden zugänglich wird und alle von der kollektiven Intelligenz im Unternehmen profitieren können. Um kollaboratives Lernen zu unterstützen, können Unternehmen Hilfsmitteln wie Foren, Chats, Gruppen, Wikis und ähnliche soziale Medien für selbstorientiertes und vernetztes Lernen zur Verfügung stellen. Damit können die eigenen Mitarbeiter z.B. Lerngruppen mit anderen Kollegen bilden und sich gegenseitig unterstützen.

Trotz der Vorteile ist Social Learning jedoch kein Selbstläufer. Soziales Lernen basiert auf der Partizipation der eigenen Belegschaft, d.h. die Mitarbeiter müssen dazu bereit sein, Inhalte und damit ihr Wissen aufzubereiten und für ihre Kollegen preiszugeben. Erfahrungsgemäß beteiligt sich immer nur ein kleiner Teil aktiv mit eigenen Inhalten, während die Mehrheit nur konsumiert. Es ist daher wichtig die Mitarbeiter zu unterstützen, die sich mit eigenen Inhalten beteiligen wollen. Andererseits bedeutet Social Learning auch ein gewisser Kontrollverlust für die Aus- und Weiterbildungsexperten in einem Unternehmen, schließlich können nicht mehr alle Lerninhalte zentral gesteuert werden. Damit steigt allerdings die Gefahr, dass falsche oder unzureichende Informationen vermittelt werden. Daher ist es wichtig, dass trotz des User-Generated-Contents die Qualität des Lernangebots gegeben ist. Wie sieht allerdings, bei allen Vor- und Nachteilen, der tatsächliche Einsatz von Social Learning in den Unternehmen aus?

Social Learning - „nice-to-have“ nicht „must-have“

Obwohl das Thema nicht mehr unbedingt brandneu ist, scheint das Social Learning unter deutschen Unternehmen von einer umfassenden oder gar flächendeckenden Verbreitung noch weit entfernt zu sein. In der eLearning BENCHMARKING Studie 2015 gaben nur 5,8 % der befragten Teilnehmer an, dass es in ihrem Unternehmen oft oder immer genutzt wird. In 41,2 % der Unternehmen wird auf das Thema Social Learning gelegentlich oder zumindest selten gesetzt. Mit 52,9 % ist bei knapp über der Hälfte der Befragten das Thema Social Learning noch gar nicht im Einsatz. Doch wie sieht es mit dem zukünftig aus?

Abbildung 1: Die Informations- und Kommunikationsbranche ist mit 66,67 % der Spitzenreiter beim Einsatz von Social Learning.
Abbildung 2: Beim Thema Social Learning scheinen die Großunternehmen im deutschsprachigen Raum erneut die Vorreiter zu sein.

Auch in den kommenden Jahren scheint Social Learning nur eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Auf die Frage, welche Lernmethoden für das formale Lernen in der Zukunft eine große Rolle spielen werden, nannten 24,1 % der befragten Studienteilnehmer Social Learning. Bei der scil Trendstudie 2015 wurde dagegen das Thema „Lernen in Online-Communities“ von 37,61 % als ein wichtiges Thema für 2016 und damit an erster Stelle genannt.

Damit wird zumindest einem Aspekt von vernetztem und sozialem Lernen eine wichtige Bedeutung zugemessen. Ebenfalls recht positiv bewertet die Trendstudie MMB Learning Delphi 2014 die Zukunft von Social Learning. Immerhin 70 % der befragten Experten schätzen, dass Social Netzworks und Communities in den kommenden 3 Jahren für die betriebliche Bildung relevant sein werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang noch die Tatsache, dass die befragten Experten des MMB das Potential in der Vergangenheit bereits höher eingeschätzt hatten. In 2008 kamen Social Networks bei der gleichen Fragestellung noch auf annähernd 90 %. In den nachfolgenden Jahren setzte eine kleine Ernüchterung ein und bis 2012 fiel der Wert auf 60 %. Erst seitdem entwickeln sich die Erwartungen an Social Networks wieder positiv.

Großunternehmen sowie Informations- und Telekommunikationsbranche sind die Vorreiter

Beim Thema eLearning zeigt sich schon seit längerem der Trend, dass die Unternehmensgröße eine entscheidende Rolle dabei spielt, wie schnell eLearning allgemein und darüber hinaus bestimmte Trends wie z.B. Mobile Learning oder Gamification angenommen werden. Beim Thema Social Learning ist dieser Trend besonders stark ausgeprägt. Nur 32,23 % der befragten Unternehmen mit mehr als 25.000 setzen überhaupt kein Social Learning für ihre betriebliche Bildung ein. Der Einsatz von sozialem Lernen liegt bei diesen Unternehmen damit deutlich über den Werten der Unternehmen mit weniger als 25.000 Mitarbeitern, von denen zwischen 50 % und 60 % bisher noch kein Social Learning einsetzen.

Ein ähnliches Bild ergibt es sich beim Blick auf die Verteilung des Themas unter den verschiedenen Branchen. In 66,67 % der Unternehmen, die aus der Informations- und Kommunikationsbranche kommen, wird Social Learning bereits eingesetzt. Mit 60,71 % liegt der Wert im Gesundheits- und Sozialwesen ebenfalls vergleichsweise hoch. In den verbleibenden Branchen wird ebenfalls zwischen 50 % und 60 % noch kein Social Learning genutzt.


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