eLearning-Infrastruktur für Baden-Württemberg

Digitalisierung in der Weiterbildung - eine landesweite Lösung

Kategorie:
Infrastruktur

Siegerprojekt:
Digitaler Weiterbildungscampus Baden-Württemberg

Sieger:
vimotion GmbH
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Nicht nur in Unternehmen wird die Aus- und Weiterbildung durch die Digitalisierung zunehmend vor eine große Herausforderung gestellt. Auch die Weiterbildungslandschaften der Bundesländer, z.B. in der Form der Volkshochschulen, müssen zunehmend digitale Medien in das Schulungsangebot übernehmen, um nicht von der Entwicklung abgehängt zu werden. Allerdings ist es für die oftmals kleinen Einrichtungen allein fast nicht möglich, die entsprechende Infrastruktur aufzubauen. Eine mögliche Lösung? Der Aufbau eines zentralen Campus mit Infrastruktur für alle Weiterbildungseinrichtungen im Bundesland und darüber hinaus.   

Baden-Württemberg hat eine äußerst pluralistisch gestaltete Weiterbildungslandschaft. Alleine der Volkshochschulbereich umfasst 172 Einrichtungen mit 738 Außenstellen. Hinzu kommen zahlreiche kirchliche und eine Vielzahl an mehr oder weniger großen privaten Weiterbildungseinrichtungen. Der große Vorteil dieser Struktur mit ihren vielen kleinen Einrichtungen - ein Weiterbildungsangebot kann fast überall direkt vor Ort angeboten werden - verwandelt sich im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung, die auch vor dem Weiterbildungsbereich nicht Halt macht, mehr und mehr zu einem strukturellen Nachteil, da gerade viele kleine Einrichtungen die Anforderungen der Digitalisierung nicht meistern können. Das beginnt bei den nicht zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln und endet bei der Einlösung datenschutzrechtlicher Vorgaben. Über kurz oder lang führt das zu einer Monopolisierung des Weiterbildungsmarktes und/oder es droht ihm die digitale Spaltung, die letztlich dann auch auf die Bevölkerung, auf alle Weiterbildungsinteressierten durchschlagen wird.

Das Projekt „Digitaler Weiterbildungscampus Baden-Württemberg“ hatte deshalb das Ziel, die Struktur einer breit gestreuten und lokal verankerten Weiterbildungslandschaft zu erhalten, denn eine solche Verankerung ist aus sozialen Gründen trotz bzw. gerade wegen der Digitalisierung weiterhin notwendig. Gleichzeitig sollte das Projekt der Gefahr einer digitalen Spaltung der Weiterbildungslandschaft entgegen wirken. Um dies zu gewährleisten, wurde der Digitale Weiterbildungscampus als eine zentrale Infrastruktur für technisch unterstützte Lehr- und Lernszenarien aufgebaut, die zuverlässig, institutionsübergreifend, datenschutzkonform juristisch abgesichert sein und darüber hinaus Möglichkeiten zum Austausch bzw. zur gemeinsamen Nutzung digitaler Inhalte zwischen Institutionen bieten sollte.

Projektverlauf

Ausgangspunkt des Projektes war ein Chat, der die spezifischen Anforderungen an das Szenario einer Weiterbildungsberatung zu erfüllen hatte.

Der neue Weiterbildungscampus (www.digitaler-weiterbildungscampus.de) bietet der pluralistischen Weiterbildungslandschaft Baden-Württembergs die notwenige digitale Infrastruktur, um mit der Digitalisierung Schritt halten zu können.
v.l. Harald Grübele (vimotion GmbH), Frank Siepmann (eLearning Journal), Roland Bauer (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg)

Gleichzeitig sollte der Chat in ein Learning Management System integriert sein, um innerhalb des Beratungsgesprächs weitere Tools wie Wiki, Glossar, Datei-Sharing usw. nutzen zu können. Die Fa. vimotion bot als Lösung die Programmierung eines xmpp-Chats an, der in das LMS ILIAS eingebettet wurde. Nach der Umsetzung des Chats wurden weitere Tools in diese Umgebung integriert z.B. Vitero, OpenMeetings, Etherpad usw. Es folgte die technische Umsetzung der BSI-Anforderungen an ein solches System und zuletzt die Ausarbeitung von SaaS- und ADV-Verträgen. Diese ausgeweitete integrierte Infrastruktur wurde nun zum Digitalen Weiterbildungscampus Baden-Württemberg und den Weiterbildungsträgern zur Nutzung angeboten. Das Angebot wurde dann auch erfreulicherweise sehr gut angenommen. Eine Fachgruppe, die sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der entsprechenden Einrichtungen konstituierte, begleitet seitdem kritisch und konstruktiv den weiteren Entwicklungsprozess des Campus.

Projektergebnis

Der Digitale Weiterbildungscampus ist weit mehr als eine Lernplattform, denn er vereint in sich die unterschiedlichsten Applikationen bzw. Anwendungen unter einer Oberfläche. Alle Nutzer der Infrastruktur bewegen sich somit in einer integrierten Lehr- und Lernlandschaft, die den Eindruck einer großen einheitlichen Anwendung vermittelt. Hemmschwellen werden abgebaut, die Usabilitiy wird erhöht, die sinnvolle Kombination unterschiedlichster Werkzeuge ist ohne weiteres möglich, auch komplexe Settings können ohne Informatikstudium realisiert werden. Da alle am Weiterbildungsgeschehen Beteiligte sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können - Dozenten, Lehrgangsverwalter, Organisatoren, Informatiker -, wird zum Wohle der Lernenden Weiterbildung professionalisiert, effektiver gestaltet und kann nun allen flächendeckend und qualitativ hochwertig zugute kommen. Der Campus kann leicht an die bestehenden Webauftritte der jeweiligen Einrichtungen angepasst werden. Nach außen tritt er dadurch ganz individuell als eine spezifisch auf die jeweilige Einrichtung ausgerichtete Lern- und Lehrumgebung auf, gleichzeitig profitieren aber alle von den Vorteilen einer großen, zentralen technischen Infrastruktur wie Synergieeffekte, Kostenminimierung, Skalierbarkeit, technischer Umsetzung von Datensicherheit und Datenschutz, Know-how usw. Insgesamt kann mit dem Weiterbildungscampus die Digitalisierung der Weiterbildung in Baden-Württemberg sozialverträglich gestaltet und in die Fläche gebracht werden, d.h. jede Bürgerin und jeder Bürger kann nun von den Mehrwerten der Digitalisierung profitieren und sich zugute kommen lassen. Damit wirkt das Projekt der digitalen Spaltung in zweifacher Weise entgegen, der Spaltung innerhalb der Gesellschaft selbst und der Spaltung innerhalb der Weiterbildungslandschaft, die sich dann wiederum auf die erst genannte negativ verstärkend auswirken würde. Mit dem Digitalen Weiterbildungscampus ist das Land Baden-Württemberg für die Digitalisierung im Weiterbildungsbereich bestens gerüstet.

Fazit

Das Projekt „Digitaler Weiterbildungscampus Baden-Württemberg“ beweist, wie eine pluralistische Weiterbildungslandschaft mit Hilfe einer zentralen Plattform, die eine technische Infrastruktur zur Verfügung stellt, in einer zunehmend digitalisierten Welt weiterbestehen kann. Aus diesem Grund zeichnet die Jury des eLearning Journals die beiden Projektpartner Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und die vimotion GmbH mit dem eLearning AWARD in der Kategorie „Infrastruktur“ aus.

Autor: Mathias Fleig

 

Vorgaben & Besonderheiten

Vorgaben:
Mit dem Projekt sollte für die Weiterbildung in Baden-Württemberg eine zentrale Infrastruktur für technisch unterstützte Lehr- und Lernszenarien aufgebaut werden, die zuverlässig, institutionsübergreifend, datenschutzkonform und juristisch abgesichert sein sollte und darüber hinaus Möglichkeit zum Austausch bzw. zur gemeinsamen Nutzung digitaler Inhalte zwischen Institutionen bietet.

Besonderheiten:

Durch den neuen Weiterbildungscampus wird die Digitalisierung der Weiterbildung sozialverträglich gestaltet und in die Fläche gebracht. Die technische Innovation besteht in der Integration verschiedenster Tools in eine einheitliche Lernumgebung und der automatischen Zuweisung von Rechten und Skins.

Projektpartner

vimotion GmbH

Harald Grübele
CEO

vimotion GmbH
Friedhofstr. 26
D-71566 Althütte

info@vi-motion.de
www.vimotion.de

Kultusministerium Baden-Württemberg

Roland Bauer
Referent

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
Thouretstr. 6
D-70173 Stuttgart

roland.bauer@km.kv.bwl.de
www.km-bw.de

 


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