Vom Buch in die App - Wie DB Signale das mobile Lernen unterstützt

Immer und überall ins Internet gehen: Die mobile Internetnutzung spielt nicht nur im privaten Alltag eine wichtige Rolle, sondern zunehmend auch im Arbeitsprozess. Der Umbruch zu einem neuen, mobilen Zeitalter bleibt dabei nicht ohne Auswirkungen auf Lernstrukturen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung. Das Stichwort lautet „Mobile Learning“, das durch die rasante Verbreitung von Smartphones, Tablets & Co. in aller Munde und zu einem wichtigen Trend in der eLearning-Landschaft geworden ist. Auch im Bereich des Eisenbahnbetriebes ergeben sich neue Chancen, wie das folgende Praxisbeispiel zeigt.

Etwa 165 Signale verteilt auf knapp 20 Kategorien und 160 Seiten – so gestaltet sich aktuell das Signalbuch der Deutschen Bahn. Im Regelwerk werden sämtliche im Eisenbahnbetrieb verwendete Signale sowie notwendige Verhaltensweisen aufgeführt und erläutert. Insbesondere für Eisenbahnfahrzeugführer und Auszubildende im Eisenbahnverkehr ist das Signalbuch ein elementarer Bestandteil im Arbeits- und Lernalltag. Doch das reine Auswendiglernen des Regelwerkes macht nicht jedem Spaß.

Der Umgang mit Regelwerken


Ohne Frage: Das Signalbuch ist mehr als nur ein Regelwerk, das die Art und Bedeutung der unterschiedlichen Eisenbahnsignale beschreibt. Die enthaltenen Bestimmungen bieten den Mitarbeitern eine einheitliche Grundlage und sorgen für einen sicheren und geordneten Eisenbahnbetrieb. Die Voraussetzung: Die Mitarbeiter müssen die unterschiedlichen Signale beherrschen. Doch das Signalbuch ist ein umfangreiches Regelwerk mit einer Fülle an Informationen. Das Merken von Daten und Fakten fällt in diesem Zusammenhang schwerer, da diese Art der Informationen häufig nur unzureichend mit dem bereits vorhandenen Wissen verknüpft werden kann (vgl. Metzig/Schuster 2006, S. 47). Es stellt sich die Frage, wie es gelingen kann, die im Regelwerk enthaltenen Signale effektiv und anschaulich zu vermitteln. Genau hier setzt die mobile Applikation DB Signale an. Um das Lernen von Signalen und den Umgang mit Regelwerken zu erleichtern, wird im Rahmen des Programms „Next Education“ eine App entwickelt, die das Signalbuch gemäß der Richtlinie „RiL 301“ in mobiler Form wiedergibt.

Zielgruppen

Mit DB Signale werden zwei wesentliche Zielgruppen angesprochen. Zum einen richtet sich die App an die Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die täglich mit dem Signalbuch konfrontiert sind und durch die App ihr Signal-Wissen auffrischen möchten, wie z.B. Eisenbahnfahrzeugführer oder Auszubildende im Eisenbahnverkehr. Und zum anderen sind jene Personen und Institutionen gemeint, die Interesse am Thema haben und wissen wollen, welche Bedeutung die einzelnen Signale haben, wie z.B. Eisenbahnfreunde oder -vereine. Die Applikation wird in dieser Weise nicht nur innerhalb des Unternehmens bekannt gemacht, sondern auch außerhalb. Damit verknüpft wurde sich strategisch dafür entschieden, eine mobile Lösung zu entwickeln, die zunächst auf dem externen Markt etabliert wird, um so auch Interessierte über die Unternehmensgrenzen hinaus zu gewinnen. Bisher stellt DB Signale ein zusätzliches Lernangebot dar, das freiwillig und zur Weiterbildung, z. B. bei der regulären Ausbildung, in Anspruch genommen werden kann.

Die Mischung macht’s


Die DB Signale-App ist als Teil eines Blended Learning-Ansatzes geplant. Hierbei werden Vorteile von Präsenzveranstaltungen in Kombination mit eLearning genutzt. Ganz im Sinne des integrierten Lernens werden die Inhalte des Signalbuchs sowohl mit der Applikation als auch durch webbasierte Trainings und klassische Präsenzveranstaltungen näher gebracht. In der App sind alle Lerninhalte bereits eingebunden, sodass auch von unterwegs aus, ohne zusätzlich anfallende Materialien gelernt werden kann.

Die App

DB Signale zeichnet sich durch einen Mix an unterschiedlichen Aktivitäten aus und bezieht, anders als andere Lernformate, gezielt Gamification-Elemente mit ein, um spielerisch das Signal-Wissen zu vertiefen. Die Signal-Inhalte sind dabei speziell an die Anforderungen für die Anwendung und Darstellung auf Tablets und Smartphones in Android sowie iOS optimiert. Mithilfe der vier folgenden Module wird das nachhaltige Lernen der Signale gefördert.

1. Modul: Signalbuch

Das erste Modul ist das „Signalbuch“ und entspricht im Aufbau und in der Gliederung der gedruckten Version. Innerhalb dieses Bereiches lassen sich einzelne Signale aus dem Bereich des Schienenverkehrs nach Bedeutung und Funktion suchen. Die Suchfunktion gibt in einer Übersicht den Suchbegriff entsprechend mit Texten und Bildern an. Die gesuchten Signale können zudem als Favoriten gespeichert werden, um so ihre Relevanz zu markieren und sie zu einem späteren Zeitpunkt leichter zu finden. Mit der Registrierung (Nutzername und E-Mail) wird über eine Kommentar-Funktion auch der Austausch mit anderen Nutzern unterstützt. Des Weiteren können Notizen zu einem Signal erstellt werden, die nur vom Nutzer einsehbar sind.

Beantworten einer Frage im Modul „Lernen“.
Beantworten einer Frage im Modul „Lernen“.

2. Modul: Lernen

Im Modul „Lernen“ erhält der Nutzer eine Übersicht über alle im Signalbuch enthaltenen Artikel bzw. Kapitel. Hier besteht die Möglichkeit, eine Auswahl über die gewünschten Lerninhalte zu treffen. Zum jeweiligen Kapitel können dann Fragen beantwortet werden (Abb. 1). Insgesamt umfasst das Modul ca. 600 Fragen, um das Signal-Wissen zu Bedeutung, Beschreibung, Bildern und Begriffen zu prüfen. Zum besseren Verständnis wird das Lernen mit der App durch mehr als 300 digitalisierte und zum Teil animierte Signalbilder und akustische Tonsignale unterstützt. Zusätzlich bekommen Nutzer mit über 200 Tipps Hilfestellung, wenn Probleme oder Unklarheiten auftauchen sollten. Auch über den persönlichen Lernfortschritt und die bereits gelernten Signale ist der Nutzer durch Lernstatistiken jederzeit informiert.
 
3. Modul: Quiz

Das Modul „Quiz“ zeichnet sich durch seine spielerische Qualität aus. Während die zuvor beschriebenen Module eher auf die klassische Vermittlung von Informationen abzielen, dient das Quiz dazu, diese Informationen auf spielerische Art und Weise zu testen. Aus allen Kapiteln im Signalbuch wird Wissen im Duell gegen die Zeit und im Vergleich mit anderen Nutzern abgefragt (Abb. 2). Ziel ist es, innerhalb einer bestimmten Zeit (5 bis 15 min) so viele Fragen wie möglich zu beantworten. Falls dreimal falsch geantwortet wird, endet das Quiz vorzeitig und der Nutzer kann noch einmal von vorne anfangen. Je mehr Fragen in der Zeit beantwortet werden können, desto höher steht der Nutzer im Ranking.

4. Modul: Favoriten

Im Modul „Favoriten“ erhalten Nutzer Informationen zu Aktualisierungen und Kommentaren zu den favorisierten Signalen von anderen Nutzern. Damit nimmt auch der Social Media-Aspekt innerhalb des Lernkonzeptes eine wichtige Rolle ein. So findet ein Meinungsaustausch zum Thema Signale mit anderen Nutzern statt, indem eigene Fragen und die der anderen Nutzer beantwortet werden können.
 
Fazit & Ausblick

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Wandel hin zu einer on-demand-Gesellschaft nicht nur im privaten, sondern auch im beruflichen Kontext weitreichende Veränderungen mit sich gebracht hat. Mobile Technologien beeinflussen so auch die Art und Weise, wo und wie wir lernen und mit Wissen umgehen. Der Einsatz von Apps und die Nutzung von mobilen Endgeräten spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle und kann bestehende Lern- und Arbeitsprozesse maßgeblich unterstützen. Die Applikation DB Signale, die im Rahmen der Aus- und Weiterbildung zum Thema Signale eingesetzt werden kann, knüpft an diese Entwicklung an.

In der Vermittlung von Signalen, die im Arbeitsalltag von Eisenbahnmitarbeitern ein elementarer Bestandteil sind, besteht die Herausforderung darin, eine mobile Lösung zu entwickeln, mit der Regelwerke, hier das Signalbuch, auf eine neue Art und Weise gehandhabt werden können. Der neue Ansatz basiert auf der Idee, durch u.a. Gamification-Elemente den natürlichen Spieltrieb der Nutzer zu wecken und zu nutzen, damit Lernen nachhaltiger wird. Das Ergebnis spiegelt sich in verschiedenen Funktionsmodulen innerhalb der App wieder. Insbesondere das Modul „Quiz“ zielt darauf auf, die Signale kurzweilig und greifbar herüberzubringen, um so auch die (Lern-)Motivation der Nutzer zu steigern. Zugleich verdeutlicht die App, wie ort- und zeitunabhängiges Lernen realisiert werden kann.

Mit Ausblick auf die nächsten Schritte steht insbesondere die Erweiterung der Signal-App um weitere Signalgruppen im Vordergrund. Stück für Stück soll auf diesem Weg das Signalbuch in seiner mobilen Form komplettiert werden, sodass in der App jederzeit und überall alle relevanten Inhalte abgerufen werden können. Denn insgesamt wird die Frage nach einer flexiblen Lernorganisation auch in der Zukunft präsent sein. DB Signale liefert dazu einen Beitrag.

Literatur

Metzig, Werner/Schuster, Martin (2006): Lernen zu lernen. Lernstrategien wirkungsvoll einsetzen. 8., aktualisierte Auflage. Berlin [u.a.]: Springer.

DIE AUTOREN

Andreas Eckelt

ist Leiter des New-Learning Lab bei DB Training, dem Bildungsanbieter im DB Konzern. Aufgabe des Labs ist die Entwicklung und Umsetzung von E-Learning und Blended Learning-Konzepten. Sein beruflicher Schwerpunkt liegt im Bereich Business-Modell-Generation,  Marketing-Kommunikation und Vertrieb.

Marco Reuter

Nach seiner Lehre als Stahlformenbauer studierte Marco Reuter Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Seit 2002 ist er als Consultant bei DB Training in der Geschäftseinheit Beratung tätig.

KONTAKT

DB Mobility Logistics AG

Ansprechpartner:
Andreas Eckelt
DB Training
Leiter Programm Next Education

Solmsstraße 18
60486 Frankfurt / Main

www.db-training.de


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