Open Source: Kostengünstige Alternative zu kommerzieller Software?

Noch immer gehören Lernmanagementsysteme zu den Grundpfeilern der deutschsprachigen eLearning-Branche. Für viele Unternehmen, die in das Thema eLearning einsteigen wollen, führt der Weg noch immer zuerst über die Auswahl und Implementierung eines LMS. Allerdings können gerade die oftmals hohen Kosten bei der Anschaffung eines LMS für Unternehmen abschreckend sein. Eine kostengünstigere Alternative können Open Source-LMS darstellen.

Open Source bezeichnet allgemein Software, deren Quellcode öffentlich und damit frei einsehbar ist. Aus diesem Grund entfallen bei Open Source-Software Lizenzgebühren, was die Kosten reduzieren und gerade teure Software wie etwa ein LMS kostengünstiger machen kann. Gleichzeitig ranken sich um das Thema Open Source zahlreiche Mythen. Da hinter einer Open Source-Software typischerweise nicht ein Anbieter steht, sondern die Software vielmehr von freiwilligen Entwickler-Communities weiterentwickelt wird, gibt es beispielsweise oftmals Bedenken bei der Qualität des Quellcodes und damit verbunden auch gegenüber der Sicherheit der Anwendungen, obwohl sich Open Source-Software bei der Fehlerdichte nicht vor kommerziellen Lösungen verstecken muss. Auch beim Thema Sicherheit stellen der offene Quellcode und die großen Entwickler-Communities eher einen Vorteil statt einen Nachteil dar.

Verbreitung von Open Source-Software in der Schweiz

Es gibt also gleich mehrere Gründe, die für den Einsatz von Open Source-Software sprechen. Doch wie verbreitet ist Open Source in Unternehmen und Organisationen im deutschsprachigen Raum eigentlich? Die Open Source Schweiz Studie, die 2015 veröffentlicht wurde, gibt einen Hinweis darauf, welche Akzeptanz Open Source in Unternehmen und Organisationen hat.

Eine der zentralen Erkenntnisse dieser Studie ist die hohe Verbreitung von Open Source-Software unter den Studienbeteiligten. Demnach setzen 89 % der befragten Behörden, 94 % der ICT-Betriebe (Informations- und Kommunikationstechnologie) sowie ebenfalls 94 % der Betriebe anderer Branchen bereits Open Source-Software ein. Auch die Unternehmens- bzw. Organisationsgröße scheint in der Schweiz bei der Verbreitung von Open Source keine große Rolle zu spielen. Selbst kleine Organisationen zwischen 1 – 10 Mitarbeitern haben nach eigenen Angaben zu 92 % Open Source-Software im Einsatz. Bei den Organisationen mit 100 – 2.000 sowie über 2.000 Mitarbeitern steigen die Werte leicht auf 94 % und 97 % an.

Alles in allem zeigen diese Zahlen, dass das Thema Open Source in der Schweiz kein Nischenthema und über Unternehmensgrößen und Branchen hinweg weit verbreitet ist. Doch was sind eigentlich die Gründe, welche die schweizerischen Unternehmen zum Einsatz von Open Source-Software überzeugt haben?

Gründe für den Einsatz von Open Source-Software

Auch auf diese Frage liefern die Ergebnisse der Open Source Schweiz Studie umfangreiches Zahlenmaterial. Insgesamt wurden von der Studie 11 typische Gründe vorgegeben, welche die beteiligten Unternehmen und Organisationen nach ihrer Wichtigkeit bewerten sollten.

An erster Stelle stehen mit einer durchschnittlichen Nennung von 86,5 % (sehr wichtig und wichtig) offene Standards, welche zu den Stärken von Open Source-Software zählen und eine flexible Gestaltung der IT-Landschaft ermöglichen sollen. Ebenfalls einer hohen Bedeutung wird mit 81,5 % der Community beigemessen, die typischerweise mit einer Open Source-Software verbunden ist und deren Weiterentwicklung garantiert.

In der Schweiz ist Open Source über Branchen und Unternehmensgrößen hinweg weit verbreitet. (Quelle: © Open Source Studie Schweiz 2015 - OSS Directory)
Nach den Ergebnissen der eLearning BENCHMARKING Studie 2015 sind Open Source-LMS allen voran in kleineren Unternehmen verbreitet. Mit steigender Unternehmensgröße nimmt auch der Einsatz von Open Source-LMS ab.


An dritter Stelle kommen schließlich die Kosten, das wohl bekannteste Argument für den Einsatz von Open Source-Software. Von 77 % der befragten Unternehmen wurden die Einsparungspotentiale als wichtig oder sehr wichtig eingestuft. Aber auch ein weiteres, gängiges Argument, wonach durch Open Source keine oder eine geringere Lieferantenabhängigkeit entsteht, spiegelt sich in der Studie wider, denn von 75,5 % der Studienteilnehmer wird die Möglichkeit, sich aus Abhängigkeiten von Lieferanten zu lösen, als wichtig oder sehr wichtig erachtet.  

Open Source vs. kommerzielle LMS

Die Ergebnisse legen also die Vermutung nahe, dass Open Source-Software mittlerweile sowohl in Unternehmen als auch Organisationen weit verbreitet und etabliert ist. Doch wie sieht es mit der Verbreitung von Open Source im eLearning-Markt aus? Besonders relevant ist das Thema Open Source im Bereich der Lernmanagementsysteme und viele Unternehmen stehen bei der Einführung eines LMS bzw. dem Umstieg auf ein anderes System vor der Frage, ob es sich um eine Open Source oder eine kommerzielle Lösung handeln soll.

In der eLearning BENCHMARKING Studie 2015 zeigte sich, dass mit 61 % eine deutliche Mehrheit der befragten, deutschsprachigen Unternehmen ein kommerzielles LMS im Einsatz hat. Dem gegenüber stellen Unternehmen mit einem Open Source-LMS eine klare Minderheit dar, denn lediglich 22,6 %  nutzen Moodle & Co. zur Verwaltung ihrer betrieblichen Bildung. Eine untergeordnete Rolle spielen außerdem eigenprogrammierte LMS mit nur 8% Nennungen.

Interessant sind auch die Ergebnisse, wenn man die Verteilung von Open Source bzw. kommerziellen LMS nach der Unternehmensgröße sortiert. Mit 48,65 % ist die Verbreitung von Open Source-LMS in Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern deutlich am höchsten. Von diesem Höchstwert nimmt der Einsatz von Open Source-LMS mit zunehmender Unternehmensgröße kontinuierlich ab. Von den Unternehmen mit mehr als 25.000 Mitarbeitern setzen nur noch 10,83 % auf ein Open Source-LMS.

Mögliche Erklärungen für diese Verteilung könnte auf der einen Seite die tendenziell geringeren Kosten aufgrund der nicht vorhandenen Lizenzgebühren sein, was Open Source-LMS insbesondere in kleineren Unternehmen mit geringeren Budgets interessant machen könnte. Mit zunehmender Unternehmensgröße steigen in der Regel auch die verfügbaren Budgets, wodurch die tendenziell höheren Kosten von kommerziellen LMS weniger ins Gewicht fallen. Gleichzeitig gibt es in den IT-Abteilungen größerer Unternehmen oftmals einen Hang dazu, feste Anbieter und damit Ansprechpartner einer Software zu bevorzugen. Hinter einem kommerziellen LMS steht normalerweise ein bestimmter Lösungsanbieter und damit ein fester sowie in der Branche etablierter Ansprechpartner, der bei Fragen, Anpassungen und Problemen jederzeit verfügbar ist.


SoftDeCC



Aktuelle Publikation:

eLearning Journal - 2/2017
Kaufberater & Markt 2017/2018
>> Jetzt bestellen eLJ2/2017