Neue Bildungskonzepte bei der Deutschen Bahn AG

Fehlende Kompetenzen im Rahmen eines Social Learning-Konzeptes aufbauen

Kategorie:
Blended Learning

Siegerprojekt:
Vernetztes Lernen mit digitalen Medien im Ausbildungsberuf „Elektroniker Betriebstechnik“ im Deutsche Bahn AG Konzern

Sieger:
Deutsche Bahn AG

Die betriebliche Weiterbildung ist ein wesentlicher Bestandteil für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Gut qualifizierte und kompetente Mitarbeiter werden zu einem knappen Gut, dessen Pflege und Entwicklung ernst genommen werden sollte. Der Erfolgsfaktor „betriebliche Weiterbildung“ hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Deutsche Bahn AG hat das Projekt Innovativer Förderunterricht „technische Mathematik“ für Auszubildende der „Elektrotechniker Betriebstechnik“ entwickelt.

DB Training hat im Rahmen des Programms „Next-Education“ neue Lernkonzepte zusammen mit freiwilligen Auszubildenden der Elektroniker Betriebstechnik, durchgeführt. Ziel war es dabei, Erfahrungen zu sammeln, wie diese neuen Lernformen bei Auszubildenden ankommen, was bereits heute schon gut funktioniert und wo im Prozess oder im Konzept noch etwas optimiert werden muss, damit die Auszubildenden ein optimales Lernergebnis erleben.

Lernbedarfe

Die Kunden im Konzern erwarten immer häufiger von DB Training, dass es proaktiv auch neue Lernkonzepte und Medien einsetzt. Auch die Ergebnisse aus dem DB Training-internen Programm Next Education zeigen: Der aktuelle Stand der Bildungswissenschaft empfiehlt mit Blick auf die Effizienz und Effektivität von Bildungsmaßnahmen den Einsatz neuer Bildungskonzepte. Dabei stehen unter anderem Blended Learning-Konzepte im Fokus, wenn es darum geht, die Kompetenzen bzw. die Handlungssicherheit der Mitarbeiter im Konzern, die Auszubildende, zu entwickeln. Ziel dieser neuen Konzepte ist bei kompetenzorientierten Lernzielen, einen beobachtbaren Lernerfolg durch Veränderung des Verhaltens beim Lerner zu bewirken. Bei Lernzielen mit dem Fokus auf die reine Wissensvermittlung können stärker elektronische Medien eingesetzt werden. Dies gilt auch für die Qualifizierung, wo elektronische Medien vor allem als Ergänzung vor, während und nach der Bildungsmaßnahme eingesetzt werden können. Ein zentrales Qualitätsmerkmal bleibt der Austausch der Teilnehmer untereinander und Kontakt mit einem Ausbilder oder Trainer.

Projektverlauf

Der Ausbilder unterstützte die Lernenden im Rahmen seiner Rolle als Lernbegleiter durch wöchentliche Jour-Fixe zur Reflexion der Selbstlernphase bzw. zum Klären offener Fragen. Der Ausbilder ging dafür innerhalb der Woche, soweit das nicht persönlich geklärt werden kann, auf die Einträge in den Chats, Foren und Lerntagebücher ein und unterstützte die Auszubildenden auch über digitale Medien, in dem er die Fragen und Einträge der Auszubildenden kommentierte. Parallel wird die regelgerechte Dokumentation entsprechend der Ausbildungsverordnung weitergeführt, und soweit sinnvoll und auch notwendig um die Elemente aus der Maßnahme ergänzt. Das Lernen im WBT wurde ergänzt durch offene Aufgaben durch den Ausbilder, die den Transfer in die eigene Praxis ermöglicht.

Elemente der Wissensaneignung werden durch eLearning – Module unterstützt und mit Praxisaufträgen ergänzt, die durch den Ausbilder gestellt werden. Ziel ist dabei, die Handlungssicherheit, also die konkrete Anwendung von Wissen, bei den Auszubildenden zu erhöhen.
v.l. Samuel Gliem (Deutsche Bahn AG), Frank Siepmann (eLearning Journal), Andreas Eckelt (Deutsche Bahn AG)

Begleitend zu dem WBT sollte das bestehende System der LMS für den Austausch und die Kollaboration der Lerner genutzt werden. Die Umsetzung dieser Maßnahme erfolgte zunächst mit einem Ausbildungsjahrgang ab Oktober 2015 am Standort Hannover.

Die Maßnahme wurde für 18 Monate vorgesehen, bis zum Teil 1 der Abschlussprüfung des Ausbildungsjahrganges. Die Auszubildenden, die an dem Social Learning-Konzept teilnahmen, bekamen während ihrer Arbeitszeit ein Tablet gestellt, um selbstorganisiert und selbstgesteuert an ihren Lernfeldern zu arbeiten. In den ersten 3 Monaten der Ausbildungszeit wurden die Auszubildenden für das Social Learning-Konzept durch die Ausbilder benannt, bei denen in dieser Zeit Wissenslücken erkannt wurden. Die Auszubildenden arbeiteten dann die nachfolgend genannten Lernfelder mit den entsprechenden Lernzielen alleine oder mit Lernpartnern ab. Die Teilnehmer vereinbarten mit ihren Lernpartnern bzw. dem Ausbilder bestimmte Lernfortschritte und erarbeiteten die Wissensbasen und Praxisaufträge innerhalb vereinbarter Lernzeiten.

Projektergebnis

Die digitalen Lern- und Nachhilfemodule dienten in diesem Lernkonzept nicht nur dem Wissensaufbau und der Qualifizierung, sondern wurden im Rahmen von problemorientierten Aufgabenstellungen durch den Ausbilder dazu genutzt, um den Auszubildenden die Möglichkeit zu geben, situativ Wissenslücken zu bearbeiten bzw. zu schließen. Gleichzeitig übernahm das eLearning-Modul durch die Struktur des Programms die Funktion eines „Roten Fadens“ für die selbstorganisierte Lernphase. Die Praxisaufträge durch den Ausbilder setzten sich dabei aus einem „Theorie-Element“ zur Herleitung der Lösung mit Hilfe der zur Verfügung gestellten Wissensbasen und einem „Praxis-Element“ zur konkreten Anwendung des Wissens zusammen. Da die meisten Auszubildenden eine gewisse Vorkenntnis aus der Schule mitbrachten, wurden im Regelfall erst die Aufgaben im WBT bearbeitet. Falls es sich zeigt, dass sie nicht alle Fragen richtig beantwortet hatten, gibt ihnen das WBT eine Rückmeldung der richtigen und falschen Antworten. Um die falschen Aufgaben zu lösen, konnte der Auszubildende mehr Informationen in den Wissensbasen des WBT aufrufen und nachlesen. Diese Vorgehensweise hatte den Vorteil, dass die Auszubildenden direkt bei ihrem Lernbedarf abgeholt wurden und problemorientiert lernten. Dieses Lernszenario war außerdem sehr effizient, weil die Auszubildenden von Anfang an aktiv waren und nur noch die Wissensbasen der Aufgaben lasen, bei denen sie nicht die volle Punktzahl erhalten haben. Die Kombination aus dem digitalen Lernen und den Praxisaufträgen ist die bedeutendste Innovation des Projekts.

Fazit

Das Lernen am Arbeitsplatz und die Integration von Bildungsmaßnahmen in Organisationsentwicklungsprozesse werden immer wichtiger. Nahezu alle großen Unternehmen, auch der DB Konzern, nutzen heute eigene, sorgfältig ausgearbeitete Fördermodelle. Diese Mitarbeiterförderung soll dazu beitragen, die strategischen Ziele der Unternehmen zu erreichen. Auch die Jury des eLearning Journals ist von diesem Projekt überzeugt und zeichnet die Deutsch Bahn AG mit dem eLearning AWARD 2017 in der Kategorie „Blended Learning“ aus.

Autorin: Steffi Fritz

 

Vorgaben & Besonderheiten

Vorgaben:
Der Verlauf des Selbstlernens, die Fortschritte bei Praxisaufträgen wie z. B. gefundene Lösungsansätze oder offene Fragen dokumentieren die Auszubildenden in digitalen Lerntagebüchern sowie in den Ausbildungsnachweisen.

Besonderheiten:

Die strategischen Anforderungen an die betriebliche Bildung werden sich zwangsläufig an den für den Unternehmenserfolg erforderlichen Denkweisen, wie Unternehmenskultur sowie Werte und an den Handlungen, wie Performance und Zielerreichung, orientieren.

Projektpartner

Deutsche Bahn AG

Samuel Gliem
Berater #New Learning Lab

Deutsche Bahn AG
DB Training, Learning & Consulting
Solmsstrasse 18
D-60486 Frankfurt/Main

samuel.gliem@deutschebahn.com
www.db-training.de

 


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