Immer und überall Lernen dank Mobile Learning… oder doch nicht?

Es steht mal wieder eine Geschäftsreise mit einem Kunden am anderen Ende von Deutschland an. Bis zum Flug sind es noch ca. 30 Minuten, die überbrückt werden müssen. Dies wäre eigentlich der optimale Zeitpunkt, um kurz das Tablet aus dem Koffer zu holen und nochmal einen schnellen Blick in die Trainings zu dem neuesten Produkt zu werfen und die Verkaufsargumente für den späteren Termin aufzufrischen.

Das Thema Mobile Learning soll genau für solche Situationen einen Mehrwert bieten. Doch gleichzeitig kommt Mobile Learning auch mit einer Reihe von Herausforderungen daher. Wie also ist der Status Quo von Mobile Learning in der DACH-Region?

Das Thema Mobile Learning steht gefühlt schon seit mindestens 2 bis 3 Jahren kurz vor dem großen Durchbruch. Auf dem Papier sind die Rahmenbedingungen denkbar gut, schließlich war die Verbreitung mobiler Endgeräte nie höher, womit der größte Teil der Arbeitnehmer im deutschsprachigen Raum mit dem Umgang von Smartphones & Co. vertraut ist. Auch die Kosten für Smartphones und Tablets haben abgenommen, wenn nicht unbedingt die jeweils neueste Generation genutzt werden soll. Die verschiedenen Vorteile, die für den Einsatz von Mobile Learning sprechen, sind ebenfalls noch gültig und in vielerlei Hinsicht aktueller denn je, sei es die Erschließung neuer Zielgruppen ohne einen PC-Arbeitsplatz oder das Nutzen von „Downtime“, z. B. während des Weges von oder zur Arbeit. Doch trotz der zahlreichen Argumente, die eigentlich für den Einsatz von Mobile Learning sprechen könnten, scheint das Thema im Alltag deutschsprachiger Unternehmen noch immer eine eher untergeordnete Rolle zu spielen, wie ein Blick auf die Ergebnisse der eLearning BENCHMARKING Studie 2015 belegt.

Einsatz von Mobile Learning – was im Alltag vom Hype übrig bleibt

61%. So hoch ist der Anteil der Unternehmen, bei denen Mobile Learning für das formale Training noch keine Rolle spielt. Weitere 20,2 % der Studienteilnehmer gaben an, dass mobile Endgeräte nur selten zum Einsatz kommen. Immerhin in 13 % der Unternehmen ist Mobile Learning gelegentlich ein Thema. Relativ selten sind dagegen Unternehmen, die oft (4,6 %) oder sogar immer (1,1 %) Mobile Learning für ihre Lerner anbieten. Damit liegt der Einsatz von mobilen Endgeräten in der betrieblichen Bildung sogar knapp hinter anderen Trends wie beispielsweise Social Learning oder Micro Learning und deutlich hinter den etablierten eLearning-Methoden wie WBTs, Blended Learning oder auch virtuelle Klassenräume. Lediglich MOOCs und Game Based Learning werden in deutschsprachigen Unternehme aktuell noch seltener genutzt.

Erwartung zum zukünftigen Einsatz von Mobile Learning ist noch immer hoch

Im Gegensatz zur aktuellen Relevanz des Themas sind die Einschätzungen zur zukünftigen Rolle von Mobile Learning insgesamt recht positiv. In der eLearning BENCHMARKING Studie erwarten 47,1 % der Studienbeteiligten, dass Mobile Learning in der Zukunft für das formale Lernen im Unternehmen eine große Rolle spielen wird und liegt damit hinter Blended Learning, WBTs und virtuellen Klassenräumen an vierter Stelle. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der scil Trendstudie 2015.  Bei der Bewertung verschiedener Trendthemen im Corporate Learning-Bereich erreichte Mobile Learning die zweite Position und wurde von 36,44 % der Studienteilnehmer als wichtiges Thema für 2016 genannt. Auch die befragten Experten des MMB-Instituts vermuten, dass „Mobile / App“ in den nächsten 3 Jahren für die betriebliche Bildung eine Bedeutung haben wird. In gewisser Weise scheint damit der Hype um Mobile Learning weiter anzuhalten. Während die Zahlen zur aktuellen Verbreitung vornehmlich ernüchternd sind, sind die Erwartungen für Mobile Learning in den kommenden Jahren weiterhin recht positiv.

Die Einschätzung der Unternehmen gibt einen Einblick in die Verbreitung verschiedener Aspekte des Thema Mobile Learning.

Es bleibt daher abzuwarten, ob sich die Nutzung den Erwartungen in der nächsten Zeit tatsächlich annähern wird.

Diskrepanz zwischen Hype und Wirklichkeit – Mögliche Erklärungen

Im Angesicht der potentiellen Vorteile von Mobile Learning stellt sich also die Frage, was Unternehmen an einem stärkeren Einsatz von mobilen Endgeräten in der betrieblichen Bildung hindert. Eine mögliche und auch oft verwendete Erklärung sind die vermeintlich hohen Anschaffungskosten, die durch den Aufbau einer Mobile Learning-Struktur durch den Erwerb von ausreichend Smartphones und insbesondere Tablets entstehen können. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es bei der eLearning BENCHMARKING Studie 2015 kein deutliches Gefälle bei dem Einsatz von Mobile Learning basierend auf der Unternehmensgröße gibt. Beim Game Based Learning wirkt sich die Unternehmensgröße tendenziell positiv auf den Gebrauch der Methode im Unternehmen aus, sprich: Je mehr Mitarbeiter ein Unternehmen hat, desto häufiger kommt Game Based Learning durchschnittlich zum Einsatz. Bei Mobile Learning ist ein solcher Zusammenhang nicht wirklich zu erkennen. Lediglich Unternehmen mit mehr als 25.000 Mitarbeitern heben sich leicht von den anderen Unternehmensgrößen ab. Die hohen Anschaffungskosten für die mobilen Endgeräte ließen sich außerdem durch die BYOD-Methode umgehen (BYOD = bring your own device), wobei es dann allerdings Bedenken bzgl. der Datensicherheit geben kann.

Für den erfolgreichen Einsatz von Mobile Learning müssen auch die entsprechenden technischen Rahmenbedingungen gegeben sein, insbesondere das LMS, noch immer das zentrale System zur Verwaltung von eLearning, muss mit dem Thema kompatibel sein und könnte für Unternehmen daher ein Hemmnis darstellen. Zwar haben sich in den letzten Jahren viele LMS-Anbieter auf mobile Endgeräte eingestellt, jedoch gaben in der eLearning BENCHMARKING Studie 2015 lediglich 33,2 % der Studienbeteiligten an, dass ihr LMS bereits Mobile Learning unterstützt. Dieser recht geringe Wert scheint also die Probleme bei den technischen Rahmenbedingungen zu bestätigen.

Eine letzte Erklärung könnte auch einfach ein geringes Interesse an dem Thema bei der relevanten Zielgruppe der Lerner sein. Lediglich 28,2 % der Studienteilnehmer gaben an, dass Mobile Learning von den Lernern in ihrem Unternehmen gewünscht wird. Mit 22,3 % ist der Wert für die Führungskräfte sogar noch geringer. Zusammen mit den anderen Hemmnissen scheint der Einsatz mobiler Endgeräte auch einfach für die eigentlichen Nutzer noch nicht wichtig genug zu sein, als dass sich eine Investition von Zeit und Geld in dieses Thema lohnen würde.


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