Chancen nutzen für formelles und informelles Lernen

Der Trend um das Videolearning erlebt einen massiven Aufschwung. Lernvideos aller Art werden zunehmend klassischen Web Based Trainings (WBTs) und anderen Selbstlern-Formaten vorgezogen. Doch woran liegt dies und was macht Lernvideos so attraktiv für Lernende?

Warum Lernvideo einen Aufschwung erlebt

Was tun die meisten, wenn Sie eine Frage haben? Richtig, sie fragen Google und finden dort schnell eine Antwort. Die Generationen Z – auch Generation Online genannt – sucht nach der Antwort jedoch auf YouTube. Zu allen nur erdenklichen Themen gibt es mittlerweile qualitativ hochwertige Videos, die teils von Unternehmen und Trainern teils von Privatpersonen erstellt wurden. Durch YouTube können wir also nicht nur Themen aus der Schule wiederholen, sondern auch auf informellen Weg lernen, wie wir einen Reifen am Auto wechseln oder eine Lampe anschließen.

Auch unsere heutigen YouTube-Stars haben das Lernen mit Videos weiter vorangetrieben. Privatpersonen jeden Alters teilen in ihren YouTube-Channels regelmäßig Videos, in denen sie beispielsweise Produkte testen, Schminktipps geben, Rezepte vorkochen oder einfach aus ihrem Alltag erzählen. Die Klicks, die sie dadurch erreichen, gehen in die tausende.

Ein weiterer Grund sind sicherlich die vielen MOOC-Plattformen und MOOCs (= Massive Open Online Courses), die eine Vielzahl an kostenfreien Kursen zu den unterschiedlichsten Themen weltweit zur Verfügung stellen. MOOCs bestehen in der Regel aus mehreren Videos, in denen Lehr-Lern-Inhalte durch Interviews, Präsentationen und Animationen vermittelt werden. Zusätzlich kann man mit den übrigen Teilnehmenden in Foren diskutieren, Testfragen bearbeiten und wird durch Badges (virtuelle Abzeichen/Belohnungspunkte) motiviert, weiter zu lernen. Solche MOOCs finden sie beispielsweise bei openSAP, openHPI oder mooin.

Diesen Lerntrend verspüren auch die Hochschulen. Immer öfter werden hier daher Vorlesungen aufgezeichnet und den Studierenden zur Verfügung gestellt. Beispielsweise stellt Prof. Dr. Jörn Loviscach von der Fachhochschule Bielefeld in seinem Fachbereich Ingenieurmathematik und technische Informatik eine Vielzahl an Videos frei zur Verfügung und hat einen eigenen YouTube-Channel.

Abbildung 1: Als Vor- oder Nachbearbeitung können Quizfragen und Wissenschecks Lernvideos unterstützen.

Was macht Videos so attraktiv für die Lernenden?

Lernvideos haben für die Lernenden viele Vorteile. Wir haben für Sie aus didaktischer und lernpsychologischer Sicht hier die zentralen Vorteile aufgelistet:

Lernen im eigenen Tempo: Videos können jederzeit angehalten und zurückgespult werden. So können Lernende in ihrem eigenen Tempo lernen und den Teil wiederholt anschauen, den sie noch nicht verstanden haben. Dadurch können Lernende ihren Lernprozess selbst steuern und sichern sich damit den Lernerfolg.

Lernen wo und wann ich will: Die Lernenden können sich die entsprechenden Videos dann anschauen, wenn es für sie passend ist. Dadurch, dass Lernvideos optimal für mobile Endgeräte geeignet sind, können diese auch morgens in der Bahn, abends auf dem Sofa oder zwischendurch von jedem Ort aus angesehen werden. Dies minimiert die Hürden des Lernens auf ein Minimum und macht es sehr attraktiv für die Lernenden.

Learning on Demand: Wir wollen Antworten genau dann haben, wenn wir sie brauchen. Inhalte müssen uns dann zur Verfügung stehen, wenn wir vor einem neuen Thema oder einem Problem stehen. Genau das erreichen wir mit Lernvideos. Lernende finden in Videos schnell und einfach, wonach sie suchen und können das Gelernte sofort anwenden. Dies fördert nicht nur die Motivation, sondern auch die Nachhaltigkeit des Lernprozesses.

Abbildung 2: Sketch- bzw. Legevideos können die Aufmerksamkeit und Motivation des Lerners fördern.

Der Modalitätseffekt unterstützt den Lernprozess: Videos funktionieren dann am besten, wenn uns die Lehr-Lern-Inhalte sowohl auditiv – durch einen Sprecher – als auch visuell – durch Animationen, Grafiken, Bilder – dargeboten werden. Genau dies besagt der empirisch nachgewiesene Modalitätseffekt. Dadurch, dass beide Sinneskanäle angesprochen werden, wird der Lernprozess optimal gefördert. Komplexe Inhalte werden so leichter verstanden: Während der Lernende sich die bildliche Darstellung anschaut, werden ihm die Kontextinformationen ans Ohr geliefert und dieser Mix aus Hören und Sehen fördert das Verstehen und Behalten maßgeblich. Außerdem können in Videos die unterschiedlichsten Themen lebendiger, emotionaler und motivierender aufbereitet werden, als beispielsweise in einem WBT, das häufig stark textlastig ist.

Die unterschiedlichen Video-Formate

Im Bereich der Lernvideos gibt es die unterschiedlichsten Begriffe und Formate. Doch was steckt wirklich dahinter und wann eignet sich welches Format? Anbei finden Sie eine Auflistung der meist genutzten Formate mit ihren Vor- und Nachteilen:    

Realvideos und Talking-Head-Videos: In Realvideos werden verschiedene Szenen gefilmt. Beispielsweise werden Gespräche, Interviews, Statements oder Vorträge in einem Video abgebildet. Eine besonders beliebte Form ist das Talking-Head-Video. Hier werden Personen bis zur Hüfte gefilmt während im Hintergrund oder neben der Person Vortragsfolien oder Bilder eingeblendet werden. Diese Videos eignen sich immer dann, wenn der Bezug zur Person wichtig ist oder der Redner eine besondere Bedeutung hat. Beispielsweise können Sie so als Trainer die persönliche Bindung zu Ihren Teilnehmenden auch virtuell aufbauen. Achten Sie dabei auf eine persönliche Ansprache der Zuschauer.

- Vorteile: Soziale Präsenz kann erzeugt werden, persönliche Ansprache unterstützt die Motivation und fördert die Aktivierung der Teilnehmenden, Inhalte können optimal vermittelt werden

Abbildung 3: In Realvideos können z.B. Trainer oder Dozent für die Lerner als Bezugspersonen fungieren.

- Nachteile: Bei zu vielen Informationen, beispielsweise zu volle Präsentationsfolien, zu viel Bewegung oder einer zu hohen Geschwindigkeit ist der Lernprozess gefährdet

Sketchvideo/ Legevideos: Sketchvideos, auch Legevideos genannt, sind häufig animierte Videos, die die Stift- und Legetechnik nachahmen. Dabei werden Grafiken und Texte von einer animierten Hand gezeichnet und geschrieben. Diese Videos können natürlich auch real verfilmt werden. Sprich: Auf einem Whiteboard werden die Inhalte von einem echten Zeichner verfasst und dieser Prozess wird dabei abgefilmt. Das Video wird dann so geschnitten, dass der visualisierte Inhalt zum Sprechtext passt. Diese Videos eignen sich besonders für Storytelling oder eine kreative Darstellung der Lehr-Lern-Inhalte.

- Vorteile: Ansprechende Gestaltung, Lernende werden motiviert, halten die Aufmerksamkeit hoch, Inhalte entstehen schrittweise
- Nachteile: Die Produktion von echten/realen Legevideos ist sehr aufwendig

Animationen und Cartoons: Videos, in denen Animationen oder Cartoons zu sehen sind, zeigen eine künstliche Umgebung. In einem Cartoon kann in der Regel mehr dargestellt werden, als in einem Sketchvideo. Gerade komplexe Abläufe wie beispielsweise Verfahrenstechniken, Prozesse in der Produktion oder der menschliche Körper, Reparaturanleitungen oder die zwischenmenschliche Kommunikation kann in solchen Videos besser und anschaulicher erklärt werden. Daher wird auch in diesen Videos oft mit Storytelling gearbeitet.

- Vorteile: Verwendete Figuren sind persönlicher und können durch Animationen mehr Gestik und Mimik zeigen, komplexere Inhalte können veranschaulicht werden
- Nachteile: Aufwendiger in der Produktion

Screnncam/Screencast: Screencam oder Screencasts sind Videos, die den Bildschirm abfilmen. Dabei kann beispielsweise eine Anwendung gezeigt und Schritt für Schritt erklärt werden. Der Lernende sieht in solchen Videos auch die Mausbewegungen und kann so nachvollziehen, wo wann geklickt werden muss. Diese Videos eignen sich also vor allem zur Schulung von Programmen wie Excel, SAP, Word oder zur Anleitung, wie ein spezielles Formular ausgefüllt werden soll.

- Vorteile: Einfache und schnelle Erstellung, hierfür gibt es schon viele kostenlose Programme zur Aufzeichnung
- Nachteile: Bei guter Qualität keine

Videolearning in Online-Kurse integrieren – das Beispiel AEVO digital

Videolearning bietet den Lernenden also viele Vorteile für das informelle Lernen. Doch Videos alleine reichen für einen optimalen Lernprozess nicht aus. Wie Sie Videos optimal in einen Online-Kurs integrieren können und somit auch formelle Lernprozesse unterstützen können, zeigen wir Ihnen am Beispiel AEVO digital.

Die Vorbereitung auf die schriftliche und praktische Prüfung nach der Ausbildereignungsverordnung, kurz: AEVO, findet in den meisten Fällen in mehrtägigen Präsenzveranstaltungen statt. Die Lernenden sind also bis zu 2 oder 4 Wochen am Stück im Seminar und lernen hier kompakt alle nötigen Inhalte.

Die AEVO digital GmbH ist der Überzeugung – das geht besser! Damit die Lernenden weniger am Arbeitsplatz fehlen und die Arbeitgeber Seminar-, Fahrt- und Übernachtungskosten einsparen können, hat die AEVO digital GmbH ein innovatives und ausgeklügeltes Lernformat entwickelt.

Die Lernenden melden sich zur Prüfungsvorbereitung auf der Lernplattform an und können dann individuell, zu jeder Zeit und an jedem Ort lernen. Dazu stehen ihnen verschiedene Lernformate zur Verfügung. Das Leitformat sind jedoch echte Legevideos, also verfilmte Whiteboard-Videos mit Sprecher.

Abbildung 4: In der digitalen AEVO-Vorbereitung werden Lernvideos durch weitere Maßnahmen wie etwa Skripte ergänzt und unterstützt.

Und so ist der Online-Kurs aufgebaut: Der Lernende findet auf der Lernplattform alle vier Handlungsfelder nach AEVO sowie einen Bereich für die Prüfungsvorbereitung auf die Theorieprüfung und einen für die Prüfungsvorbereitung für die praktische Prüfung. Innerhalb der vier Handlungsfelder lernt der Lernende jeweils mit Videos, Quizfragen und vertiefenden Skripten und kann sein Wissen am Ende eines jeden Handlungsfeldes mit einem Wissenscheck testen.

Die Lernvideos haben alle den gleichen Aufbau:

1. Der Dozent begrüßt die Teilnehmenden zu Beginn und stellt die Inhalte sowie die Lernziele des Videos vor. Danach tritt er aus dem Bild.
2. Auf einem Whiteboard werden dann die Lehr-Lern-Inhalte Schritt für Schritt visualisiert, während der Dozent die Inhalte erklärt.
3. Am Ende kommt der Dozent wieder ins Bild, fasst die zentralen Punkte zusammen, verweist die Lernenden auf weiteres dazu passendes Lernmaterial und verabschiedet sich. Neben ihm tauchen die relevanten Infos stichwortartig im Talking-Head-Format auf.

Der große Vorteil dieses Online-Kurses liegt dabei nicht nur in den Videos, sondern in der didaktischen Einbettung der Videos in einen Lernpfad. Der Lernpfad zeigt für die Lernenden verschiedene Wege auf: Es kann mit jedem Thema begonnen werden oder die vorgeschlagene Reihenfolge der Handlungsfelder durchlaufen werden. Dabei lernt der Lernende abwechselnd mit verschiedenen virtuellen Lernformaten, die sich inhaltlich und didaktisch sinnvoll ergänzen. Durch eine tutorielle Begleitung hat der Lernende außerdem zu jeder Zeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen und erhält individuell und zeitnah eine professionelle Antwort. Eine Lernfortschrittskontrolle zeigt dem Lernenden außerdem an, welche Inhalte er bearbeitet und welche er verstanden hat. Die Lernplattform ist dabei so aufgebaut, dass der Lernende optimal auf seinem Lernpfad begleitet wird.

Hier wird virtuelles Lernen also ganz neu gedacht außerhalb der abgetretenen Pfade von Web Based Trainings.

Abbildung 5: Der Online-Kurs für die AEVO behandelt alle 4 Handlungsfelder sowie Prüfungsvorbereitungen für die theoretische und praktische Prüfung.

DIE AUTOREN

Josef Buschbacher

ist Geschäftsführer der Corporate Learning & Change GmbH und war selbst jahrelang Ausbildungsleiter in einem Großkonzern. Er ist ausgewiesener Experte im Themenfeld Ausbildung, Veränderungsmanagement, Social Media und Digital Learning Solutions. Zu seinen Kernkompetenzen gehören die digitale Fitness von Aus- und Weiterbildnern, das Einführen von technologischen Innovationen im Lehr-Lern-Bereich, die Beratung von Unternehmen im Bereich Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildungslandschaft und das Anwenden von Kreativmethoden wie Design Thinking.

Madeleine Müller

ist Learning Consultant der Corporate Learning & Change GmbH, zertifizierte Live Online-Trainerin und Blended Learning-Designerin sowie Design Thinking-Trainerin. Zu ihren Kernkompetenzen gehören die Qualifizierung von Trainern und Weiterbildnern zu Live Online-Trainern, Digital Learning-Designern und Content Entwicklern sowie die Konzeption von didaktisch durchdachten Digital Learning Solutions. Außerdem berät und qualifizert sie internationale Kunden rund um das Themengebiet Digitalisierung in der Weiterbildung.

Dr. Katja Bett

ist Geschäftsführerin der Corporate Learning & Change GmbH, ausgebildete Personal- und Organisationsentwicklerin (GwG e.V.), Certified Live-Online-Trainerin und hat zum Thema E-Moderation im Fach Pädagogik promoviert. Zu ihren Kernkompetenzen gehören die Entwicklung von innovativen Personalentwickungs- und Trainingsmaßnahmen durch digitale Lernformate. Sie berät Unternehmen bei der Einführung von komplexen Digital Learning Solutions. Außerdem bildet sie Webinar-Trainer, Digital Learning-Designer und Content Entwickler aus. Dazu gehört auch Coaching bei der individuellen Kompetenzentwicklung rund um das Thema „Digitalisierung“.

KONTAKT

Dr. Katja Bett

CLC – Corporate Learning & Change GmbH

Viergiebelweg 26
D-70192 Stuttgart

Tel.: +49 (0) 711 / 50 47 36 38

k.bett(at)clc-learning.de
www.clc-learning.de


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