Neue Einblicke in die Lernwelten deutschsprachiger Unternehmen

Die eLearning BENCHMARKING Studie 2016 begleitete die eLearning SUMMIT Tour 2015 parallel unter dem Motto „eLearning-Szenarien im betrieblichen Einsatz. Mit insgesamt 774 beteiligten Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern handelt es sich um die größte Studie zum Thema „eLearning“ im deutschsprachigen Raum.

Die Redaktion des eLearning Journals führte 2016 die dritte eLearning BENCHMARKING Studie durch, welche die eLearning SUMMIT Tour mit den rund 2.500 Teilnehmern auf 20 Veranstaltungen begleitete. In 41 Fragen gaben eLearning-Professionals und Weiterbildungsverantwortliche zum aktuellen und zukünftigen Einsatz von eLearning Auskunft. Die Auswertung der Antworten liefert einen bis dato einmaligen Datenschatz, gibt neue Eindrücke und räumt mit einer Vielzahl von Mythen rund um das Thema „Corporate eLearning“ auf.

Bei der inhaltlichen Ausrichtung hat sich die eLearning BENCHMARKING Studie 2016 weiterentwickelt. In der dritten Studie gibt es neben allgemeinen Fragen zum Einsatz von eLearning Szenarien erstmals 4 Themencluster in 4 Substudien, die verschiedene Aspekte des Themas „eLearning“ genauer untersuchen: Performance Support/Workplace Learning, Blended Learning, Talent Management und Workplace Learning.

Die nachfolgenden Studienergebnisse geben tiefe Einblicke in die eLearning Praxis der deutschsprachigen Wirtschaft, inklusive aktueller Benchmarking-Zahlen zum momentanen Einsatz von eLearning-Maßnahmen sowie erwartete Trends und zukünftige Entwicklungen in den kommenden Jahren.

Nicht nur die Anzahl der befragten Unternehmen macht die diesjährige Studie des eLearning Journals so besonders. Durch die gleichmäßige Verteilung auf die verschiedenen Branchen und unterschiedlichen Größen der Unternehmen kann ein möglichst vollständiges Bild des eLearning-Unternehmensalltags ermittelt und aufgezeigt werden.

Im Detail-Unternehmensgröße und Branche

Die Ergebnisse der eLearning BENCHMARKING Studie 2016 scheinen die allgemeine Weisheit zu bestätigen, dass eLearning insbesondere in großen Unternehmen zum Einsatz kommt, denn mit 79,7 % stellen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern die klare Mehrheit dar. Dennoch zeigen 20,3 % der Unternehmen unter 500 Mitarbeiter, dass eLearning durchaus auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen erfolgreich zum Einsatz kommen kann. Gemessen an der Gesamtzahl der deutschen Unternehmen ist der Mittelstand im eLearning-Bereich also noch immer unterrepräsentiert und verspricht für die Zukunft großes Potential.

Auch die unterschiedlichen Branchen sind ausgeglichen vertreten und gut abgedeckt. 13,2 % der befragten Unternehmen sind in dem Verarbeitenden Gewerbe tätig. Mit einem kleinen Abstand folgten die Branchen Handel, Verkehr und Logistik (13,9 %), Dienstleistungen (13,9 %) und die Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (15,7 %). Die verbleibenden Unternehmen fielen auf die Branchen Ressourcen (4,2 %), Information und Kommunikation (6 %), Gesundheits- und Sozialwesen (6,2 %), Öffentliche Verwaltung (6,5 %) und Sonstige (20,4 %). Unter Sonstige fielen unter anderem die Automobilindustrie, die Chemiebranche, der Einzelhandel und die Medizingerätehersteller.

An der eLearning BENCHMARKING Studie 2016 beteiligten sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Branchen.

Zuständigkeit bei der eLearning-Umsetzung

Während bei Veränderungsprozessen für eLearning mit 56,3 % vor allem die HR- und Personalabteilung als treibende Kraft in den Unternehmen gesehen wird, wird bei der Umsetzung (Planung, Durchführung und Betreuung) von eLearning mit 51 % vor allem die Fort- und Weiterbildungsabteilung als zuständig gewertet. Erst auf dem zweiten Platz folgt mit 41,3 % die HR- und Personalabteilung, nur leicht vor den eLearning-Beauftragten bzw. der eLearning-Abteilung mit 38 %.

Bei der Frage, welche Lernbedarfe aktuell mit eLearning in den Unternehmen unterstützt werden, gaben 64,6 % an, dass Standardschulungen in der IT wie Microsoft Office oder SAP durchgeführt werden. Ein zweites großes Thema für eLearning in den Unternehmen sind Produktschulungen (60,3 %). Dieser Trend ist schon länger zu beobachten und in der Studie des Vorjahres mit einem sehr ähnlichen Wert von 60,1 % bereits vertreten. Diese Werte sind nicht verwunderlich, da sich Produkte immer schneller verändern und der Vertrieb, die Hauptverantwortlichen bzw. die Hauptzielgruppe für dieses Thema weltweit aufgestellt ist - selbst in vielen mittelständischen Unternehmen. Für individuelle Content-Ersteller bilden Produktschulungen weiterhin das größte Marktpotenzial, da sie für jedes Unternehmen passgenau und individuell erstellt werden müssen.

58 % der befragten Unternehmen gaben an, dass aktuell Compliance Trainings mit eLearning unterstützt werden. Im Gegensatz zu den Produktschulungen ist der größte Teil der Compliance-Schulungen nicht oder nur wenig an das Unternehmen angepasst. Überraschend ist hier der sehr geringe Bedarf an Sprachentraining. Insgesamt gaben nur 25,7 % an, dass Sprachentraining bei ihnen mit eLearning unterstützt wird. Dies ist vor allem verwunderlich, da fast die Hälfte der befragten Unternehmen (43,6 %) global aufgestellt sind und somit täglich mit unterschiedlichen Sprachen konfrontiert werden.

eLearning Budget

Um eLearning im eigenen Unternehmen voranzutreiben und auszubauen, braucht es nicht nur die Unterstützung der relevanten Stakeholder, sondern auch die entsprechenden finanziellen Mittel. Hier gaben insgesamt 38,5 % der Befragten an, dass sie kein generelles Budget für eLearning zur Verfügung haben und dies von Fall zu Fall entschieden wird. Somit ist eLearning in den meisten Unternehmen nicht mittelfristig verankert.

Die Produktion von eLearning ist immer eine Frage der Contentstrategie und sollte projektabhängig beantwortet werden.
IT-Trainings, Compliance Trainings und Produktschulungen gehören immer noch zu den verbreitetesten Bedarfen, wenn es um den Einsatz von eLearning in den Unternehmen geht.

In den kommenden 3 Jahren scheinen jedoch die Budgets eine gute Ausgangslage für eLearning-Projekte zu bieten, denn mit 47,8 % gab fast die Hälfte der Studienteilnehmer an, dass eLearning-Budgets in ihrem Haus steigen werden. Bei 32,9 % der Unternehmen bleiben die Budgets immerhin stabil. Lediglich 4,1 % gaben an, dass zukünftig weniger Mittel zur Verfügung stehen werden. Bei insgesamt 15,2 % ist die Budgetplanung derzeit nicht bekannt.

Neben den zur Verfügung stehenden Kosten für die Produktion von eLearning, stellt sich auch die Frage, wie die eingesetzten eLearning-Lerneinheiten hergestellt werden. Bei der Produktion von eLearning-Inhalten stehen die Unternehmen vor der zentralen Frage, wie der neue Content im eigenen Haus produziert werden soll: in Eigenproduktion (z.B. von firmeninternen eLearning-Beauftragten), in Zusammenarbeit mit einer eLearning-Agentur oder mit dem Kauf von fertigen Standardlerneinheiten.

Die Selbstproduktion mit einem speziellen Autorentool (z. B. Articulate, Captivate, Lectora, IDEA Team) wird hier angegeben mit 56,3 %, der Kauf von fertigen Lerninhhalten (43,8 %), die Produktion durch einen Dienstleister oder eine Agentur (42,8 %) oder die Erstellung eines internen eLearning-Spezialisten (33,6 %), sind bei den befragten Unternehmen für die Herstellung von eLearning sehr beliebt. Die sehr ausgeglichenen Antworten der befragten Unternehmen machen deutlich, wie projektabhängig diese Frage beantwortet werden muss.

Aktuelle eLearning-Methoden

In diesem Kontext ist auch interessant, welche eLearning-Methoden derzeit für das formale Lernen in den Unternehmen genutzt werden. Bei den aktuell eingesetzten eLearning-Methoden dominieren auch in diesem Jahr die beiden Klassiker „Web Based Training“ und „Blended Learning“. Weiterhin deutlich unter dem Hype liegt der tatsächliche Einsatz von Mobile Learning. Mit 54,4 % verzichtet knapp über die Hälfte komplett auf Lerninhalte für Smartphones und Tablets, während immerhin 12,7 % der Studienteilnehmer oft oder sehr oft Mobile Learning nutzen. Bereits unsere Vorjahresstudie ergab, dass für knapp 60 % der befragten Unternehmen Mobile Learning in der Praxis noch kein Thema ist. Am verbreitetesten ist der Einsatz von Mobile Learning nach wie vor für den Vertrieb bzw. für den Verkauf. Daraus lässt sich eine Vermutung ableiten. Gerade in diesem Unternehmensbereich entsteht für die Unternehmen durch die Nutzung der regelmäßigen Reisezeiten der größte Mehrwert. Auch die Anschaffungskosten der mobilen Endgeräte lassen sich beim Vertrieb oft leichter darstellen. Mobile Learning ist demnach für den Vertrieb eine vielversprechende Lösung und lässt sich deshalb leichter umsetzen.

Seit Jahren zeigen die Zahlen der MMB-Trendstudien, dass die Budgets für eLearning kontinuierlich gestiegen sind. Laut der Einschätzung der befragten Unternehmen der eLearning BENCHMARKING Studie 2016 sollte dieser Trend auch für die kommenden 3 Jahre anhalten.

In diesem Zusammenhang wurden die Unternehmen außerdem gefragt, welche Zielgruppen mit dem Einsatz von eLearning in den Unternehmen erreicht werden. Hier zählt auch der Vertrieb zu der wichtigsten Zielgruppe, wenn es um den Einsatz von eLearning geht. Einerseits gibt es hier oftmals regelmäßig einen Weiterbildungsbedarf, z.B. wenn ein neues Produkt eingeführt wird und andererseits ist der Vertrieb sehr direkter als andere Bereiche mit dem Unternehmenserfolg verbunden, weshalb sich ein vermeintlicher Return on Invest leichter darstellen lässt. Ebenfalls sehr verbreitet ist das Führungskräftetraining, wofür oftmals ebenfalls schneller Budgets für eine eLearning-Entwicklung zur Verfügung stehen. Relativ selten wird eLearning noch für Zielgruppen außerhalb des Unternehmens eingesetzt, wie beispielsweise als zusätzliches Angebot für die eigenen Kunden oder für Lieferanten.

Bildungscontrolling

Mit 67,2 % setzt die Mehrheit der Unternehmen zur Evaluation von Schulungsmaßnahmen auf eine Evaluation durch die Teilnehmer. Dabei handelt es sich zwar einerseits um eine recht einfache Art um Zahlen zu genieren, jedoch stellt sich andererseits die Frage, wie aussagekräftig diese „Happy Sheets“ wirklich sind. Ein weiterer Standard sind Abschlusstests (51,8 %),
die beim Bestehen oftmals mit einem entsprechenden Zertifikat belohnt werden. Dagegen sind zeitversetzte Prüfungen nach einer Schulungsmaßnahme mit 15,5 % noch deutlich seltener im Einsatz, obwohl diese Ergebnisse normalerweise deutlich besser aufzeigen, ob das gelernte Wissen auch langfristig behalten wurde.

Mit 67,2 % setzt die Mehrheit der Unternehmen zur Evaluation von Schulungsmaßnahmen auf eine Evaluation durch die Teilnehmer.

Aktuelle Publikation:

eLearning Journal - 2/2017
Kaufberater & Markt 2017/2018
>> Jetzt bestellen
eLJ2/2017

Projektpartner-Börse